ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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21.1.2019

Friedensdienste
Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste: Projektberichte

Am 9. September 2013 wurden Leonie Link und Niklas Jakobs aus unserer Petruskirche in Projekte von ASF verabschiedet. Ende des Jahres haben sie sich mit Berichten gemeldet. Den Bericht von Niklas Jakobs mussten wir etwas kürzen. Bearbeitung: Stephanie Habedank-Kolodziej

Friedensdienst in Israel
Projektbericht von Leonie Link

In meinen Projekten bin ich jetzt endlich voll und ganz angekommen, habe meine Aufgaben und finde mich gut zurecht.

Im Leo-Baeck-Institut, einem 1955 gegründeten Institut zur Erforschung und Dokumentation der Geschichte und Kultur des Judentums in Deutschland und Zentraleuropa, bin ich größtenteils für die Postgänge und als zweite Sekretärin zuständig. Die täglichen Postgänge sind immer eine Sache für sich, da eine israelische Post einfach anders ist.

Zudem helfe ich bei den Veranstaltungen mit, sortiere Bücher für die Bibliothek oder beantworte E-Mail-Anfragen. Die Arbeit dort ist jeden Tag anders. Ab und zu wird die normalerweise ruhige Atmosphäre ganz plötzlich sehr hektisch und es gibt wahnsinnig viel zu tun. Normalerweise arbeite ich sehr selbstständig und jeder der Mitarbeiter für sich allein.

Ich habe meinen eigenen Arbeitsplatz, der sich im öffentlichen Lesesaal befindet, für den ich zuständig und Ansprechpartner für die Besucher bin.

Altstadt Jerusalem und al-Aqsa-Moschee

Im Oktober haben wir lange auf den im November anstehenden großen Buchmarkt hingearbeitet und ansonsten ergeben sich immer wieder neue Aufgaben.

Im Beit Siegfried Moses, einem Elternheim welches zur Irgun Olej Merkaz Europa gehört, der Organisation der "Jeckes", verbinge ich die andere Hälfte der Woche. Hier treffe ich die unterschiedlichsten Menschen. Einige sind noch vor dem Krieg und andere erst nach dem Krieg nach Palästina gekommen, nachdem sie meist erst eine Zwischenstation in anderen Ländern eingelegt haben.

Es gibt in diesem Elternheim sowohl Wohnungen als auch eine Pflegeabteilung. Ich bin meistens in letzterer unterwegs und besuche die Damen und Herren für Gespräche und zum Vorlesen. Da es aufgrund verschiedener Umstände nicht möglich ist, mir einen wirklichen festen Zeitplan mit Besuchen zu erstellen, gestaltet sich jeder Tag verschieden und abwechslungsreich. So komme ich auch mit Bewohnern in Kontakt, die mir nicht vorgestellt wurden und kann mein Englisch und Französisch üben oder sogar mein gerade erlerntes Hebräisch.

Die Arbeit dort macht mir wahnsinnig viel Spaß. Ich habe die Chance, viel von diesen in vielerlei Hinsicht erfahrenen und geprägten Menschen zu lernen und ihre Geschichten zu hören.

Ich wurde mit offenen Armen von ihnen aufgenommen, und sie sind mir sehr ans Herz gewachsen. Meine Ersatzoma kümmert sich um mich und erzählt mir Geschichten von der Liebe, einer meiner liebsten Herren aus Berlin versucht mir so viel es geht über Israel und die Welt beizubringen und eine liebe Dame, ebenfalls aus Berlin, ist zwar so vergesslich, dass sie immer wieder fragt wie lange ich bleibe, weiß aber immer wer ich bin und freut sich jedes Mal wieder mich zu sehen.

Mittwochs habe ich ein sogenanntes "Mittwochstreffen" ins Leben gerufen. Ich bringe alle deutschsprachigen Bewohner der einen Station in den Gruppenraum und wir spielen Gedächtnisspiele, machen Kreuzworträtsel, üben Sprichwörter oder singen. Dabei ergeben sich auch schöne Gelegenheiten für die Bewohner untereinander, da sie sonst den ganzen Tag an festen Plätzen im großen Raum sitzen und wenig Kontakt zu anderen Tischen haben.

Die Mittwochstreffen genieße ich sehr, da ich Energie in die Vorbereitung stecken kann und selbst viel Freude an den Treffen habe.

Besonderes Erlebnis

Ich denke, mit das Schönste habe ich beim letzten Mittwochstreffen erfahren und das ist vielleicht auch das Passendste für diesen Bericht. Der Schneesturm war gerade im Anmarsch und ich hatte mich dennoch ins Elternheim aufgemacht, wo ich dann ziemlich nass ankam. Ich wurde dort für verrückt erklärt, da so ein Wetter hier Grund genug ist, um zu Hause zu bleiben. Jedenfalls endete unser Spiel in einem Gespräch, und wir kamen auf meine Beweggründe für meinen Aufenthalt hier zu sprechen. Ich erklärte ihnen mein Verständnis von Sühnezeichen und sie ihrerseits versicherten mir, wie sehr sie diesen Gedanken bei uns jungen Leuten schätzten. Eine meiner liebsten Damen sprach dann im Namen aller, dass sie mich sehr lieb haben und sich auf die restliche Zeit freuen. Der ganze Moment war nur von kurzer Dauer und mag kitschig klingen, aber gerade bei diesen Menschen, die oft auch verwirrt sind und wo ich mir unsicher bin, ob sie mich wahrnehmen, ist dieser Moment besonders viel wert. Nächste Woche werden wir zusammen singen.

Danksagung

Ich habe hier die einmalige Chance, ein Jahr lang in diesem Land zu leben, freiwillige Arbeit zu leisten, die Kultur und Sprache kennen zu lernen und in die Zukunft schauend von der Vergangenheit zu lernen.

Meinen Paten möchte ich an dieser Stelle ganz herzlich dafür danken, dass sie mir diese Erfahrung ermöglichen.

Ohne sie wäre meine Arbeit hier in dieser Form nicht möglich.

Ich hoffe durch meine bisherigen Berichte und diesen hier veranschaulichen zu können, was ich erleben darf.

Mir ist bewusst, was für ein großes Vertrauen Sie/ihr in mich und ASF setzen/setzt, indem Sie/ihr Förderer sind/seid und ich empfinde große Dankbarkeit dafür.

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Friedensdienst in Frankreich
Projektbericht von Niklas Jacobs aus Foyer le Pont Paris


von links nach rechts: Niklas Jacobs, Elizabeth Le Bescon, Catherine Burgaud, BrittaFrançois, Joseph Rouffart – Foto: Kianush Ruf

Mein Name ist Niklas Jacobs, ich bin 19 Jahre alt und nun seit drei Monaten als Freiwilliger von Aktion Sühnezeichen Friedensdienst in Paris tätig. In diesem ersten Projektbericht möchte ich Ihnen und Euch von meinen bisherigen Erlebnissen, Erfahrungen und Begegnungen berichten.

In den letzten zwei Jahren hat sich bei den Überlegungen darüber, wie ich die Zeit nach derSchule gestalten möchte, relativ schnell herausgestellt, dass ich nach meinem Abitur nicht gleich anfangen möchte, zu studieren. Über eine ehemalige Klassenkameradin bin ich auf Aktion Sühnezeichen aufmerksam geworden und habe gemerkt, dass ich gerne mit dieser Organisation einen Friedensdienst im Ausland machen möchte.

Von der Bewerbung im Herbst 2012, über das Auswahlseminar im darauffolgenden Januar bis zum Spätsommer diesen Jahres verging die Zeit, und so fand ich mich Anfang September mit etwa 120 anderen erwartungsvollen Freiwilligen im überschaubaren, aber sehr idyllischen Hirschluch bei Fürstenwalde an der Spree wieder.

Am 10. September brachen wir dann gruppenweise im Morgengrauen in unsere verschiedenen Projektländer auf. Nach einer Odyssee quer durch Deutschland und Belgien, erreichten die 17 anderen Frankreichfreilligen und ich spät abends dann den Gare du Nord in Paris. In den darauffolgenden Tagen wurden wir auf die Arbeit in Frankreich, aber auch auf das Land an sich eingestimmt, wobei eine umfangreiche Käseverkostung natürlich nicht fehlen durfte.

Nach weiteren vier Tagen war endlich der Tag gekommen, an dem ein jeder loszog, sein neues Zuhause, ob Haus, Wohnung oder Zimmer, zu beziehen. Einige hatten noch eine letzte lange TGV-Fahrt nach Nizza, Nantes oder Marseille vor sich, für mich beschränkte sich die Reise glücklicherweise auf 20 Métro-Minuten mit der Linie 13.

Seit diesem Tag wohne ich nun also in Paris, im 9. Arrondissement zwischen der Trinité und dem Moulin Rouge. Meine WG befindet sich, was etwas exotisch, aber gleichzeitig auch irgendwie passend ist, im selben Gebäude wie die Deutsche Evangelische Christuskirche in Paris. Dementsprechend sind auch die meisten Personen im Haus, allen voran meine Mitbewohner, Deutsche.

Mein Mitbewohner S. ist 41 Jahre alt. Dann wohnt noch J. mit mir zusammen. Er kommt aus Leipzig, wo er dieses Jahr sein Abitur gemacht hat.

M. studiert Philosophie, Germanistik und Musiktheorie in Berlin und macht gerade zwei Semester Erasmus in Paris. Eigentlich kommt sie aus Freiburg. M. kann ausgezeichnet kochen und ist wie J. sehr musikalisch, was schon zu einigen Gesangsabenden mit Gitarre und Ukulele in der WG geführt hat.

Besonders in der Anfangszeit tat mir das WG-Leben sehr gut, wir haben oft zusammen gekocht und gegessen und konnten uns über unsere Erfahrungen in Frankreich austauschen.

Auch mit den anderen fünf Paris-Freiwilligen verstehe ich mich gut, mit Luca aus der Pariser Arche treffe ich mich regelmäßig zum Gitarre spielen und wir haben uns schon einige Male auf den Weg gemacht, die Stadt zu entdecken.

Nun aber zum eigentlichen Grund, aus dem ich nach Paris gekommen bin, meinem Projekt.

Ich arbeite in einer Einrichtung, die sich "Foyer Le Pont" nennt.

Das Foyer beschreibt sich als "Begegnungszentrum der evangelischen Kirche in Europa". Man kann sich das Haus wie eine Pension vorstellen. Wir haben 22 Zimmer mit insgesamt 41 Betten und funktionieren ähnlich wie ein Hotel. Jeder ist herzlich willkommen und unsere Gäste sind ganz unterschiedlich. Häufig kommen kirchliche Reisegruppen aus Deutschland – kürzlich war ein Kirchenchor aus Sylt bei uns – aber auch Geschäftsleute, Einzelreisende, Ehepaare oder Familien, die sich Paris ansehen wollen, kommen zu uns. Ziel ist es, verschiedene Menschen aus einem kirchlichen Rahmen zusammenzubringen und einen Raum für Begegnungen zu schaffen.

Ich arbeite mit fünf Kollege_innen zusammen, darunter meine Chefin, Madame Le Bescon, die sich vor allem um die Buchhaltung und Organisation kümmert. Dann ist da noch Catherine, die zwar Französin ist, aber 30 Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet hat. Sie arbeitet an der Rezeption und im Empfang.

Britta kommt aus Deutschland, mit ihr spreche ich auch hauptsächlich Deutsch. Britta ist für die Programmplanung von Gruppen zuständig und bietet unter anderem eine Stadtführung durch das protestantische Paris an.

In so einem kleinen Team ist jeder wichtig, ohne Joseph und Monsieur Terki würde allerdings gar nichts funktionieren. Die beiden machen morgens das Frühstück und nach der Abreise der Gäste die Zimmer fertig.

Meine Aufgaben im Foyer le Pont sind recht unterschiedlich. In der Regel bin ich drei Tage in der Woche an der Rezeption, wo ich Telefonate und E-Mails beantworte, Reservierungen aufnehme, morgens den Check-Out mache und den ankommenden Gästen nachmittags die Schlüssel gebe und das Haus erkläre. An den anderen Tagen muss ich etwas früher aufstehen und ab 7.30 Uhr das Frühstück vorbereiten. Zwischen 8.00 und 9.30 Uhr sorge ich dann dafür, dass die Gäste immer genug Kaffee und Baguette haben. Danach müssen die Tische und das Buffet abgeräumt und gereinigt, die Teller gespült und das Frühstück für den nächsten Tag vorbereitet werden.

Nachmittags gibt es noch ganz verschiedene Dinge zu tun, wie zum Beispiel Einkaufen gehen, die Zimmer kontrollieren, Gartenarbeit oder irgendwelche Besorgungen machen.

Vor ein paar Wochen war eine Gruppe aus Deutschland zu Gast, deren Mitglieder alle in der kirchlichen Jugendarbeit tätig sind. Sie hatten darum gebeten, sich mit dem Jugendbeauftragten der Französischen Evangelischen Kirche (EPUdF) treffen zu können. Da meine Kollegin Britta kurzfristig verhindert war, bat sie mich darum, den Vortrag und das darauf folgende Gespräch zu dolmetschen. Trotz meiner schon guten Französischkenntnisse, die ich einem Austauschjahr in St. Nazaire vor drei Jahren zu verdanken habe, war das natürlich eine Herausforderung. Nach dreistündiger Übersetzung war ich erst mal erschöpft aber froh, wie gut das Zusammentreffen verlaufen ist.

Nach drei Monaten im Projekt sind das Alltagsleben und die Routine zweifellos eingekehrt, aber trotzdem ist die Arbeit im Foyer abwechslungsreich, eben weil der Kontakt zu den verschiedensten Menschen besteht.

Obwohl ich Frankreich und einige Franzosen schon gut kennenlernen durfte und konnte, habe ich schnell gemerkt, was man mir zuvor häufig gesagt hatte: "Paris ist nicht Frankreich".

Es war anfangs nicht leicht, sich an den Rhythmus der Stadt zu gewöhnen, an das Gehetze in den Métros, die Anonymität der Metropole, das permanente Hintergrundrauschen der Autos, dem man selbst in den schön angelegten Parks nicht entkommen kann oder an die absurde Schere zwischen den luxuriösen Stadtapartments mit Stuckdecke und Kronleuchtern und den armen Menschen, die davor sitzen und sich das Geld für eine kleine Mahlzeit zusammensammeln müssen. Jedoch habe ich die Pariser entgegen der bestehenden Klischees als sehr höflich und freundlich erlebt und ich bin immer wieder beeindruckt von der Schönheit dieser Stadt, die so viele Möglichkeiten bietet und deren schönste Orte, fernab von Eiffelturm, Louvre und Champs-Élysées man nach und nach entdecken kann.

Seit einigen Wochen gehe ich regelmäßig in eine protestantische französische Gemeinde, in der ich mich sehr wohl fühle. Bei den Gottesdiensten wird viel gesungen und es herrscht eine sehr herzliche Atmosphäre. Im neuen Jahr möchte ich mir dort einmal die Studentenkreise ansehen.

Was meine weiteren Pläne für das neue Jahr betrifft, so wird es auch in meinem Projekt eine Veränderung geben. Diese Woche haben im Foyer le Pont Bauarbeiten begonnen und da die Badezimmer im ganzen Haus komplett erneuert werden, wird das Haus bis Mitte März geschlossen sein. Zwar gibt es in dieser Zeit trotzdem noch Reservierungsanfragen zu bearbeiten, aber da während der Renovierungsarbeiten keine Gäste im Haus sein werden, werde ich dort auch deutlich weniger arbeiten müssen.

Deshalb habe ich zusammen mit meiner ASF-Länderbeauftragten zwei Projekte gefunden, in denen ich mich zur Überbrückung engagieren kann.

Zum einen ist das ein Stadtteilcafé namens "Moulin à Café" im 14. Arrondissement. Dort werden sowohl günstiges Mittagessen als auch viele Freizeitaktivitäten angeboten. Zum Beispiel finden im Café regelmäßig Tanzkurse, Spielerunden oder Themenabende statt.

Meine Aufgabe wird es sein, bei der Essensausgabe und den Veranstaltungen abends zu helfen. Gleichzeitig habe ich aber auch die Freiheit, selbst Kurse oder Treffen anzubieten: Ich freue mich auf diese neue Aufgabe.

Das andere Projekt, in dem ich an zwei Nachmittagen in der Woche arbeiten werde, ist ebenfalls ein Café, nämlich das "Café des Psaumes" im Marais-Viertel. Es gehört zu der Organisation "OSE", die unter anderem im zweiten Weltkrieg jüdische Kinder aufgenommen und versteckt hat. Das Café des Psaumes ist deshalb auch nicht profitorientiert, sondern vielmehr ein Treffpunkt für ehemalige OSE-Kinder und ein Ort, in dem jüdische Kultur gelebt werden kann. Auch dort gibt es vor allem sonntags Veranstaltung und meine Aufgaben werden ähnlich sein wie im Moulin à Café.

Hier reizt mich besonders der Einblick in das heutige jüdische Leben und die Tatsache, dass meine Aufgaben mehr mit dem eigentlichen Grundgedanken von ASF zu tun haben werden als das momentan der Fall ist.

Neben diesen Plänen bin ich gespannt, was das neue Jahr für Herausforderungen und Erlebnisse bereithält und ich freue mich auf acht weitere Monate als Freiwilliger in Paris.

Auf diesem Weg möchte ich mich ganz herzlich Ihnen und Euch, den Pat_innen, und bei meiner Familie für die Unterstützung bedanken, ohne die mir dieses Jahr nicht möglich wäre!

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