ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.3.2019

Widerstehen und Versagen
Erinnerung an die Steglitzer Bekenntnissynode vom 24.–26. September 1935

Katrin Rudolph


Gemeindehaus der Markusgemeinde, 1935

Veranstaltungsprogramm in der Markusgemeinde

Freitag, 25. September 2015

18.00 Uhr: Gedenkgottesdienst in der Markuskirche, Karl-Stieler-Str. 8a, 12167 Berlin
Predigt: Pfarrerin Marion Gardei, Beauftragte für Erinnerungskultur der Ev. Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz

19.30 Uhr: Vortrag und Gespräch zum Verlauf und zu den Hintergründen der Synode, Markusgemeindehaus, Albrechtstraße 81/82, 12167 Berlin
Referent: Dozent Dr. theol. Hartmut Ludwig, Humboldt-Universität Berlin

Samstag, 26. September 2015

15.00–18.30 Uhr: Eine Frage des Gewissens? Glaube und Politik heute! Gemeinsam diskutieren und entscheiden.
Markusgemeindehaus, Albrechtstraße 81/82, 12167 Berlin

In einem Planspiel stellen die Teilnehmenden gemeinsam eine Synode nach: Verschiedene Referenten bringen Anträge zu den drängenden Fragen unserer Zeit ein. Anschließend werden diese bekenntnisrelevanten Themen in Ausschüssen diskutiert und Thesen dazu verabschiedet.

  • Arm in einem reichen Bezirk"
    Sabine Hafener, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes Steglitz/Teltow-Zehlendorf
  • "Kirchen auf dem Weg zum zukunftsfähigen Wirtschaften"
    Christiane Albrecht, Brot für die Welt
  • "Flüchtlinge zwischen Willkommen und Ablehnung"
    Bernhard Fricke, Pfarrer für Flüchtlingsseelsorge
  • "Bunt wie Gottes Schöpfung. Kirche und Homosexualität"
    Prof. Dr. Philipp Enger, Ev. Hochschule Berlin
  • "Radikal für den Frieden"
    Dr. Ute Finckh-Krämer, Mitglied des Bundestages (angefragt)

Die Veranstaltung richtet sich an Jung und Alt gleichermaßen und lebt von einem angeregten Austausch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Weitere Informationen bei den Pfarrerinnen: Andrea Köppen (E-Mail ), Katrin Rudolph (E-Mail ), Rajah Scheepers (E-Mail )

Vor 80 Jahren tagte die dritte Synode der Bekennenden Kirche im Markusgemeindehaus. Die Kirchengemeinden in Steglitz-Nord erinnern daran mit einem Gedenkprogramm am 25. und 26. September 2015.

Die Evangelische Kirche wollte 1933 den staatlichen "Arierparagraphen" übernehmen und sogenannte "nichtarische" Pfarrer aus dem Dienst ausschließen. Dagegen wehrte sich eine Gruppe von Pfarrkollegen und erklärte sich mit den Diskriminierten solidarisch, schon allein um gegen ein staatliches Eingreifen in kirchliche Belange zu protestieren.

Sie gründete den "Pfarrernotbund", aus dem wiederum die "Bekennende Kirche" hervorging. Die Bekennende Kirche traf sich zu mehreren Synodentagungen, in denen verschiedene Richtungsentscheidungen getroffen wurden. Eine dieser Tagungen fand vom 23. bis 26. September 1935 in Steglitz statt, im Markusgemeindehaus.

Eine Woche nach dem Erlass der "Nürnberger Gesetze" wurde die Frage nach dem Verhältnis der Kirche zu den als Juden zunehmend aus der Gesellschaft ausgeschlossenen Nachbarn ein brisantes Thema. Überliefert ist die Anwesenheit eines hohen Staatsbeamten aus dem Kirchenministerium, der die Synodalen mit dem Jesaja-Wort "Hüte dich und sei stille!" einzuschüchtern versuchte. Woraufhin er wohl einfach ausgelacht wurde.

Dennoch ist die Geschichte der Synode auch eine Geschichte des Versagens. Den Synodalen lag die erschütternde Denkschrift "Zur Lage der deutschen Nichtarier" der Lankwitzer Lehrerin Elisabeth Schmitz vor. Am Ende ihrer Dokumentation stellt sie die Frage: "Warum tut die Kirche nichts? Warum lässt sie das namenlose Unrecht geschehen?"

Auch Dietrich Bonhoeffer war mit seinem Predigerseminar aus Finkenwalde angereist. Als Gäste verfolgten die Vikare von der Empore des Markusgemeindesaales das Geschehen und waren enttäuscht, dass sich die Synodalen nicht zu einer prinzipiellen Stellungnahme gegen die Judenverfolgung entschließen konnten.

Die Synode bekannte sich zwar zu den Christinnen und Christen "jüdischer Herkunft", aber sie fand kein entschiedenes Wort für alle verfolgten Jüdinnen und Juden.