ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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24.3.2019

Monatsspruch September

von Pfarrer E-Mail

Der Jüngling war noch grün und unerfahren, als der große alte Mann ihm sein gigantisches Bauprojekt übergab. Er selber hatte diesen Bau lange vorbereitet. Er hatte die fremde Stadt auf der Höhe ausgewählt, für sich erobert und zur neuen Hauptstadt gemacht. Die Stadt gehörte ihm, man sprach von ihr als seiner Stadt. Sorgfältig wählte er das Baugrundstück aus, er kaufte es einem Einheimischen ab, der dort seine Scheune stehen hatte. Dann kümmerte er sich um die bauliche Gestaltung des neuen Hauses: Er selbst zeichnete den Grundriss für das Bauwerk, das ihm schon vor Augen stand und einmal seine Hauptstadt überragen sollte. Im Laufe der Jahre hatte der Bauherr einen Berg an wertvollem Baumaterial gesammelt. Der alte König hatte wohl immer damit gerechnet, dass er eigenhändig den gewaltigen Bau ins Werk setzen würde. Dieses Haus sollte sein Lebenswerk krönen und sein Vermächtnis für alle Nachkommen sein.

David von Michelangelo in der Galleria dell’Accademia in Florenz – Bild: wikipedia

Wir können uns vorstellen, dass ihn die göttliche Nachricht wie ein Blitz traf, er muss sie gefühlt haben wie einen Stich mitten ins Herz: "Du wirst das Haus für mich nicht bauen, erst dein Nachfolger soll es errichten."

David

Der alte König trägt den Namen David. Seine Person ist Symbol für die kämpferische Phase in der Geschichte Israels auf dem Weg zu einer respektablen Mittelmacht. Die biblische Überlieferung schildert uns David als großen Krieger und unerschrockenen Kämpfer. Wir kennen ihn auch als begabten Dichter und Musiker, dem viele Psalmen zugeschrieben werden, aber vor allem seine überragenden Fähigkeiten als Soldat zeichneten ihn aus. So kam er als junger Mann an den Hof des residierenden Königs Saul und diente ihm als sein persönlicher Waffenträger. Legendär wurde sein Zweikampf im Krieg Israels gegen die Philister, in dem er den gewaltigen Recken Goliath besiegte: Nicht fair, aber wirkungsvoll. Am Ende dieses ungleichen Duells trennte der flinke Jüngling dem gefallenen Riesen den Kopf ab – mit dessen eigenem Schwert. David kämpfte für Saul, er zog für Israel in zahllose Kriege gegen die Nachbarreiche. Die Verbindung war eng, David heiratete Sauls Tochter Michal. Mit seinem wachsenden militärischen Erfolg mehrte er aber den Argwohn des ersten Königs, der ihn zunehmend nicht als ergebenen Schwiegersohn, sondern als gemeinen Feind und gefährlichen Rivalen um den Königsthron betrachtete. Die biblische Überlieferung hingegen betont Davids Loyalität zum amtierenden Monarchen und seine Treue gegenüber der Königswürde Sauls, der vom Propheten im Auftrag Gottes gesalbt war. Diese Treue bewies David, als er Saul in der Höhle Machpela wehrlos schlafend fand, ihn aber am Leben ließ. Saul hingegen hatte alles getan, um den Rivalen mitsamt seiner Privatarmee zu fangen und zu töten. Seine Befürchtungen wurden wahr: Unaufhaltsam stieg der Kriegsheld David zum neuen Herrscher eines noch größeren Reiches auf. Er entzog sich dem Einfluss Sauls und beherrschte das Gebiet zwischen Juda und dem Philisterland an der Küste. Viele Ausgestoßene schlossen sich ihm an, die Priesterschaft von Silo unterstützte ihn. Als König Saul im Kampf gegen die Philister in der Schlacht fiel und seine Armee unterging, kam die Stunde des neuen Königs: David wurde in Hebron zum König über Juda gesalbt. Das Nordreich beanspruchte Ethbaal, ein Sohn Sauls, für sich. Es dauerte nicht lange, und er verlor es im Kampf gegen David. So war er nun der König beider Reiche, des Nordreichs Israel und des Südreichs Juda – mit Jerusalem, seiner persönlichen Stadt als Verbindung, Hauptstadt und Zentralheiligtum. In den 40 Jahren als Regent sicherte und vergrößerte David das Reich. Die Nachbarvölker wurden im Kampf unterworfen oder durch Bündnisse und Heirat zu Partnern gemacht. David erweiterte die Grenzen Israels vom Roten Meer im Süden bis nach Damaskus im Norden. König David spielte die erste Lyra als Herrscher des größten Reiches, er gab den Ton an und den Takt vor im Konzert der Reiche zwischen Assur und Ägypten: Aram, Ammon, Moab, Edom, Amalek und das Reich der Philister stimmten ein. Mehr als drei Jahrzehnte Kampf und Krieg schienen sich für das Vereinigte Königreich Israel-Juda gelohnt zu haben unter Davids Führung.

Erst in seinen letzten Amtsjahren wurde es ruhiger, David konnte sich als König den zivilen Aufgaben im eigenen Land zuwenden. Er betrieb eine umfassende Reform der Verwaltung und der Institutionen, die alten Strukturen des Zwölfstämmeverbandes passten nicht mehr zu dem neuen Großreich, das David von Jerusalem aus regieren wollte. Er schuf ein organisiertes Staatsgebilde, teilte das Reich in Distrikte ein und kontrollierte die alten Stammeseliten. Es gab erheblichen Widerstand und einen Aufstand im Norden, doch der König setzte sich durch. Die Krönung seiner Reform sollte das neue Zentralheiligtum in Jerusalem werden, der Tempel auf dem Berg über der Stadt. Damit wollte der König auch die mächtige Priesterschaft in Reichweite des Hofes bringen.

Doch der Tempelbau wurde David verwehrt – von Gott selbst empfängt der alte König nach biblischem Zeugnis die Botschaft: "Nicht Du wirst den Tempel bauen."

Salomo

Der Sohn und Nachfolger auf dem Thron Salomo steht sinnbildlich für den Friedensstaat Israel im 10. Jahrhundert vor Christus. Zwar konnte auch der neue König seinen Thron nicht ohne Blutvergießen besteigen, erst musste er seinen Bruder und Rivalen Adonia beseitigen lassen. Aber das war beinahe sein einziger Kampf. Salomo wurde berühmt für seine Weisheit, die biblische Weisheitsliteratur hing wohl eng mit seinem Königtum zusammen. Seine salomonischen Entscheidungen blieben sprichwörtlich und bilden bis in unsere Gegenwart das Maß für Ausgewogenheit und Gedankentiefe. Der Besuch der sagenhaften Königin von Saba am Hof des Königs Salomo wurde die Krönung seines Wirkens als weiser Herrscher.

Die militärischen Erfolge seines Vaters hatten die Grundlage geschaffen, auf der Salomo aufbauen konnte. Eine Friedenszeit begann, von den Nachbarvölkern ging keine Gefahr für Israel aus, man hatte mehr Interesse am Handel als am Krieg. Assyrien im Norden bedrohte den Frieden Palästinas nicht. Auch Ägypten hielt Frieden, ein Zeichen der Versöhnung war die prunkvolle Hochzeit Salomos mit einer Pharaonentochter.

Salomo nutzte die Friedensphase, um das Werk seines Vaters fortzusetzen und die staatliche Ordnung im ganzen Land zu festigen. Die neuen Verwaltungsstrukturen sicherten dem Königreich Macht und Mittel, belasteten aber auch das Volk mit vielen Forderungen und Aufgaben. Es mussten hohe Steuern bezahlt werden. König Salomo rekrutierte viele Soldaten für seine neue mobile Streitwagentruppe. Er bereitete große Bauprojekte in Jerusalem vor: Der Tempel sollte entstehen, aber auch ein prachtvoller Königspalast und eine eigene Residenz für den Harem des Königs. Sämtliche Bauprojekte unter Führung phönizischer Architekten und Handwerker mussten vom eigenen Volk und von den unterworfenen Nachbarn mit Geld und Arbeit geleistet werden. Das bedeutete hohe Steuern auf alles und harte körperliche Arbeit – Fron, also Zwangsarbeit. Kulturelle Blüte und Goldenes Zeitalter, aber eben nicht für jeden gleich.

So hat Salomo, der weise Herrscher in der Zeit des Friedens den Tempel erbaut. Nicht David, der große Kriegsherr und Eroberer. Krieg und Tempel, Blutvergießen und Gottesdienst – das passt nicht zusammen.

Pfarrer Lutz Poetter