ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Holzkirche Gemeindezentrum Celsiusstraße Gemeindehaus Ostpreußendamm
Petruskirche Gemeindehaus Parallelstraße Dorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Dezember 2013

17.1.2019

Israel: Die Friedensforscher
Brot für die Welt – Projektbeispiel

In Israel leben Juden und Palästinenser mehr gegen- als miteinander. Mit Unterstützung von "Brot für die Welt" will die Jugendorganisation Sadaka Reut dies ändern: Sie macht ihren Namen "Freundschaft" zum Programm. Und sorgt für Annäherung.

Das Wunder von Bat Yam ereignet sich jeden Mittwoch um Punkt zehn: Yotam Israeli verwandelt Achtklässler in Friedensforscher. "Schalom Leute", sagt er zu den neun jüdischen Schülern, die zur freiwilligen Projektstunde in der Ramot-Schule gekommen sind. "Stellt euch doch erst einmal auf euren Stuhl." Yotam, 19, arbeitet als Freiwilliger für die jüdisch-palästinensische Jugendorganisation Sadaka Reut. "Sadaka" und "Reut" – das sind die Worte in Arabisch und Hebräisch für "Freundschaft". Die Gruppe bringt Teenager der beiden größten Konfliktgruppen in Israel an einen Tisch, übt Annäherung, wo Unwissenheit und Sprachlosigkeit herrschen.

"Steigt von Stuhl zu Stuhl", fordert Yotam die Jugendlichen auf. "Und haltet euch gegenseitig fest." Die Schüler klettern herum, bald füllt Gekicher den Raum. Yotam nimmt jede Minute einen Stuhl weg; am Ende halten sich vier Schüler prustend auf einem Stuhl. "So", klatscht Yotam in die Hände, "und nun erzählt, was euch zum Begriff 'Schule' einfällt." Aus den Schülern sprudelt es heraus: Yotam schreibt Worte wie "Regeln", "Lesen" und "Noten" auf ein weißes Plakat. Und dann: "Zäune". Sofort entbrennt ein Streit darüber, ob "Zäune" zu einer Schule dazugehören oder nicht. "Ich will doch lernen", sagt David. "Warum soll man mich dafür einsperren?" Die Zäune und die Gitterstäbe vor den Fenstern gäben doch Sicherheit, entgegnet Tamara, 14. "Wir müssen uns halt schützen, vor den Arabern."

"Sadaka" und "Reut" – das sind die Worte in Arabisch und Hebräisch für "Freundschaft"

In Bat Yam, einer Kleinstadt südlich von Tel Aviv, sind viele Juden russischer und äthiopischer Herkunft zu Hause. Sie haben kaum Kontakt zu den Palästinensern, die nur einen Steinwurf entfernt in Jaffa leben und wie sie israelische Staatsbürger sind. Diese wiederum kennen meist nur Juden, die in einer Uniform stecken. So kommt es, dass die Vorurteile und das Misstrauen groß sind – wie überall in Israel. Sadaka Reut will dies ändern. Die seit 2009 von "Brot für die Welt" unterstützte Organisation leistet pionierhafte Basisarbeit: Zunächst gehen die Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen in die Schulen und regen Jugendliche an, ihre eigene Lage kritisch zu beurteilen. "Alle wissen, dass etwas nicht stimmt. Aber weder in der Schule noch anderswo reden die Menschen tatsächlich über den Konflikt zwischen Juden und Palästinensern", erzählt Projektleiterin Hanna Amouri.

Interessierte Schülerinnen und Schüler werden in die Jugendgruppen eingeladen. In derzeit vier jüdischen und sechs palästinensischen Gruppen, quer über das Land verteilt, erfahren sie mehr über Rassismus, über die Ängste der einen und die Nöte der anderen. Nach einigen Monaten bringt Sadaka Reut die Gruppen dann zusammen. Die Kids lernen sich kennen, die "Anderen" erhalten ein Gesicht.

Jan Rübel

Sie können Ihre Spende in allen Weihnachtsgottesdiensten in die Kollekte geben oder direkt überweisen auf das Spendenkonto

Brot für die Welt, 500 500 500
Postbank Köln – BLZ: 370 100 50