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22.7.2019

Kreuzung, "wie haste dir verändert!"
Damals war's: Kreuzung Lindenstraße

Gisela und Bernd Meyer, Michael Schwarz


Ostpreußendamm (bis 1961 Berliner Straße) / Lindenstraße- / Wismarer Straße

Schon lange ehe es möglich war zu fotografieren gab es diese wichtige Kreuzung Berliner/Wismarer/Lindenstraße. Auf die Jahrhunderte alte Straßenverbindung von Berlin nach Anhalt stieß hier ein Weg, der von Nordwesten kommend die Bäke überquerte und weiter zur Giesensdorfer Mühle führte.

Blockhaus

Um die vorige Jahrhundertwende begann rund um die Kreuzung eine städtische Bebauung. Straßenbahnlinien, zuerst die Dampfstraßenbahn und ab 1907 die elektrifizierte, haben viel dazu beigetragen, dass dieser Teil von Lichterfelde Süd sich als Wohnort mauserte. Mit einer Vielzahl von Geschäften im engeren Umkreis war man mit allem versorgt, was für den täglichen Bedarf benötigt wurde.

Die ältesten Fotos zeigen die Kreuzung um 1930.

Im "Blockhaus" konnten sich die Gäste von Kurt Schaltinat und seiner Frau "Tante Anna" bewirten lassen. Dort befand sich nach Kriegsende für kurze Zeit eine russische Dienststelle, die den Personen, die den Kanal auf einer von russischen Soldaten errichteten Notbrücke überqueren wollten, den benötigten "Propusk" (Erlaubnisschein) ausstellte. Um 1980 ließ Luciano Viti das Holzhaus weiß verputzen und betreibt seitdem dort die Pizzeria "La Rocca".

Hinter dem Werkstattwagen der Straßenbahn ist das große Eckgebäude Berliner/Lindenstraße gut zu erkennen.

Es wurde erst um 1940 errichtet und schon am 23. August 1943 durch eine Luftmine fast völlig zerstört.

Nach dem Krieg wurde es ohne jeden Schmuck bis zur zweiten Etage wieder aufgebaut.

Lediglich an den Rundbogenfenstern des Erdgeschosses zur Lindenstraße ist noch etwas vom alten Haus zu erkennen.

Seit einigen Wochen bietet das Restaurant "Kashmir" dort indische Spezialitäten an.

Proskes Kiosk war eine Institution, und kaum ein Kind konnte dessen Verlockungen widerstehen; z.B. eine Eiswaffel für 10 Pfennig – und "bitte einmal durchschneiden!"

Neben Proske hatten Bandelow, Kurz- und Haushaltswaren und Zank, Zigaretten, Zeitungen und Lotto-Annahmestelle, ihre Geschäfte. Nachdem die Budenreihe 1958 durch ein Wohnhaus mit Ladenzeile ersetzt wurde, führten Proskes und Zanks ihre Geschäfte noch jahrzehntelang weiter.

Proskes ehemalige Gaststätte läuft bis heute unter dem Namen "Zum Tollpatsch" weiter. Daneben haben sich ein türkischer Imbiss und ein Gebrauchtwagenhändler angesiedelt.

Der Architekt des WC-Häuschens, damals sagte man noch "Bedürfnisanstalt", war der bekannte Lankwitzer Gemeindebaurat Fritz Freymüller. Der schlichte runde Backsteinbau stand bis zu seinem Abriss beim Kreuzungsumbau sogar unter Denkmalschutz!

In diesem Straßenbahnwagen vor dem WC-Häuschen befand sich nach dem Ende der Berlin-Blockade eine Wechselstube.

Hier wechselte auch das BVG Personal der Linie 96 Ost und West. Durch die inzwischen bestehenden zwei Währungen kam es immer wieder zu Komplikationen, so dass die Linie 1950 endgültig an der Stadtgrenze geteilt wurde.

Werbestraßenbahn: Wo in früheren Zeiten die Lebensmittelhändler Wassmann, später Manns und zum Schluss Rewe ihre Waren anboten, ist nun das "Süße Leben" ("Dolce Vita") eingekehrt.

Eine Senioren-Wohngemeinschaft ist in den Etagen darüber zuhause. Das nächste Haus in der Lindenstraße wurde erst 1967 erbaut.

Von Anfang an sind die "Linden-Apotheke" und ein Blumengeschäft dort ansässig. Ein Friseursalon und ein Schreibwarengeschäft bereichern die Ecke.

Straßenbahnhaltestelle Richtung "Odeon": Eins der wenigen Fotos, auf denen das Odeon-Kino zu sehen ist. Nicht nur die Lichterfelder besuchten es gerne, sondern auch viele Menschen aus Teltow und Umgebung.

Sie bezahlten zwar in Ostgeld, aber ohne sie war nach dem Mauerbau das Kino nicht mehr zu halten. Das Gebäude wurde danach zum Tanzclub "White Horse" umgestaltet. Der Club wurde besonders gerne von den amerikanischen Soldaten aus der McNair-Kaserne besucht. In den letzten Jahrzehnten haben wechselnde Tanzclub-Betreiber hier ihr Glück versucht. Derzeit läuft er unter dem "South Nightlive in Berlin".

Sicher wundern Sie sich über die vielen Straßenbahnen? Wir haben das Glück, dass die Kreuzung durch verschiedene Straßenbahn-Enthusiasten häufig fotografiert wurde und wir nun den sogenannten "Beifang" nutzen können.

Bildnachweis: Straßenbahnbilder Slg. Sigurd Hilkenbach und Slg. Andreas Spohrs, WC-Häuschen Gisela Meyer. Die Herkunft der anderen Bilder konnte nicht ermittelt werden.

Auf aktuelle Fotos haben wir verzichtet, um mehr Raum für die historischen Bilder zu gewinnen. Vielleicht nehmen Sie sich eventuell mit diesen Seiten die Zeit und vergleichen Gestern und Heute. Weitere schöne alte Ansichten und Texte finden Sie unter www.Lichterfelde-Süd.de im Internet!

Natürlich würden wir uns sehr freuen, wenn Sie auch alte Fotos haben, die wir ins Internet stellen dürfen. Bitte melden Sie sich dann bei Michael Schwarz, 03328-35 39 50, oder bei Bernd und Gisela Meyer, 712 37 28.

Im Übrigen: Wir sammeln die Bilder und Geschichten ohne jedes kommerzielle Interesse; nur, um den Jüngeren zu zeigen, wie es hier einmal aussah, und für die Älteren, um alte Erinnerungen zu wecken.

Gisela und Bernd Meyer, Michael Schwarz

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