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27.5.2019

Stolpersteinverlegung
Erinnerungskultur

Am 25. Juni sollen in der Heimkehlenstr. 6 drei Stolpersteine für Dr. Ernst Schlumberger, seine Frau Käthe und die gemeinsame Tochter Beate verlegt werden. Initiiert wurde die Verlegung durch eine Großnichte aus Großbritannien, die zur Verlegung anreisen wird.

Ernst Schlumberger (17.9.1887 in Lindau/Bodensee) war "Arier". Er hatte an der Technischen Hochschule Karlsruhe studiert und hielt als Ingenieur mehrere Patente, das letzte wurde im Februar 1942 veröffentlicht. Seine Frau Käthe, geb. Zehden (2.5.1895 in Stettin/Pommern), war das jüngste Kind einer großen jüdischen Familie. Susan Hamlyn schreibt über Ernst und Käthe Schlumberger, dass sie in der Erinnerung der Familie eine überaus hingebungsvolle Liebesbeziehung führten. Beate (8.11.1923 in Berlin), die nach den Rassekategorien der Nationalsozialisten als "Halbjüdin" galt, war das einzige Kind dieser Ehe.

Als die Deportationen begannen, wurde Beate in die Schweiz geschickt. Wahrscheinlich entfiel aber dadurch der Status der "privilegierten Mischehe", so dass Käthe Schlumberger nicht mehr vor der Deportation geschützt war. Als diese drohte, wurde Beate nach Lichterfelde zurück geholt, die Deportation schien aber nicht mehr abzuwenden zu sein. Statt voneinander getrennt zu werden, beschlossen Ernst, Käthe und Beate Schlumberger die gemeinsame Flucht in den Tod. Am 15. Mai 1943 nahmen sie sich das Leben, wahrscheinlich durch Gift.

Als Käthes 1939 über das Rote Kreuz nach Großbritannien ausgewanderte Schwester diese Nachricht erreichte, traf sie das mehr als alle anderen Verlustmeldungen dieser Zeit, da die Schwestern eine besonders innige Verbindung zueinander hatten. Dass ihre Enkeltochter die Stolpersteinverlegung nun erleben darf, ist für die Familie ein wichtiges Symbol.

Nach aktuellem Planungsstand wird Gunter Demnig am 25. Juni gegen 9.00 Uhr in der Heimkehlenstraße mit der Verlegung beginnen. Im Anschluss sind Sie eingeladen, in der Petruskirche, Oberhofer Platz, mit Susan Hamlyn und Pfarrerin Susanne Peters-Streu ins Gespräch zu kommen. Bitte beachten Sie zur Sicherheit die Homepage des Kirchenkreises, um über Veränderungen informiert zu werden.

Pfarrerin Katrin Rudolph
Netzwerk Erinnerungskultur im KK Steglitz

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