Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.9.2019

Besuch von Noahs Arche
Aus der Kita Lindenhof

"Es ist noch Platz auf der Arche" lautete die Einladung zu den Kinderbibeltagen in der Kita Lindenhof.

Noahs Arche: Gemälde von Edward Hicks

In der Woche nach Ostern fanden an drei Tagen die Kinderbibeltage mit unserer Gemeindepädagogin Karolin Rolle sowie Franzi und Luca, zwei Konfirmandinnen, in unserer Kita statt. Nach dem Frühstück in unseren Stammgruppen trafen wir uns in der Lernwerkstatt. Dort begrüßte uns Karolin mit einem gemeinsamen Lied und dem Anzünden einer Kerze. Mit bildhaften Symbolen erzählte uns Karolin dann die Geschichte von Noah und der Arche, der großen Sintflut und dem Regenbogen. Im Anschluss konnten sich die Kinder entscheiden, bei welchem der drei Vertiefungsangeboten sie mitmachen wollten: ein großes Unterwasserbild mit Farben und Pinsel gestalten, den Bau einer Arche aus Karton oder/ und Tierfiguren kneten.

Den Abschluss der Kinderbibeltage bildete die Einladung zum Kindergottesdienst mit der Familie am folgenden Sonntag.

Die Kinderbibeltage sind noch ein "neuer Weg" in unserer Kita, den Kindern die Begegnung mit unserer christlichen Religion anzubieten. Als evangelische Kita in der gemeindlichen Trägerschaft der Petrus-Giesensdorf Gemeinde gab es und gibt es auch zukünftig Angebote zum Kennenlernen unserer christlichen Religion. Im Jahresverlauf und zu bestimmten Festen besuchen uns die Gemeindepädagogin Karolin Rolle und/oder unsere Pfarrerin Frau Peters-Streu und erzählen in den Stammgruppen eine biblische Geschichte mit Tüchern, Figuren oder Bildern.

Mit den "Flieger-Kindern" (zukünftige Schulkinder) besuchen wir die große Petruskirche in unserer Gemeinde.

Und unser St. Martins-Fest beginnt inzwischen traditionell in der Dorfkirche Giesensdorf.

Regelmäßig werden die Familien unserer Kita durch Handzettel, Aushang und E-Mail zu den Kinder- und Familiengottesdiensten in der Gemeinde eingeladen.

Ein besonderer Höhepunkt in Jahresverlauf ist der Weihnachtsweg. In unserer Kita wird die Weihnachtsgeschichte in der Lernwerkstatt in den Adventswochen durch Pfarrerin Peters-Streu erzählt und mit den Kindern anschaulich gestaltet.

Nun hat sich ein "neues" Angebot entwickelt, die Kinderbibeltage nur für die Kita-Kinder. Schon seit Jahren gibt es dieses Angebot in der Gemeinde, in den Oster- oder Herbstferien für alle interessierten Kinder ab fünf Jahren.

Nicht nur in unserer Kita hat sich eine beständige Zusammenarbeit mit Mitarbeiterinnen der Gemeinde entwickelt, auch in der Kita Petrusheim gibt es eine langjährige Zusammenarbeit in religionspädagogischen Angeboten.

Neben den besonders herausragenden Angeboten im Kita-Jahresverlauf finden sich im Kita-Alltag weitere Elemente der religionspädagogischen Arbeit in unserer Kita, die nicht von vornherein sofort sichtbar sind. Geprägt durch das christliche Menschenbild ist uns wichtig mit den Kindern und Eltern eine tragfähige Beziehung für ihre Kitazeit zu gestalten. Deshalb ist es ebenso wichtig, dass wir uns untereinander im Team mit wertschätzendem Respekt begegnen, da sich das auf die gesamte Atmosphäre in der Kita auswirkt. Ich meine damit nicht eine gekünstelte Harmonie.

In dem Buch von Frieder Harz "Kinder und Religion", erschienen im Kallmeyer-Verlag, wird das christliche Menschenbild im Bezug zur religionspädagogischen Arbeitsweise anschaulich erläutert:

Das christliche Menschbild zeigt auf, wie grundlegende Werte, die sich als Fundament unserer Gesellschaft bewährt haben (die untastbare Würde des Menschen und die Verantwortung für sich und andere) in engem Zusammenhang mit dem Menschenbild der Bibel stehen. Grundzüge unseres biblisch-christlichen Menschenbildes sind:

Vertrauen und Anerkennung

Was Menschen lebensfähig und stark macht, sind gute Erfahrungen in verlässlichen Beziehungen. Sie tragen dazu bei, mit Herausforderungen und Umbrüchen im Leben zurecht zukommen. Vertrauen charakterisiert auch die Gottesbeziehung, wie sie in der biblisch-christlichen Überlieferung zum Ausdruck kommt. Auch Kinder suchen das bestärkende und versichernde Echo ihrer Bezugspersonen, sie brauchen die wertschätzende Zuwendung der anderen, Signale, dass sie erwünscht sind, dass ihr Dasein uns viel bedeutet.

Miteinander leben

Das Zusammenleben in menschlichen Gemeinschaften braucht Ordnungen und Regeln, damit es gelingen kann. Gelingen-des Zusammenleben ist ein Geschenk. Ihm stehen aber auch andersartige Erfahrungen, entgegen: Streit und Konflikt, gestörte Beziehungen, Ärger und Enttäuschungen, die Mühen des Sich-Zusammenraufens. Vertrauen und Anerkennung müssen sich im Umgang mit Konflikten bewähren. Die Bibel sieht die Menschen realistisch, mit ihren Fehlern und Schwächen. Das gehört zur Selbstständigkeit des Menschen mit dazu. Und sie hält zugleich an der Perspektive des gelingenden Zusammenlebens fest, begründet in den Zusagen von Vergebung und Neuanfang.

Welt erkunden

Jeder Mensch ist ein von Gott gewolltes Geschöpf und ist als Gottes Ebenbild mit besonderer Würde ausgestattet. Das gilt grundsätzlich für alle Menschen, unabhängig von besonderen geistigen Fähigkeiten. Als Konsequenz für religiöse Erziehung ergibt sich daraus eine Religionspädagogik, die alle Sinne anspricht und herausfordert, in der es viel zu erleben und zu tun gibt. Zum Entdecken unserer Welt gehört auch der Umgang mit den Grenzen unseres Erkennens, der Umgang mit dem Geheimnisvollen. Ein ganz ursprüngliches Verhalten zum unerklärbaren und geheimnisvollen ist das Staunen. Staunen kennzeichnet ein Verhältnis zur Wirklichkeit als Ganzes. Zwar erzählt die Bibel auf Schritt und Tritt davon, wie Gott sich Menschen gezeigt hat und für sie erfahrbar geworden ist. Aber alle diese Erfahrungen von Gott entziehen sich der Erklärbarkeit und Berechenbarkeit. Deshalb spricht die Bibel auch so viel in Bildern und Gleichnissen.

Fantasie und Hoffnung

Wie die Kinder ihre Welt sehen, das zeigt sich in ihren fantasievollen, originellen schöpferischen Werken. Geweckte Emotionen fließen ein, von Freude und Begeisterung an der Welt bis hin zu Enttäuschung und Trauer. Kinder brauchen Hoffnung, das sie in ihrer Welt auch künftig werden leben können und dass es sich in ihr zu leben lohnt. Hoffnung ist ein zentrales Thema des christlichen Glaubens, dass auch für das irdische Leben gilt und lebt in der Verheißung vom Licht in der Finsternis, von Recht und Gerechtigkeit für alle, vom Frieden auf Erden.

Bezogen auf das Erzählen von biblischen Geschichten heißt das:

sich mit den Personen der Geschichten zu identifizieren, sich hineinnehmen lassen in deren Erfahrung, Nähe und Distanz zu ihnen zu erleben und sich so diese Erfahrung selbsttätig anzueignen. Kinder ziehen ihre eigenen Schlüsse aus dem Erzählen.

Biblische Geschichten stellen Gestalten mit ihren Licht- und Schattenseiten vor Augen, die ihre Erfahrungen mit Gott machen. Da geht es auch viel um Konflikte im Zusammenleben und Wege zu ihrer Bewältigung.

Biblische Geschichten laden ein zu Entdeckungsreisen in vergangene Zeiten und zu frühen Erfahrungen mit Gott.

Als Teil der Weltliteratur sind biblische Geschichten auch eine unerschöpfliche Quelle von Lebenserfahrungen und Lebensweisheiten, die über Jahrtausende gesammelt wurden.

Biblische Texte sind auch im Reden von Gott immer nur Annäherungen an das Geheimnis, das Gott für die Menschen bleibt. Der so angeregte Umgang mit dem Geheimnisvollen ist für das Bildungsgeschehen unverzichtbar. Er hält den eigenen Horizont offen und stärkt die Bereitschaft, sich immer wieder auf die Fragen nach dem Sinn unseres Lebens und unserer Welt einzulassen.

Biblische Geschichten sind "Mutmachgeschichten", sie erzählen davon, wie Herausforderungen des Lebens im Glauben an Gott bewältigt wurden. Indem eigene Verarbeitung der Begegnung mit biblischen Aussagen mit allen Sinnen geschieht, von der Körpersprache in Gestik und Mimik zum Rollenspiel, vom bildhaften Gestalten in vielerlei Techniken bis zum musikalischen Ausdruck, erschließt sich die Leibhaftigkeit dieser Botschaften.

Dies zeigt, wie biblische Intentionen in hohem Maße mit pädagogischen Zielen (siehe auch Berliner Bildungsprogramm) korrespondieren, die auf Selbstvertrauen, Verantwortung und eigenständige Zugänge zur umgebenden Welt zielen.

"Es ist noch Platz auf der Arche" – diese Einladung scheint in der heutigen Welt auf der Erwachsenen-Ebene derzeit nicht gegeben zu sein, angesichts der vielen menschlichen Katastrophen und der hilflosen Maßnahmen. Als Erwachsene und Pädagogen haben wir oder müssen wir immer wieder lernen, dieses Spannungsfeld zwischen unseren Werten, die wir leben wollen und unserer begrenzten Einflussnahme, auszuhalten und handlungsfähig zu bleiben. Auch darin sind wir ein Vorbild, wie Zusammenleben gelingen kann.

Bryan Lesch
Ursel Hentschel

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