ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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17.1.2019

Summertime...
Der theologische Artikel

von E-Mail


Bild: Michael Busch

"Summertime... and the living is easy", die bekannte Melodie aus der Oper "Porgy and Bess" von George Gershwin schallt aus dem Autoradio. Die Scheibe ist unten, das Schiebedach geöffnet, die volle Ladung Sommer strömt durch den Wagen. Der Grill lockt, das Kaltgetränk funkelt, alle Urlaubsprospekte sind gelesen, viele Webseiten durchgeklickt, das Ziel steht fest. Der Urlaub steht unmittelbar bevor. Die schönste Zeit des Jahres, so ist es immer wieder zu lesen oder zu hören. Ein positives Lebensgefühl, das in diesen Tagen und Wochen viele durchströmt.

Wo geht es denn dieses Jahr hin? Dieses Jahr geht es in die Berge, nach Bayern. Ja, zugegeben, ein Urlaubsziel, das für Familien mit Kindern nicht ohne Risiko ist. Wegen des Wetters. Schlechtwetter soll sich ja bisweilen auch hierzulande während des Sommers breitmachen, aber Zuversicht hat Priorität. Die starke Sehnsucht der Großstadt-familie nach Flora und Fauna, nach dem Duft von frisch gemähtem Gras, nach den Farben, den Bergen, nach glücklichen Kühen und knuffigen Lämmchen, dem glitzernden See und überhaupt, ist schließlich stärker als alle Bedenken. Wird schon werden! Draußen, in der Natur, bekommt doch alles eine Heiterkeit. Grün macht glücklich, sagen sogar Therapeuten.

Beim ersten Aufwachen klatscht dann der Regen an die Fensterscheibe. Wie ein graues Handtuch hängt der Himmel über den Bergen; Wolkenlücken sind erstmal nicht auszumachen.

Am dritten Tag leider keine Besserung und das Wetterradar verheißt immer noch nichts Gutes – dann die ersten Durchhalteparolen: "Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung". Aber wer mag das schon hören, wenn der Himmel gerade alle Schleusen öffnet und die Einheimischen bei der Frage nach dem Wetter die Stirn in Falten legen.

Ein Plan muss her. Wie wäre es mit einem Besuch des Heimatmuseums? Unter normalen Umständen wäre das eine "No-Go-Area". Aber besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Auf geht's! Die Kinder genießen den Weg weit mehr als das Ziel, hüpfen in bunten Gummistiefeln und farbenfrohen Regenjacken durch aufgeweichte Wiesen und matschige Feldwege. Die Erwachsenen sind ähnlich ausstaffiert und trotten mit halbfröhlichen Gesichtern hinterher. Urlaubsromantik sieht anders aus. Oder? Aber jetzt bloß nicht ins Grübeln oder Rechnen kommen, was so ein vertaner Regentag kostet.

Also weiter herummaulen? Nein, denn auch 40 Grad im spanischen Schatten, so man ihn findet, bei rationiertem Duschwasser, so es fließt, sind ja auch nicht die pure Erholung. Und bei dem verrückten Wetter heutzutage gibt es ja auch in Mallorca oder Gran Canaria immer öfter verregnete Urlaubstage. Also was tun bei heftigem Wind, Regen und Wolken am Himmel? Humor beweisen, Ideen entwickeln. Bei Schönwetter kann jeder lustig sein &8211; versuchen Sie es doch mal bei Regen.

Wie wär es denn mal mit einem Schöpfungsspaziergang mit einem Psalm in der Hand? Um Zeit in der Natur zu verbringen und Erfahrungen zu sammeln mit Erde, Luft, Wasser, Wind und Regen, mit Gerüchen, Bodenbeschaffenheiten, Lichtverhältnissen, Tier- und Pflanzenarten.

Für die Pracht und Vielfalt der Schöpfungserscheinungen, die in den Psalmen bildreich besungen werden, muss für die meisten (Stadt-)Kinder und auch für die Erwachsenen erst einmal eine Erfahrungsgrundlage gelegt werden, damit die Sprachbilder des Psalms ein Echo im inneren Erfahrungsschatz auslösen können.

Feuchte Erde riechen, Wassertropfen zählen, die in einer bestimmten Zeit an einem Blatt hinabperlen, Kühe beobachten, die sich unter schützende Bäume stellen, um in Ruhe weiterzugrasen. Zusehen wie Regen auf Feldwegen niederprasselt, aber kaum seinen Weg durch den dichten Wald schafft. Warum nicht mal einen Käfer vor dem Ertrinken retten oder einer Ameisenarmee einen trockenen Übergang über einen reißenden Pfützenbach ermöglichen? All das bringt uns Gottes wunderbare Schöpfung nahe und macht deutlich, was für ein grandioses Meisterwerk und wie zerbrechlich sie ist und welche Verantwortung wir Menschen für sie haben.

Egal aber, ob Sie im Urlaub einen Schöpfungsspaziergang absolvieren, ein mehrtägiges Frucht- und Gemüsesaftprogramm absolvieren, sich mit Seegras umwickeln lassen, sich strengen Anti-Erschöpfungs-Protokollen hingeben oder sich von ayurvedischen Duftnebeln einhüllen lassen – wichtig ist wohl, das richtige Maß zwischen Tun und Innehalten zu finden. Die Gelehrten der vergangenen Jahrhunderte haben feierlich von "actio" und "contemplatio" gesprochen. Dazu kann auch die Erkenntnis gehören, dass ein verregneter Urlaubstag eine herrliche Gelegenheit bietet, den eigenen Rhythmus wiederzufinden.

Nach dem Regen sind die Berge übrigens immer noch da, und sie wissen nichts von Tourismus, Wellness und Urlaubsstandorten. Aber sie erzählen von der Schöpferkraft Gottes.

Loszulassen und an nichts zu denken oder sich intensiv mit Kinderfragen auseinanderzusetzen, sich Zeit zu lassen, geduldig auszuharren, bis der gerettete Regenwurm von der Straße weg auf die Wiese befördert wird. All das könnten Urlaubsziele sein.

Was auch immer Sie tun, ich wünsche Ihnen eine gesegnete Urlaubs- und Sommerzeit und eine gute Balance zwischen Aktivität und Innehalten.

Pfarrer Michael Busch