Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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12.12.2019

Monatsspruch September

von Pfarrerin Susanne Peters-Streu


Foto: Reiner Kolodziej

Unter den Jüngern gibt es Streit! Wer ist der Größte im Himmelreich? Wer wird der Erste sein, der Wichtigste, der mit dem besten Platz und der besten Aussicht? Wie vertraut ist mir solch ein Streit, wie er von den Jüngern berichtet wird?

Wer ist der Größte, wer sitzt in der ersten Reihe und wer in der letzten und auf den Hinterbänken. Niemand will den Kürzeren ziehen, niemand der Letzte sein.

Und Jesus ruft ein Kind und stellt es mitten unter sie. Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, sagt Jesus ihnen, dann habt ihr im Himmelreich keinen Platz.

Es geht uns Erwachsenen offenbar etwas verloren im Laufe der Zeit. Etwas, was Kinder haben, jedenfalls die Kleinen. Etwas, was auch wir gehabt haben, als wir noch Kinder waren. Etwas sehr Wichtiges. So wichtig ist es, dass wir ohne dieses "Etwas" nicht ins Himmelreich kommen.

Verschiedenes geht mir durch den Kopf, die Kindheit ist der Ort des Anfangs. Kinder haben die Fähigkeit immer wieder von neuem anzufangen, es immer wieder zu versuchen, Rückschläge hinzunehmen und wieder von vorn zu beginnen und so lange weiterzumachen, bis sie es heraushaben. Ich bin davon überzeugt, dass dies eine Eigenschaft ist, die Jesus sucht bei den Leuten, die sich zusammen mit ihm aufmachen auf den Weg zu seinem Reich. Nie aufhören anzufangen, das ist etwas, was wir von den Kindern lernen können. Das Leben liegt vor dir, voller Möglichkeiten. Gott schenkt es dir. Wie ein Baum, der immer wieder ausschlagen und neues Grün treiben kann, so sind die Menschen, die zu Gott gehören. Sie lernen viele Neuanfänge kennen, sie wagen oftmals mutige Schritte und fürchten sich nicht vor Aufbrüchen in unbekannte Gebiete.

Ein anderes fällt mir ein: Vertrauen fassen. Kinder können das. Sie müssen nicht über ihren Schatten springen, um mit Gutem zu rechnen. Kinder sind voll Vertrauen zu ihren Eltern. Ich habe oft beobachtet, wie Kinder sich in die Arme der Eltern fallen lassen, von einem kleinen Mäuerchen herunterspringen. Dann kann es geschehen, dass sie mitunter auch ohne große Ankündigung springen. Eltern müssen dann sehr aufpassen und acht haben, das Kind ist irgendwo herauf geklettert und sagt nur kurz: Mama, und springt. Ein Kind kann großes Vertrauen fassen und Vertrauen zeigen.

Was hat mein Vertrauen erschüttert im Laufe meines Lebens? Hilft mir dieses Bild vom Kind am Anfang seines Lebens voll Vertrauen und angewiesen darauf, dass es bekommt, was es zum Leben braucht. Kann ich Vertrauen lernen, mich einüben? Ich will es jedenfalls immer wieder neu versuchen, weil ich erfahren habe, wie es dem Leben hilft. Und ich will Gott bitten, dass er Vertrauen in mir wachsen lässt, jeden Tag neu.

Und noch ein drittes ist wichtig für alle, die mit Gott in seine neue Welt unterwegs sind, was wir von den Kindern lernen können. Leben in der Gegenwart. Kinder können das. Sie denken nicht dauernd an früher und verschwenden auch nicht zu viele Gedanken an das, was wohl noch kommen kann. Sie leben hier und jetzt. Einen Weg mit einem Kind zusammen gehen, lässt mich das erfahren. Was ist da nicht alles zu entdecken am Wegrand.

Die Schöpfung ist schön. Da krabbelt eine Ameise und dort ein Feuerkäfer, eine Schnecke zieht ihren Weg und auf einer Wasserpfütze im Wald laufen die Wasserläufer. Das Leben ist spannend. Der Tag ist lang, und das ist gut. Es gibt so viel zu entdecken. Offen sein für das, was heute geschieht, es ist die Voraussetzung dafür, dass wir das Gute annehmen und das Schwere verkraften können auf unserem Weg in Gottes neue Welt.

Pfarrerin Susanne Peters-Streu

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