ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Juli/August 2014

23.7.2019

Kapitalerträge und Kirchensteuer
Viel Lärm um ein neues Steuerverfahren

von Cornelius Wiesner

Foto: Evangelische Kirche in Hessen und Nassau

Kirchensteuer
Wichtige Information zur Kirchensteuer - Automatisiertes Verfahren ab 2015

Das Verfahren zur Erhebung der Kirchensteuer auf Kapitalerträge wird ab 2015 wesentlich vereinfacht und automatisiert. Bei der Neuregelung handelt es sich nicht um eine neue Steuer, sondern lediglich um ein modernisiertes und automatisiertes Verfahren.

Dieser Tage geht ein Rumoren durch Deutschlands Haushalte. Manch einer befasst sich mit der Einkommensteuererklärung und wird stutzig, wenn er Post im Briefkasten findet. Zumindest, wenn er das Glück hat, dieser Tage Kapitalerträge, also etwa Sparzinsen, zu erwirtschaften. Von Empörung wegen einer neuen Steuer ist in den Zeitungen zu lesen und davon, dass schon wieder massenweise Menschen aus "der Kirche" austreten, weil diese nun ihre "gierigen Finger" nach den Kapitalerträgen ausstreckt. Nun mal Klartext: Alles Unsinn. Kapitalerträge sind Einkommen, werden also besteuert. Sie sind genauso kirchensteuerpflichtig wie die anderen Einkommensteuern, zum Beispiel die Lohnsteuer. Das war eigentlich schon immer so und hat sich nicht geändert.

Geändert hat sich nur das Verfahren, wie die Kirchensteuer auf Kapitalerträge erhoben wird. Wer wollte, konnte bisher beim Finanzamt beantragen, dass seine Bank die Kirchensteuer bei der Auszahlung direkt abzieht, sodass der Kapitalertrag nicht noch nachträglich versteuert werden muss. Man bekam seine Kapitalerträge dann quasi netto. Die ganze Aufregung dreht sich nun darum, dass eben dieses Verfahren jetzt (ab 2015) zum Regelfall wird. Hierfür muss die Bank natürlich wissen, zu welchem Steuersatz sie Geld an das Finanzamt abführen soll. Und deshalb teilt ihr das Finanzamt verschlüsselt die Religionszugehörigkeit des Kunden mit. Der Bankcomputer spuckt dann den entsprechenden Zinssatz aus. Niemand zahlt dadurch mehr Kirchensteuer als vorher. Kein Bankmitarbeiter kann aus dem verschlüsselten, sechsstelligen Code irgendetwas herauslesen. Wer sich dennoch wegen Datenschutz aufregt, sollte sich klarmachen, dass der Bankmitarbeiter stattdessen den Namen des Kunden und seine Kapitalerträge sieht. Und das ist im Zweifel vielleicht die wesentlich sensiblere Information.

Wer seiner Bank dennoch nicht traut, kann dem Verfahren bis Ende 2014 per Formular gegenüber dem Bundeszentralamt für Steuern widersprechen. Dann gibt es einen Sperrvermerk, die Kirchensteuer wird nicht abgezogen, der Kontoinhaber erhält seine Kapitalerträge brutto und, wie der Berliner sagt, jut is'.

Zumindest bis zur nächsten Steuererklärung. Dann müssen die Erträge nämlich auf den Tisch.

Weitere Informationen: www.ekbo.de/kirchensteuer_neues_verfahren/

Der Autor Cornelius Wiesner ist Jurist und Mitglied des Gemeindekirchenrats der Ev. Kirchengemeinde Berlin-Blankenburg, deren Gemeindebrief wir diesen Text entnommen haben.