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24.3.2019

Jahreslosung 2014

von Pfarrerin Susanne Peters-Streu

Noch liegt es vor uns das neue Jahr 2014, ist nur wenige Tage alt. Was wird es bringen, Ihnen und mir, jedem und jeder einzelnen von uns und uns gemeinsam? Welchen Herausforderungen werde ich mich stellen müssen? Welche Überraschungen werde ich erleben? Welche Glücksmomente werden sich einstellen? Was werde ich geschenkt bekommen und was wird mir genommen werden?

"Das Wiedersehen", Ernst Barlach (1870-1938)

Die Jahreslosung führt uns zu einem Menschen in tiefer Anfechtung. "Lauter Güte ist Gott für Israel, für alle Menschen mit reinem Herzen. Ich aber – fast wären meine Füße gestrauchelt, beinahe wäre ich gefallen", beginnt er. Warum geht es den Bösen, den Gewaltigen, denen die auf ihre eigene Macht setzen, die rücksichtslos ihre eigenen Interessen durchsetzen so gut und warum muss der Gute so leide? Dies kann der Beter des Psalms nicht ertragen, das bringt ihn fast zum Straucheln. "Denn ich ereiferte mich über Leute, die prahlen, als ich das Glück der Frevler sah." Wo ist Gottes Güte in dieser Welt erfahrbar, das ist die quälende Frage. Wenn sich nichts oder wenig zum Guten wendet in der Welt, wenn Ungerechtigkeit triumphiert, läuft es da nicht ins Leere, wenn ich mich an Gott halte? "Hätte ich gesagt: Ich will reden wie sie, dann hätte ich die Gemeinschaft deiner Kinder verraten." so spricht die Beterin. Sie erinnert sich an die Gemeinschaft, in die sie gestellt ist, an die Verbundenheit mit den Geschwistern, mit denen sie im Glauben unterwegs ist, das hilft ihrer Hoffnungslosigkeit auf. Gott hat sich Menschen erfahrbar gemacht, davon erzählt die Bibel in ihren Geschichten und davon zeugen immer wieder Menschen. Ich brauche diese Anleihe bei der Erfahrung der anderen, wenn mir selber der Boden schwankt.

Bin ich Gott nahe?
Bin ich Gott fern?
Ist Gott mir nahe?
Ist Gott mir fern?

"Ich aber: Gott nahe zu sein ist für mich gut, ich fand meine Zuflucht beim Herrn, der Ewigen, ich will erzählen von all deiner Arbeit."

Glück? – Unglück?

Eine Geschichte erzählt:

Es war einmal ein Bauer, der lebte in einem kleinen Dorf. Dieser Bauer hatte nur ein einziges Pferd, das lief ihm eines Tages davon. Da sagten die Leute vom Dorf: "Welch ein Unglück! Wir bedauern dich, du armer Mann. Denn du hast dein einziges Pferd verloren". Da sagte der Bauer: "Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Unglück ist".

Nach ein paar Tagen kam das Pferd zurück. Es brachte ein Wildpferd mit. Da sagten die Leute vom Dorf: "Welch ein Glück! Du hast es gut. Denn du hast jetzt als einziger von uns zwei Pferde". Da sagte der Bauer: "Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Glück ist".

Der Bauer hatte einen einzigen Sohn. Der versuchte das Wildpferd einzureiten. Doch das Pferd bäumte sich auf und warf den jungen Mann ab. Dabei brach er sich ein Bein. Da sagten die Leute vom Dorf: "Welch ein Unglück! Du hast nur einen einzigen Sohn. Und der hat sich ein Bein gebrochen. Wer soll dir jetzt bei der Arbeit helfen?". Da sagte der Bauer: "Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Unglück ist".

Nach ein paar Tagen brach ein Krieg aus. Und die jungen Männer des Dorfes wurden zum Dienst an der Waffe eingezogen. Nur ein Mann wurde verschont. Das war der Sohn des besagten Bauern. Er wurde verschont, weil er sich ein Bein gebrochen hatte. Da sagten die Leute vom Dorf: "Welch ein Glück!"

Gott nahe zu sein ist für mich gut, wo in der Jahreslosung 'Glück' übersetzt ist, steht im Hebräischen 'ist gut für mich'. Was tut mir Mensch gut? Bei Glück denke ichr an etwas Ekstatisches, ein Moment höchster Gefühle und dann ist es vorbei. Anhaltend glücklich sein in diesem Verständnis kann ich mir nicht vorstellen. Aber die Suche nach Glück füllt viele Bücher, bewegt uns, war im November eine Woche lang Thema in der ARD.

Was tut mir gut? Dinge verändern sich mit meinem Blick. Auf welche Wirklichkeit will ich mich einlassen, das macht einen Unterschied.

Viele Fragen bewegen mich, wenn ich dies Wort für das neue Jahr lese. Wie stelle ich mir einen glücklichen Menschen vor? Bin ich zufrieden und glücklich? Ist das das Gleiche oder nicht? Woran merke ich das Eine, wie das Andere? Liegt es an mir oder liegt es an Gott? Was ist Glück eigentlich? Ein kurz vorbeischwebender Moment, eine Lebenshaltung? Wo ist für mich ein Ort der Gottesnähe? Ist es der Kirchraum? Ist es die Begegnung mit einem Menschen?

Für mich ist der Kirchraum ein wichtiger Ort, der mich mit Menschen verbindet, die vor mir geglaubt, geliebt, gelebt haben und dies auch nach mir noch tun werden. Kirchen erzählen Geschichten von Menschen, von Freude, von Not, von allem was menschliches Leben ausmacht, hier gibt es die Erfahrung der Güte Gottes.

Und für mich ist die Begegnung mit Menschen ein Ort der Erfahrung der Güte Gottes. In der Skulptur von Ernst Barlach begegnet der Zweifler Thomas dem Auferstandenen, da ist Berührung und Aufrichtung.

Die Erfahrung der Güte Gottes bleibt auch Geheimnis: "Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht: so nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich!" so heißt es im alten Lied von Julie Hausmann.

Woran erkenne ich die Nähe Gottes? Martin Buber überliefert folgende Geschichte:

"Rabbi Baruchs Enkel, der Knabe Jechiel, spielte einst mit einem anderen Knaben verstecken. Er verbarg sich gut und wartete, dass ihn sein Gefährte suche. Als er lange gewartet hatte, kam er aus dem Versteck; aber der andere war nirgends zu sehen. Nun merkte Jechiel, dass jener ihn von Anfang an nicht gesucht hatte. Darüber musste er weinen, kam weinend in die Stube seines Großvaters gelaufen und beklagte sich über den bösen Spielgenossen.

Da flossen Rabbi Baruch die Augen über, und er sagte: "So spricht Gott auch: Ich verberge mich, aber keiner will mich suchen."

"Gott Nahe zu sein ist gut für mich!"

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes neues Jahr

Pfarrerin Susanne Peters-Streu