ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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20.5.2019

Weißt du, wo der Himmel ist? – Urlaubszeit!
Der theologische Artikel

von Pfarrerin Susanne Peters-Streu


Foto: mediaray

Wenn Sie das Wort Urlaub hören, welche Gedanken kommen Ihnen? Vielleicht sind es Sätze wie diese:

"Endlich ist es bald wieder s weit! Nur noch wenige Wochen oder Tage und dann beginnt endlich die schönste Zeit des Jahres."
"Alle reden von Urlaub, und ich bin nun seit zwei Jahren im Ruhestand. Urlaub habe ich eigentlich immer, aber auch ich spüre die Sehnsucht nach Unterbrechung meines Alltags."
"Oh, für den Urlaub habe ichschon viele Pläne: Surfen und Kiten, Segeln und Tennisspielen, Paris besichtigen und Rom, vielleicht auch noch Athen und ...."
"Endlich mal nichts tun, nichts, einfach gar nichts!"
"Ja, früher – da bin ich verreist mit der ganzen Familie, später dann mit meinem Mann zu zweit, aber jetzt bin ich alt geworden, da traue ich mir gar keine Reise mehr zu."

Welche Bilder zaubern sich beim Wort Urlaub in unseren Kopf? Vielleicht sind es solche:

Der weiße Nordseestrand in Dänemark, endlose Weite bis zum Horizont, Wind und Wellen, Steine und Muscheln, Dünen und Strandhafer. Ein Bauernhof noch richtig mit Kühen und Schweinen, Hühnern und Enten. Katzen, die in der Sonne dösen. Mit hinaus aufs Feld, Heu wenden, Traktor fahren, Erbsen pulen, Stall ausmisten. Oder ein Wanderweg im Harz und die Einfahrt ins Bergwerk. Die Flusslandschaft an der Elbe entlang erfahren mit dem Rad. Die Seen rund um Berlin. Die Strände im Süden, Italien oder Spanien. Hitze oder Wärme, eine schöne Taverne in der Abendsonne, ein gutes Glas Rotwein. Die hellen Nächte im Norden, die unendliche Weite der Wälder.

Die Redaktion des "Schlüssels" wünschst allen unseren Leserinnen und Lesern eine schöne Urlaubszeit mit vielen sonnigen Tagen.

Foto: Joujou@pixelio.de

Was uns doch heute alles möglich ist! An wie vielen Orten man selber schon war, wie viele schöne Urlaube, wie viele gute Erinnerungen wir sammeln konnten!

Während ich diese Gedanken für den "Sommerschlüssel" schreibe, bin ich mit den Senioren der Gemeinde in Oppurg in Thüringen. Hier bedeutet der Urlaub zuerst einmal vierzehn Tage in Gemeinschaft sein mit anderen. Nicht allein am Frühstückstisch sitzen, sich geborgen und sicher fühlen, weil andere da sind, die Acht auf einen haben. Bei der Sitzgymnastik an frischer Luft etwas für den Körper tun, bei den Ausflügen Neues kennen lernen und entdecken, bei der Andacht am Morgen vielleicht einen Gedanken für den Tag mitnehmen. Gespräche und viel Zeit, einfach beschaulich unter Gottes schönem Himmel zu sitzen. Diese gemeinsame Zeit des Reisens in der Gruppe stärkt und ist erfüllend.

Urlaub, das ist die Unterbrechung des Alltäglichen, ganz egal wie alt wir sind. Und es ist eine Chance, sich selber und anderen neu zu begegnen. Zeit, das eigene Leben zu betrachten, zu spüren und zu fühlen.

Wie ist das mit meinem Leben? Es gibt Gelungenes, Situationen, die ich bewältigt habe, Engagement, das geglückt ist, Schweres, das durchgestanden ist. Es gibt Zeiten, da bin ich erfüllt vom Leben.

Und es gibt die anderen Zeiten, da bin ich leer und unzufrieden, getrieben und angestrengt. Erschrocken über die Möglichkeiten, die auch in mir sind.

Gibt es eigentlich ein großes Ganzes für das ich lebe? Gibt es ein Grundmotiv, das zum Leben ermuntert? Was trägt mich und was ist mir wirklich wichtig?

Der Urlaub ist für mich eine Chance, für die Seele zu sorgen. Loslassen, nichts muss sein. Ich muss auch kein Freizeitprogramm abarbeiten, ich habe meine Alltagsthemen und Lebensfragen im Gepäck, sie sind ja nicht einfach weg. Es ist gut, wenn sie in anderer Umgebung und mit freier Zeit Raum finden, nach oben zu steigen, und ich sie betrachten kann. Vielleicht auch mit Hilfe einer Seelsorgerin oder eines Seelsorgers, die es an vielen Urlaubsorten gibt. Urlaub unterbricht den Alltag und kann auch ein Aufbrechen sein.

Gott hat geruht am siebten Tag der Schöpfung. "Die Feiertagsruhe ist das sichtbare Zeichen dafür, dass der Mensch aus der Gnade Gottes und nicht aus seinen Werken lebt", sagt Dietrich Bonhoeffer. Wie sehr lassen wir uns gefangen nehmen von unserem eigenen Tun und der Arbeit? Gott gibt uns einen Wert vor all diesem, uns wird Sinn geschenkt, bevor wir unser Leben selbst in die Hand nehmen.

"Weißt du, wo der Himmel ist außen oder innen eine Handbreit rechts und links, du bist mitten drinnen, du bist mitten drinnen.

Weißt du, wo der Himmel ist? Nichtso tief verborgen. Einen Sprung aus dir heraus aus dem Haus der Sorgen, aus dem Haus der Sorgen.

Weißt du, wo der Himmel ist? Nichtso hoch da oben. Sag doch ja zu dir und mir, du bist aufgehoben, du bist aufgehoben." So dichtet W. Willms in einem Lied.

Nach dem Himmel will ich Ausschauhalten in der Urlaubszeit. Nach dem Himmel, der mich umgibt und in mir ist. Ich wünsche uns, dass wir an jedem Tag neu entdecken, welchen Himmel Gott uns schenkt heute zu leben, heute zu lachen und heute zu weinen, heute Kraft einzusetzen und Kraft zu schöpfen.

Gesegnete Urlaubszeit!

Pfarrerin Susanne Peters-Streu