Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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15.9.2019

"Bildungsurlaub" in Sachsen-Anhalt am 18. September
Ein Rückblick

von Brigitte Kath

Sie wundern sich über den Titel des Artikels?

Ja, was war denn dann der Ausflug nach Dessau und Zerbst mit Gisela Meyer sonst?

Oder wussten Sie, dass Hugo Junkers der Erfinder des Kalorimeters war, mit dem man die Wärmezufuhr mithilfe von Koch- und Druckreglern des Lamellenbadeofens regulieren konnte – und das bereits 1902-1906? Die Badeöfen gingen in Serie. Andere Durchlauferhitzer waren so klein, dass sie unseren heutigen Geräten noch entsprechen – allerdings mit integrierter Dusche!

Mir war nicht bekannt, dass Junkers neben seinen vielfältigen Erfindungen bereits 1910 das erste Patent für ein Flugzeug bekam. Durch das Flugzeugbauverbot nach 1918 stellte Junkers die Fabrikation um auf Metallschränke, Aluminiumkoffer, Essbestecke und Haushaltsgeräte. Die Gasherde wurden patentiert. So ist der Name noch heute bekannt – auch wenn die Produktionsabteilung für Gasherde bereits 1932 an Bosch verkauft werden musste. Durch die Freundschaft mit Walter Gropius wurde 1926 ein Metallhaus – auch mit entsprechenden Möbeln – entwickelt, von denen eins im Dessauer Technikmuseum "Hugo Junkers" steht.

Technikmuseum Hugo Junkers

Na, und die "alte Tante" Ju 52 stammt natürlich auch aus Dessau. 1933 wurde Junkers von den Nationalsozialisten zur Übergabe seiner Patentrechte gezwungen und aus Dessau ausgewiesen, weil er sich den Rüstungsplänen der Nazis verweigerte... Hermann Göring hatte da wohl mehr als ein Händchen drin...

Schon allein in der Halle des Museums – die ursprünglichen Werke waren kilometerweit bis 1945 rundherum erbaut und wurden unter sowjetischer Besatzung gesprengt – werden neben dem Flugzeug, natürlich eine Ju 52 mit Ausrüstungsgegenständen für die Besatzung, dem Metallhaus, eine Sammlung von Gasgeräten, Flugzeugmotoren, gasgetriebenen Fahrzeugen, ein Flugzeugsimulator und eine Rundfunkgerätesammlung gezeigt.

Nun flugs weiter zum Bauhaus in Dessau. Wussten Sie, dass die Nazis die Gesinnung der Bauhäusler und ihre Gestaltungsvorschläge und Umsetzungen als entartet einstuften? So bauten sie gegenüber dem Bauhaus ihre Heimathäuser mit Satteldach, kleinen Fenstern und verzierten Eingängen. Nun, Beides ist erhalten; zwar nicht unter Ulbricht wiederhergestellt – der hielt vom Bauhaus auch nichts – sondern erst später und vor allem nach der Wende. Die Führung durch einen Architekten – auch durch das Meisterzimmer von Gropius, die Kantine, die gleichzeitig hinter der Bühne des Vorführraums als Kulissenfundus genutzt wurde, über Treppen im Original, mit Fensteröffnungskonstruktionen aus Bauhauszeiten – war fulminant.

Den Grundstein zur Walter-Gropius-Schule – der ersten Gesamtschule von der Vorschule bis zum Abitur mit Ganztagsbetrieb – legte Gropius als seinen letzten Bau noch selbst mit. Und die Berliner Gropiusstadt ist letztes Jahr 50 Jahre alt geworden, ihre Verdichtung im Gegensatz zu den ursprünglichen Plänen lehnte er allerdings ab.

Katharina die Große

Weiter gings nach Zerbst, wo wir in der Heimat von Katharina der Großen die St.-Bartholomäi-Kirche, um 1300 erbaut, besuchten. Hier warteten der Pfarrer und ein Fördervereinsmitglied auf uns und klärten uns über mehrmalige Zerstörung und Wiederaufbau der Kirche und ihre Schätze auf. Wussten Sie, dass hier die europaweit bekannten meistverzierten Metallsärge der Anhaltiner Fürsten stehen?

Natürlich sangen wir ein Lied zum Abschied.

Zurück nach Hause über den Fläming. Wussten Sie (Tipp 1!), dass Zerbst nur 15 km von Wiesenburg entfernt ist? Ein zarter Hinweis: Wiesenburg hat nicht nur ein Schloss mit fantastischem Park, sondern auch einen rührigen Organisten, der seiner Orgel Jazz entlockt und eine Genossenschaft, die den Bahnhof mithilfe der 96-Stundenaktion des RBB restauriert hat... Meine gesponserten Gardinen aus Paradekopfkissen und alten Spitzen hängen dort auch... Gut mit Bahn und Bus erreichbar!

Ein Blick nur noch nach Bad Belzig – hinfahren (Tipp 2!)! Mit Kirche, die viele Orgeln aus aufgelassenen Dorfkirchen hat und immer wieder Ausstellungen von Künstlern aus der Umgebung.

Wussten Sie, dass Gisela Meyer vorzüglich für das leibliche Wohl durch entsprechende Probeessen, Verhandlungen und Vorbestellungen sorgt? Aber davon schreibe ich lieber nichts, denn sonst melden sich noch mehr Teilnehmer-Innen für den nächsten Ausflug an, für den man auch mal einen Urlaubstag einsetzen sollte. Und ich und die anderen 49 Teilnehmerinnen sind dann Neese!

Brigitte Kath

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