ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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21.1.2019

Der Monatsspruch im April

von Pfarrerin Susanne Peters-Streu

Meine Gedanken wandern zurück an den Anfang der neunziger Jahre. Ich arbeite als Pfarrerin in den ersten Berufsjahren in der Dietrich Bonhoeffer Gemeinde in Lankwitz, zum Familiengottesdienstteam gehört Helga Schulz-Fiens, Studienleiterin für Kinder- und Familiengottesdienste im Haus der Kirche. Bei Ihr lernte ich ein Lied kennen, das den Monatsspruch aufnimmt:

"Du verwandelst meine Trauer in Freude, du verwandelst meine Ängste in Mut, du verwandelst meine Sorge in Zuversicht guter Gott Du verwandelst mich."

Wir machten eine Fortbildung im Haus der Kinderkirche in Beilstein zum Biblischen Buch Ruth. Ruth, das ist eine treue, liebevolle Schwiegertochter. Noemi, die Schwiegermutter kam einst mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen aus Israel nach Moab. In Israel herrschte Hunger, so zogen sie von dort fort. In Moab heiraten beide Söhne. Und dann stirbt Noemis Mann und auch beide Söhne. Noemi bleibt mit den Schwiegertöchtern allein. Eines Tages möchte sie zurückziehen in ihre alte Heimat. Ruth bleibt bei ihr und begleitet sie in ihre alte Heimat, die für sie ja Fremde ist. Dort entwickelt sich neue Perspektive, Hoffnung und Leben. Ruth heiratet wieder, ein Enkelkind wird geboren.

Auf dem Hintergrund dieser Geschichte haben wir viel über Trauer und Abschied gesprochen. Über eigene Erfahrungen, Ängste und Hoffnungen und immer wieder gemeinsam gesungen: Du verwandelst meine Trauer in Freude...

Wenige Jahre später, im Frühjahr 1995, erkrankte Helga Schulz-Fiens an Krebs und starb wenige Tage nach Ostern.

Am Ostermontagmorgen haben wir sie aber noch besucht. Eine kleine Gruppe von Frauen aus der Gemeinde, wir hatten alles dabei für ein festliches, genussvolles Osterfrühstück, und wir haben das Abendmahl gefeiert. Sehr klar und bewusst, dass es ein Abschied war, suchend tastend nach dem, was hilft und trägt, so haben wir gesungen und uns festgehalten, "Du verwandelst meine Trauer in Freude..." und aus Taizé: "Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke mein Licht: Christus meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht' mich nicht, auf dich vertrau ich und fürcht' mich nicht".

Wir waren sehr traurig, dass Helga gestorben ist. Sie hatte noch nicht mal das Rentenalter erreicht. Sie war so voller Leben. Ihre Ideen für die Familiengottesdienste, ihre Achtsamkeit für die Kinder, ihre Wertschätzung für alle, die sich mit engagiert haben, ihre Treue zur Gemeinde. Mir war sie eine gute Lehrerin und Begleiterin in den ersten Berufsjahren, treu in dem kleinen Gebets- und Meditationskreis, in dem wir uns einmal wöchentlich trafen. Nun war da Traurigkeit und auch jetzt, wenn ich mich an sie erinnere ist sie da, die Traurigkeit, aber auch die Kraft, die im gemeinsamen Singen dieses Liedes lag, " Du verwandelst meine Trauer in Freude, du verwandelst meine Ängste in Mut, du verwandelst meine Sorge in Zuversicht guter Gott du verwandelst mich."

Traurigkeit und Freunde sind wohl Gegensätze. Aber sie sind keine Feinde. Die Traurigkeit frisst die Freude nicht auf. Traurigkeit und Freude scheinen ineinander verschlungen und die Freude kommt zum Leben, wo auch die Trauer ihren Raum hat.

Der Monatsspruch ist der Abschiedsrede Jesu an seine Jüngerinnen und Jünger entnommen. Jesus nimmt Abschied von seinen Freudinnen und Freunden. Aus Abschied soll Anfang werden, aus Schmerz unendliche Freude. Jesu erklärt mit dem Bild von der Geburt eines Menschen, was er meint: "Eine Frau, wenn sie gebiert, so hat sie Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist." Der Grund der Freude bricht sich Bahn unter Schmerzen und Gefahr. Traurigkeit und Freude gehören zusammen, sagt Jesus. Wir werden an der Traurigkeit nicht vorbeikommen. Wir müssen empfindsam bleiben und wach für Schmerz und Leid, damit wir die Freude nicht verlernen.

Jesus bereitet seine Jüngerinnen und Jünger auf den Abschied vor. Er schaut nüchtern an, was sie erwarten wird, an Weinen, Klagen und Spott. Er sagt ihnen, dass beides zusammengehört: Traurigkeit und Freude. Das große Ziel aber, auf das er sie zuführt ist die Freude, das Wiedersehen, ist Ostern.

Die Freude ist in all ihrer Kraft ein zerbrechliches Gut. Jesus verspricht aber, dass sie am Ende stehen wird, ganz fest: "Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen."

Die Geburt eines Kindes bringt Freude, die bis an den Himmel reicht. Abschied hingegen bedrückt, Abschied von einem lieben Menschen, von der Kindheit, von einem Freund, von liebgewordenen Gewohnheiten, von einer Arbeit, einer Lebensphase, von Träumen, die sich nicht mehr verwirklichen lassen, Abschied von Gesundheit, Abschied vom Jungsein und mit dem Alter umgehen lernen. Abschied, da ist zunächst Trauer und Leben ist ein vielfältiges Abschiednehmen.

"Ihr werdet weinen und klagen und traurig sein, aber die Freude, die uns überkommt, ist Zeichen des neuen Lebens. In jeder Freude erblüht ein Stück des neuen Himmels und der neuen Erde. Aus dieser Hoffnung freuen lernen, wachsen und werden und leben in der Spannung: Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden".

Gesegnete Osterzeit wünscht

Pfarrerin Susanne Peters-Streu