ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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20.5.2019

Der Monatsspruch im Mai

von Pfarrerin Susanne Peters-Streu


Bild: Deposit-Photo

Was ist das für ein Satz?

Schön wäre es ja, wenn das so wäre. Was würde ich nicht alles zum Besseren wenden wollen in unserer Welt. Wo ich diese Zeilen schreibe, ist es wenige Tage her, dass 900 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken sind. Es ist nicht in meiner Macht es zu verhindern, aber es ist unerträglich, dass es so geschieht und wird bedauert, aber nicht verhindert und geändert.

Dies Wort steht über dem Monat in dem wir in der Gemeinde die Konfirmationen feiern. Mit welchen Lebensträumen und mit welcher Sehnsucht nach gelingendem Leben, sind unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden unterwegs? Wofür wünschen sie sich Kraft und wie klingt dieser Satz in ihren Ohren?

Und bei denen, die alt geworden sind, deren Lebenskraft nachlässt, wie klingt dieses Wort in ihren Ohren? Ist es gedeckt durch Lebenserfahrung?

Hat dies Wort mit Stärke oder mit Schwäche zu tun? Ist dieser Satz hochmütig und voller Stolz oder ist es ein Satz voller Demut?

Als Paulus diesen Satz schreibt sitzt er im Gefängnis. Er schreibt einen Brief an die Gemeinde in Philippi, der er sehr herzlich verbunden ist. Trotz seiner schweren Lage wird in den Zeilen des Briefes immer wieder eine tiefe Freude spürbar. Gerade in der Situation der Machtlosigkeit erlebt Paulus einen Zuwachs an Kraft. Sein Leben hat ihn in die unterschiedlichsten Situationen geführt, es gab Helles und Dunkles und alles hat er angenommen. Er schreibt: "Ich habe gelernt mir genügen zu lassen, wie's mir auch geht. Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; mir ist alles und jedes vertraut: beides satt sein und hungern, beides Überfluss haben und Mangel leiden."

Ich frage mich, was befähigt mich, was befähigt Menschen zur Gelassenheit? Zu einer Gelassenheit, die nicht Resignation ist und nicht heißt, den Kopf in den Sand zu stecken. Ist das nicht übermenschlich, was Paulus da beschreibt? Wie komme ich zu einer Haltung, mit der ich den Höhen und Tiefen des Lebens in gleicher Weise gelassen begegnen kann? Woher empfange ich die Kraft, aus der heraus ich "allem gewachsen bin" Woher empfange ich die Kraft, allein und in Gemeinschaft zu leben? Woher empfange ich die Kraft, loszulassen statt zu klammern? Woher empfange ich die Kraft, das Unabänderliche zu ertragen?

Vielleicht ist das in einer Welt in der die Maxime gilt: wenn du nur willst, dann kannst du auch und jeder ist seiner Glückes Schmied, vielleicht ist es in dieser Welt schwer sich die eigenen Schwächen einzugestehen und die eigenen Grenzen anzunehmen. Immer mehr, höher, schneller, weiter das entlarvt sich als lebenszerstörend.

Woher empfange ich die Kraft das Leben zu leben? Woher fließt mir Kraft zu?

Ein Lied unserer Tage fällt mir ein: "Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor Dich: wandle sie in Weite; Herr erbarme dich. Meine ganze Ohnmacht, was mich beugt und hemmt, bringe ich vor Dich: Wandle sie in Stärke; Herr erbarme dich. Mein verlorenes Zutrauen, meine Ängstlichkeit bringe ich vor Dich: Wandle sie in Wärme; Herr erbarme dich. Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich: Wandle sie in Heimat; Herr, erbarme dich."

Eine meiner Kraftquellen ist das Singen und Beten, die Stille zu Gott hin, der mir in so verschiedenen Formen Kraft im Leben zu fließen lässt. Eine andere Kraftquelle sind Menschen an meiner Seite, die mit mir das Leben teilen, die mich begleiten, die mir zuhören, mit denen ich mich freuen kann und mit denen ich traurig sein kann. Der Austausch mit anderen und Menschen zu erleben, die das Leben meistern, die die Schweres durchgestanden haben. Menschen, die sich engagieren, die den Mut nicht sinken lassen und die Hoffnung nicht aufgeben und die Dankbarkeit, dies alles sind mir Kraftquellen.

Ich glaube es tut gut, wenn wir uns weiter sagen und aufmerksam machen auf das, was uns zum Leben stärkt und wenn ich so lerne, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Pfarrerin Susanne Peters-Streu