ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.3.2019

Monatsspruch im Dezember

von E-Mail

Wie fing das eigentlich an? Es gibt viele Situationen, in denen wir gerne wissen möchte, wie eigentlich alles angefangen hat. Bei einem Streit genauso wie bei einer Liebesbeziehung.

Solche Fragen nach den Anfängen beinhalten nicht nur Neugier oder Interesse, manchmal schwingt auch ein Stück Erinnerung mit. Wer kennt das nicht, dass zwei zusammen kommen und sich gegenseitig fragen: Weißt du noch? Weißt du noch, wie alles damals angefangen hat? Und dann, im Gespräch, kommen Stück für Stück längst vergessene Puzzleteile aus der Vergangenheit empor, fügen sich zu einem Gesamtbild zusammen, machen einem die Entstehung deutlich. Und das hat dann schließlich mit einem selbst zu tun, mit dem, was aus einem geworden ist, welchen Lebensweg man gegangen ist, so und nicht anders.

Die Frage nach den Anfängen erschöpft sich aber nicht in dem, was unser Leben geprägt hat, welche Erlebnisse, Begebenheiten und Begegnungen Weichen für mein Leben gestellt haben. Sie ist eingebettet in die Frage danach, woher ich komme und wohin ich gehe. Es ist die Frage nach dem Grund meines Lebens und nach dem, wozu ich gedacht bin und worauf ich zugehe. Es ist die Frage nach dem Wurzelgrund meiner selbst und der Verheißung meines Lebens.

Im Anfang war das Wort – so erzählt es uns der Beginn des Johannesevangeliums. Im Anfang, zu Beginn allen Lebens, also auch meines Lebens war das Wort. Nicht ein Prozess, nicht ein biologischer Vorgang, keine Zusammenballung von Atomen und Molekülen, auch kein kräftiger Knall soll am Anfang allen Lebens stehen, sondern ein Wort. Diese Aussage ist ungewöhnlich, ist fremd in einer Zeit, die so sehr auf das Materielle setzt und auf das, was getan und geleistet wird. Und sie ist unverständlich in einer Zeit, in der das Wort in der inflationären Flut der Worte unterzugehen und seinen Wert zu verlieren droht.

Aber es ist das Wort schlechthin, das Wort, das am Anfang stand und das seither die Welt verändert. Und dieses Wort ist nichts anderes als Gott selbst: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. …

Und dieses Wort bleibt nicht für sich, sondern indem es sich ausspricht, wird es zur erfahrbaren, alles verändernden Wirklichkeit: In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis.

Licht – Liebe – Leben, diese drei Worte bestimmen diesen Hymnus zu Beginn des Johannes-Evangeliums und geben weiter, was unser Anfang, unser Urgrund, aber auch was unsere Hoffnung und Verheißung ist:

Wir sind kein biologischer Zufall, nicht bedeutungslos und beliebig, sondern wir haben unseren Grund in dem liebenden und schöpferischen Wort Gottes. Es ist kein abstraktes Prinzip, das uns einfach nur ins Leben entlässt, sondern es kommt zu uns und wird Wegbegleiter zu erfülltem Leben. In der Person Jesu nimmt es Gestalt an und zeigt damit die Nähe, auf die Gott sich zu uns Menschen einlässt. Das ist die Weihnachtsbotschaft des Johannesevangeliums. Und er erzählt sie uns, weil wir – wie schon die Menschen damals – wissen wollen, wie die Dinge angefangen haben. Nicht nur, wie eine Beziehung, eine Freundschaft, eine Liebe unter uns Menschen begonnen hat, interessiert uns, sondern ebenso und noch viel mehr, wie diese Liebesgeschichte Gottes mit uns begonnen hat.

Das alles wirkt vielleicht fremd und abstrakt, weil uns ist die Weihnachtsbotschaft anders bekannt ist. Vertraut ist uns, dass diese Botschaft mit Krippe und Stall, mit Hirten und Engeln und überfüllten Herbergen beschrieben wird. Im Stall ist dicke Luft. Könige, die dem Licht eines Sterns folgen treten auf.

Johannes versucht den Anfang anders zu beschreiben. Ihm geht es um Grundlegendes und vermutlich hat er die Weihnachtsgeschichten von Lukas und Matthäus auch gar nicht gekannt. Und doch geht es ihm in gleicher Weise darum, jene unglaubliche Geschichte zu bezeugen, dass Gott aus Liebe zu uns Mensch geworden ist.

Und menschliche Worte sind es, die versuchen, dieses Geheimnis zu erspüren, nicht zu lüften. Der Evangelist Johannes geht dabei sehr sorgsam um mit der Blöße, die sich Gott gibt in diesem Kind, in diesem verletzlichen Licht, in diesem bescheidenen Leben.

Dieses Kind zeigt uns, was es ganz konkret bedeutet, wenn das Wort Gottes die Gegenwart gestaltet und verändert: Es hat versöhnende und heilende, Frieden und Gerechtigkeit schaffende Wirkung. Wo immer Menschen in seine Nachfolge treten und von diesem Wort ihr Leben bestimmen lassen, da beginnt sich die Gegenwart zu verändern.

Lother Zenetti, katholischer Theologe und Schriftsteller, hat dies in ein Gedicht gefasst, das ich Ihnen mitgeben möchte in diese Advents- und Weihnachtszeit:

Du sprichst zu uns dein Wort,
ganz arm wird es geboren.
Es geht von Ort zu Ort,
liegt keinem in den Ohren.
Ein Wort ist ausgesandt,
was wird es wohl erreichen?
Mit einer sanften Hand,
so wirkt es seine Zeichen.

Da kann es dann geschehen,
dass Menschen sich erheben,
dass Müde wieder gehen,
dass Totgesagte leben.
Ein Wort ist ausgesandt
mit wundersamen Zeichen,
geht wehrlos durch das Land,
ein Friede ohnegleichen.

Wer glaubt, wird es verstehen
und mancher wird drauf schwören.
Wer Augen hat, kann sehen,
wer Ohren hat, kann hören.

Eine gesegnete Advent- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen Ihr

Pfarrer Michael Busch