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24.5.2019

"Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens"
Wort des Rates der EKD zum 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkrieges

Im Sommer des Jahres 1914 taumelte Europa in den Abgrund des Ersten Weltkrieges. "In ganz Europa gehen die Lichter aus" – so drückte der britische Außenminister Sir Edward Grey am 3. August 1914 seine düstere Erwartung aus; und sie sollte sich bewahrheiten: Dieser Weltkrieg wurde der erste totale Krieg der Geschichte. Millionen von Opfern und verwüstete Länder waren sein schreckliches Ergebnis. Es gab in Europa und in Deutschland auch die Stimmen des Friedens und der Versöhnung, aber sie waren zu schwach. Die Saat von Hass und Gewalt wirkte weiter. Ein weiterer Weltkrieg und die ungeheuren Verbrechen der Shoah waren furchtbare Früchte auch dieser Saat. Man spricht vom Ersten Weltkrieg als der "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts.

Denn dieses ungeheure Ereignis bedeutete nicht nur das Leiden und Sterben von Millionen von Menschen, sondern es stellte die Errungenschaften von Aufklärung und Moderne, die Bemühungen um Humanität und Einhegung der Gewalt in Kriegen radikal in Frage. Der tiefliegende Schaden von Kirche und Theologie in Deutschland wurden durch diesen Krieg deutlich sichtbar. Sie versagten im Hinblick auf die im Wort Gottes gegründete Aufgabe, zu Frieden und Versöhnung oder auch nur zur Gewaltbegrenzung beizutragen und sich zu Anwälten der Menschlichkeit und des Lebens zu machen.

Ihr Glaube an den liebenden und versöhnenden Gott, ihre Verbundenheit im einen Leib Christi mit anderen Kirchen und die Universalität ihres Glaubens hat sie 1914 nicht vor Kriegsbegeisterung und -propaganda bewahrt, noch vor der Rechtfertigung nationaler Kriegsziele bis zum Ende. So konnten sie nach Kriegsende auch nicht zur Versöhnungskraft werden und sich 1933 nicht dem Gift des wieder aufkommenden Nationalismus entziehen. Zu sehr dem nationalistischen Zeitgeist verhaftet war ihre Theologie und zu schwach war ihr ökumenisches Bewusstsein. Dies gilt in besonderer Weise für den deutschen Protestantismus jedenfalls in seiner Mehrheit: Die wenigen Mahner aus seinen Reihen wurden mundtot gemacht. Dieses Versagen und diese Schuld erfüllen uns heute mit tiefer Scham. Daraus müssen und wollen wir Lehren ziehen. Wie können wir solchen Verirrungen in Zukunft entgegentreten?

Nach 1945 hat die evangelische Kirche in Deutschland Schritte auf einem langen Weg der Veränderung getan. Sie ist zu einem lebendigen Mitglied der weltweiten und der europäischen Ökumene geworden und tritt aktiv für humanitäre Prinzipien und Anliegen ein. Sie hat gelernt, die Friedensbotschaft des Evangeliums von Jesus Christus neu mit befreiender und verpflichtender Kraft zu hören. Sie versteht sich heute als Anwältin des gerechten Friedens, und sie bekennt mit den Worten der weltweiten Christenheit: "Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein." (Ökumenischer Rat der Kirchen Amsterdam 1948) Die Völker Europas leben heute weitgehend in Frieden zusammen. Diese europäische Friedensordnung aber ist nicht selbstverständlich wie wir in diesen Monaten mit Schmerzen erfahren. Sie ist gefährdet. Wir stehen in der Verantwortung für ihren Erhalt.

Noch fragiler ist der Frieden außerhalb Europas. Gewalt bekommt in vielen Regionen ein dramatisches, neues Gesicht und kann sich neuer, erschreckender Technologien und Ideologien bedienen. Umso dringender ist unser uneingeschränkter Einsatz für das humanitäre Völkerrecht, für die Bekämpfung der Konfliktursachen, für zivile Konfliktbearbeitung und Versöhnung. Darum bitten wir Gott heute, 100 Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges: "Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens."

In dieser Bitte und in dem Auftrag, dem Geist der Gewalt zu widerstehen und für den Frieden einzustehen, sind wir zutiefst verbunden mit unseren Schwestern und Brüdern in den Kirchen Europas.

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