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18.7.2019

Praktikum bei der Bahnhofsmission Berlin Zoologischer Garten

Ein Praktikumsbericht

Eine unserer Konfirmandinnen hat ihr Betriebspraktikum bei der Bahnhofsmission gemacht. In ihrem Bericht schreibt Romina Zuber:

Schon Monate vor Beginn des Praktikums wurde ich durch einen Zeitungsartikel auf die Bahnhofsmission und die Arbeit mit Obdachlosen aufmerksam. Mein Interesse wurde sofort geweckt.

Ich erwarte viele hilfsbedürftige Menschen kennenzulernen, mit ihnen umzugehen, sie zu verstehen und ihnen zu helfen. Ich hoffe auf ein nettes Miteinander zwischen den Arbeitern, Schichtleitern und Praktikanten.

Ich möchte mehr über Spenden und die Hilfe, die den Bedürftigen angeboten wird, erfahren. Ich möchte überall mit anpacken und wünsche mir den direkten Kontakt zu den Menschen, die die Hilfsangebote in Anspruch nehmen, wo es nur geht.

Alle, die mich lange und gut kennen, sagen immer wieder, dass ich eine angeborene "soziale Ader" habe und es stimmt, es ist mir von jeher ein Bedürfnis, Menschen in schwierigen Situationen zu unterstützen, gegen Ungerechtigkeiten anzugehen und nicht wegzuschauen, sondern aktiv dagegen anzugehen. Aus diesem Grund denke ich, dass mich die Arbeit bei der Bahnhofsmission ausfüllen und mir auch Spaß machen wird. Etwas unsicher bin ich, ob ich stark genug bin, dass Elend, das ich dort vermutlich zum Teil sehen werde, zu verkraften. Aber ich möchte es unbedingt ausprobieren, da ich dies auch für meine zukünftige Berufswahl feststellen möchte.

Die Bahnhofsmission allgemein ist ein sozialer Knotenpunkt der sozialen Hilfe. Sie hilft jedem, sofort, gratis und ohne, dass man bestimmte Voraussetzungen erfüllen muss und das rund um die Uhr. Träger ist die evangelische Kirche, geholfen wird aber jedem, egal, welchem Glauben er angehört.

Die Bahnhofsmission am Zoologischen Garten konzentriert sich stark auf die Unterstützung Bedürftiger. Viele Ehrenamtliche jeden Alters arbeiten mit wenigen Hauptamtlichen zusammen und versorgen in vier Schichten 24 Stunden am Tag Bedürftige, oft Obdachlose, mit Essen, Bekleidung sowie Schlafsäcken und hören ihnen zu. Außerdem finden dort regelmäßig Andachten für Menschen statt, die auf der Straße leben.

Mittags um 12.00 Uhr beginnt meine Arbeitszeit. Nachdem ich dort angekommen bin, gehe ich zu dem Umkleideraum, um meine Weste anzuziehen, welche den Obdachlosen und den anderen Mitarbeitern signalisiert, dass ich hier mitarbeite. Um diese Zeit geht es noch relativ ruhig zu. Ich führe vorbereitende Arbeiten für den späteren Ansturm der Obdachlosen aus: Brote schmieren, Abwasch, Kleiderspenden in die Kleiderkammer einsortieren sowie Spenden an- bzw. abnehmen.

50 Essensmarken werden an die Obdachlosen, die meist schon in einer langen Schlange vor der Tür warten, verteilt. Nur die Bedürftigen, die eine Marke erhalten haben, dürfen dann um 14:00 Uhr an der ersten Essensausgabe teilnehmen. Da es aber nur 50 Plätze in der Bahnhofsmission gibt, kann man nicht mehr Leute reinlassen und die, die keine Marke mehr erhalten haben, müssen auf die nächste Essensausgabezeit warten.

Nach dem Essen gehen die, die Kleidung benötigen, zur Kleiderausgabe und sagen, was sie gerne hätten (Pullover, Hose, Gürtel etc.) und wir gucken dann nach, ob wir etwas Passendes da haben. Um 15.00 Uhr läutet dann einer der Mitarbeiter an der Klingel, um den Hilfsbedürftigen zu zeigen, dass nun die Essensausgabe vorbei ist und sie die Räumlichkeiten verlassen müssen. Dann ist erstmal für alle 20 Minuten Pause, in der wir dann selbst etwas essen, trinken oder uns einfach von dem Trubel erholen können. Es gibt dann noch eine zweite und dritte Essensausgabe.

Im Vergleich zu meinem Schulalltag ist es ein ganz anderes, sehr positives Gefühl, jeden Tag wieder zur Bahnhofsmission zu gehen. Es ist zwar sowohl körperlich als auch emotional sehr anstrengend, aber ich habe viel mehr das Gefühl, etwas Wichtiges und wirklich Nützliches zu leisten. Der Sinn dieser Arbeit ist für mich viel deutlicher zu erkennen als beim Lernen in der Schule. Ich lerne dort viele verschiedene Menschen kennen, die häufig aufgrund eines privaten Schicksalsschlages aus unserem sozialen Netz herausgefallen sind, obwohl sie häufig, wie ich in Gesprächen erfahren habe, eine gute Schul- und Berufsausbildung absolviert ha-ben. Ihre „Geschichten" interessieren mich sehr.

Während des dreiwöchigen Praktikums habe ich viele Erfahrungen gemacht und Informationen gesammelt. Ich habe die andere Seite des Lebens gesehen und erfahren, wie schnell man in eine missliche Lage kommen kann. Es tat gut, diesen Menschen, die es wirklich brauchen, helfen zu können und ihnen ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubern zu können mit Dingen, die für uns selbstverständlich sind.

Die Gespräche mit den Obdachlosen gaben mir einen Einblick in ein anderes Leben, in ein Leben von Menschen, denen es nicht so gut geht wie mir. Von Menschen, die in meinem Land mit dem Überleben zu kämpfen haben.

Dieses Praktikum hat mich jedoch auf jeden Fall darin bestärkt, später einen Beruf im sozialen Bereich zu wählen.

Romina Zuber