ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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17.1.2019

Pfingsttrost – Sich Gottes zu erinnern!
Der theologische Artikel

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Weihnachten und seine Bedeutung halbwegs zu erklären oder auch zu verstehen, geht leicht. Wenn es draußen kalt ist, machen wir es uns drinnen gerne gemütlich. Und dass ein Kind für einen Neuanfang Gottes mit uns stehen will, das erschließt sich zur Not auch dem Kirchenfernsten.

Ostern hat es da schon etwas schwerer. Dass das Leben nicht auf pure Diesseitigkeit einzuengen ist, drückt die Hoffnung vieler Menschen aus. Und es tut gut, das Leben zu feiern, das schon die Natur in jenen österlichen Tagen oft vorlebt. Es blüht und gedeiht und Neues bricht auf.

Pfingsten – das Fest des Heiligen Geistes – aber hat es am schwersten. Der Heilige Geist hat unter uns ein Vermittlungsproblem. Oder wir haben ein Problem mit ihm. Alles pfingstlich Begeisternde findet kaum Gehör bei den skeptischen Menschen in meiner Umgebung. Außer hochgezogenen Schultern bei der Frage nach der Bedeutung des Festes ist nichts zu holen.

Wie also erkläre ich Pfingsten? Ihnen, die sie diesen Artikel lesen oder den Konfirmandinnen und Konfirmanden. Wie ist diese etwas andersartige christliche Mathematik zu vermitteln, dass in der christlichen Gottesvorstellung nämlich 1+1+1=1 ist, weil Gott, Sohn und Heiliger Geist aus demselben Holz geschnitzt sind.

Manchmal versuche ich es mit Bildern. Gott ist wie der Wind. Und diese Wirkungsweise nennt man dann "Heiligen Geist". Er ist nicht zu sehen, aber er weht um uns herum. Er ist wie die Luft, die wir zum Atmen brauchen und die uns umgibt. Geist – so verstanden, ist ein anderes Wort für "Atem" oder "Wind".

Vielleicht wie in der "Elia-Erzählung" aus dem 1. Könige-Buch, eher ein stilles, sanftes Säuseln, in dem Gott anwesend ist. Sanft, aber immer in Bewegung, belebend und erhaltend. Niemand kann ihn herbeizwingen, er weht, wo er will.

Vielleicht ist der Heilige Geist auch so etwas wie ein Souffleur, der – unsichtbar für die Zuschauer einem Schauspieler über sein Textvergessen hinweghilft – uns den richtigen Text einhaucht. Wenn wir dabei sind, uns in Vorwürfen oder Missverständnissen zu verzetteln, pustet er unsere Ohren durch und überrascht uns mit immer neuen Einladungen und Versuchen, aufeinander zu hören.

Vielleicht ist er die Kraft, die in unser Leben hineinwirkt. Der uns daran erinnert, dass es mehr gibt als die Gleichförmigkeit unserer Tage. Der Heilige Geist als Erinnerungs-Hilfe, als Gedächtnis-Stütze, dass uns viele Möglichkeiten offen stehen, den Tagen mehr Leben zu geben. Der Heilige Geist als Weck-Dienst unseres Bedürfnisses nach dem Höchsten – im Gegensatz zu mancher Banalität des Alltags.

Vielleicht ist der Heilige Geist auch der, den uns Jesus im Johannesevangelium als Tröster ans Herz legt.

Der Tröster, der uns an alles erinnert, was Jesus getan und gesagt hat. Vielleicht ist das das Größte, was der Geist in uns bewirkt. Trost, auf pfingstliche Art: dass wir uns Gottes erinnern.

"Den Frieden lasse ich euch. Meinen Friede gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht." (Johannes 14, 27)

Jesus verknüpft in diesen Versen die Botschaft von der Tröstekraft, die kommen wird, wenn sein Lebensweg vollendet sein wird, mit einem weiteren, besonderen Geschenk.

Es ist kein billiger Trost, kein vorschnelles Vertrösten, kein Zukleben von Ängsten und Sorgen und Nöten mit einem kleinen pfingstlichen Trostpflaster. Jesus erkennt an, was unser Leben oft bewegt: Angst und Grund zu erschrecken. Man kann zusammenzucken bei Nachrichten, die aus der großen weiten Welt durch die Medien in unsere Stuben gespült werden. Man kann zittern, wenn die Angst um einen geliebten Menschen die Tage nicht enden lässt und die Nächte quälend macht. Nichts ist schlimmer, als einfach darüber "hinwegzupfingsteln", hinwegzuhuschen.

Angst benennen, aussprechen lassen, aushalten. Das wäre der Anfang eines neuen pfingstlichen Weges. In der Erinnerung an Jesus, der auch nicht gewichen ist, der ausgehalten hat. Und dessen Vertrauen auf Gott dennoch nicht klein und schon gar nicht totzukriegen war.

Sich Gottes und seines Wirkens zu erinnern – da steckt Trostkraft drin, die ein Stück "Pfingsten in meinem Leben" sind.

Sehr eindrucksvoll habe ich diesen Trost bei einem Geburtstagsbesuch im Altenheim erlebt:

Die alte Dame, seit einigen Jahren demenzkrank, saß mühsam im Sessel. Es war schwierig mit ihr in Kontakt zu kommen. Sie antwortete nicht, und nur selten schaute sie aus den müden Augen in die Runde der Anwesenden. Ich versuchte es mit einem Gespräch über ihren Lebensweg, zusammen mit den anderen Anwesenden zeichnete ich Lebensstationen nach. Vielleicht ist es möglich doch Bilder und Situationen noch einmal empor zu angeln aus dem Meer des Vergessens. Zum Abschied nahm ich einen kleinen Engel aus dem Regal und hielt ihn vor ihr Gesicht und sagte: "Der passt auf sie auf. Auf allen ihren Wegen." Kurz öffnete sie die Augen, sah den Engel, dann mich an und sagte: "Dass er an mich denkt …"

Es war ein kleines Pfingstfest, das sich dort ereignet hat. Kurze Zeit später ist die alte Dame verstorben.

Dass wir uns Gottes erinnern, dass wir nicht in der Gottesvergessenheit bleiben – daran arbeitet der Tröste-Geist. Und er hilft uns auch, die Sprachlosigkeit zu überwinden. Er will uns zu Meistern des Erzählens unserer Erfahrungen mit ihm werden lassen.

Damit könnten wir zu Pfingsten neu anfangen: uns gegenseitig an Gott zu erinnern. An seine Spuren, die in unseren Lebensläufen sichtbar geworden sind. Wir könnten lernen, in den Biografien anderer zu lesen, wie Gott dort gewirkt hat. Wie sein Geist am Werk war: tröstend, heilend, befreiend, belebend.

Pfarrer Michael Busch