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22.3.2019

Kinder, wie die Zeit vergeht...
Aus der Kita Lindenhof


Kita Lindenhof Spielplatz zwischen den Häusern

"Ach, hallo Frau Hanschmann Sie sind ja immer noch da!" Freudig grüßt mich eine "Oma" mit Enkelkind auf dem Arm.

Die nächste Generation. Na prima! Irgendwie komm ich mir schon recht alt vor. Klar nach mehr als 30 Jahren in der Kita, da kann man so einiges erzählen.

Ich hatte mich für eine Erzieherstelle in der Kindertagesstätte Lindenhof beworben. Das Vorstellungsgespräch mit Pfarrerin Elmer lief sehr gut und ich wurde als Erzieherin eingestellt.

Frau Schnell und Frau Koch waren in der Kita Lindenhof zwei sehr starke Persönlichkeiten. "Frau Hanschmann, der Pfarrer kommt." Nicht der Pfarrer, sondern Herr Döbler, unser damaliger Hausmeister, stolzierte in seinem dunklen Anzug nach einer Beisetzung in die Kita.

Wir hatten schöne Feste um die Linde herum, Weihnachtsmärkte in heimeliger Atmosphäre. Wetterfeste Klamotten waren wichtig für die meist riesigen Pfützen auf dem heutigen Spielplatz zwischen den Häusern. Irgendwann musste die Linde weichen. Krank war der Baum leider. Die Baumfäller machten uns Sitze und Tische und Holzscheiben für die Kinder daraus und so konnten wir sie noch lange nutzen.

Frau Schnell ging in Rente, Frau Rohlfs kam. Frau Marter Frau Lippert, Frau Schmedt, Frau Pasche und ich bildeten ein neues gut funktionierendes Team. Es machte Spaß zu arbeiten und man kam gern. Wir hatten einen niedrigen Krankenstand und Stress im heutigen Sinne gab es nicht wirklich. Zumindest wirkt es im nachhinein recht entspannt, es waren andere Anforderungen und die Zeit nicht so schnelllebig. Dafür gab es andere Probleme.

Ach du gute Güte. Was ich natürlich dringend erwähnen muß, sind die legendären Buchteln von unserer Köchin, Frau Thormann – die, die mit den Blumen sprach. Unsere Blumen blühten nur durch ihren Zuspruch. Oder war es das verdreckte Wasser, was im großen Kitaraum durch die Decke in die Blechdosen tropfte, denn dicht war das Dach damals eigentlich eher selten.Es klang aber sehr melodisch.

Irgendwann ging auch sie in Rente und Robert Gates übernahm die Küche. Ungewohnt für die Kids, denn Herr Gates war von dunkler Hautfarbe und das war anfangs spektakulär. Das relativierte sich auch schnell, denn für den Hausmeister Döbler kam Irvin Clay, und der war Robert in der Hautfarbe sehr ähnlich. Die Kinder fanden das toll und wenn die Herren miteinander redeten, war die Sache mit dem Anziehen in der Garderobe Nebensache. Auch die Beiden passten perfekt zusammen. Leider verstarb Irvin bei einem Unfall und diese Lücke hat sich lange nicht schließen können.

Je länger man an einer Stelle ist, desto mehr Veränderung passiert um einen herum, das ist Leben. Umbau hier und Anbau da, neuer Spielplatz und vieles mehr, aber der Grundstock ist noch vorhanden, seltsam. Das Haus ist aber noch nicht zusammengefallen.

Die Kinder, die zu uns kommen, werden immer jünger. Klar, wir haben nun eine Krippe und die Anforderungen an das Personal werden immer höher: Eltern im Stress der Arbeit, Hetzen zwischen den Terminen. Oh Welt, was haste dir verändert! Die Zeit verrinnt zwischen den Fingern oder ist es das Alter??

Ich habe in 30 Jahren Giesensdorf viel erlebt. Das Eingangstor z.B. hat ein persönliches Verhältnis zu mir aufgebaut. Wir arrangieren uns jeden Morgen miteinander, damit es mir nicht ins Kreuz schlägt. Macht es jetzt selten.

Aber das ist es nicht, was mir jeden Tag wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Es sind die Kiddis, die mir jeden Tag meine volle Aufmerksamkeit abverlangen, die heulen und zetern, mich blöd finden, weil Mama geht. Ich halte sie auf dem Arm und sie finden das wirklich nicht cool in den nächsten fünf Minuten. Sie wischen mir ihre Rotznase aufs T-Shirt, schauen mich an und fassen doch irgendwie Vertrauen. Dann kommen sie erstaunlicher Weise ganz plötzlich gerne und geben mir den tausendsten neuen Namen.Ich kann mit ihnen Blödsinn machen, um ihnen das Lernen zu erleichtern. Frei nach dem Motto: mit Lachen geht alles leichter (so war's aber immer schon).

Ich bin leichter geworden, nicht an Gewicht. Nein, Erfahrung macht leichter, man kann gelassen loslassen um das was man sät zu fassen. Ich muss noch ein paar Jahre säen und bleiben, solange die manchmal morschen Knochen halten.

Danke liebe Kollegen, mit denen ich zusammen arbeiten durfte, für unsere gemeinsame Zeit. Denen welchen ich hier nicht mehr begegnen kann, schick ich einen Engel….

So, nun warte ich mal auf die nächste Generation, Chancen darauf hab ich noch.

Angelika Hanschmann

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