Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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8.12.2019

Die Orgel im Gemeindehaus am Ostpreußendamm mit neuem Klang

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In unserem Gemeindehaus am Ostpreußendamm steht im Saal eine recht große Orgel: im Jahre 1967 wurde sie von der Orgelbaufirma Walcker erbaut, übrigens im selben Jahr wie die Walcker-Orgel der Petruskirche. Die Orgel im Saal besitzt 15 Register (= 15 verschiedene Pfeifensorten). Zum Vergleich: die Orgel der Dorfkirche besitzt 4, die der Petruskirche 35 Register – oder: die Orgel im Saal ist halb so groß wie die der Petruskirche, aber viermal so groß wie die der Dorfkirche.

Unser Gemeindesaal bietet ja Platz für deutlich mehr Besucher als die Dorfkirche: so wurde der Saal in den sechziger und siebziger Jahren für größere Gottesdienste genutzt, beispielsweise fanden die Konfirmationen hier, und nicht in der Dorfkirche gegenüber statt. Dies war sicherlich der Grund, in diesem Saal eine so große Orgel zu errichten. In unserer fusionierten Gemeinde sind Gottesdienste im Saal nicht mehr so häufig, aber wir hören die Orgel zum Reisesegen-Gottesdienst, zu Familien-Gottesdiensten im Saal, bei Adventsfeiern und beim Seniorengeburtstag.


Die ersten Pfeifen sind wieder in die gereinigte Orgel eingebaut.


Die Orgel ist zerlegt, alle Pfeifen ausgebaut. Orgelbaumeister Michael Fischaleck reinigt die Mechanik.


Manche Teile der Mechanik sind leider nur schwer zu erreichen: Orgelbaumeister Uwe Knaak arbeitet an der Mechanik der Orgel.

Nach über 45 Jahren war es nun dringend erforderlich, die Orgel einmal gründlich zu reinigen und einige kleinere Störungen an der Mechanik zu beheben. Diese Arbeiten fanden im vergangenen Sommer statt: Uwe Knaak, Michael Fischaleck und Christoph Wilcken – die Orgelbauer, die im Jahre 2000 schon die Arbeiten an der Orgel in der Petruskirche ausgeführt hatten – haben einige Wochen lang intensiv im Gemeindesaal gearbeitet. Dabei verwandelte sich der Saal in eine kleine Orgelbau-Werkstatt: sämtliche ca. 800 Pfeifen der Orgel wurden ausgebaut. Jede Pfeife wurde gründlich gereinigt. Danach standen die großen Pfeifen an den Wänden aufgereiht, Holzpfeifen übereinander gestapelt, die kleineren Metallpfeifen wurden in Kisten verpackt. Dazwischen war an Tischen Platz mit zahlreichen Orgelbau-Werkzeugen: hier wurden an Pfeifen Lötnähte repariert, das Innere der Pfeifen wieder genau ausgerichtet, damit sie richtig klingen können und defekte Stimmrollen wieder gerichtet.

Nur jetzt, wenn keine Pfeife mehr im Orgelwerk steht, kann sich der Orgelbauer ein Bild vom Zustand der Mechanik machen, die unter den Pfeifen liegt: hier gab es allerdings auch einiges zu tun: alte Dichtungen waren spröde geworden und wurden ersetzt. Die Spieltraktur bekam neue, präzisere Regulierungsmöglichkeiten. Der Tremulant funktioniert jetzt viel schöner (mit ihm kann Klang lebendig wirken, indem der Luftdruck ständig ein wenig verändert wird, so wird eine Art "Vibrato" erzeugt).

Jetzt folgte der interessanteste Teil der Arbeiten: die gereinigten und reparierten Pfeifen wurden wieder in die Orgel eingesetzt. Die Orgelbauer hören sich die klanglichen Eigenheiten der einzelnen Register genau an, welche Möglichkeiten die jeweilige Pfeifensorte bieten. Nun werden die Pfeifen einzeln im Klang aneinander angepasst: von den alten Barockorgeln haben wir gelernt, dass ein lebendiger Orgelklang gerade dadurch entsteht, dass man bei diesen Arbeiten den einzelnen Pfeifen ein Stück ihrer "Individualität" lässt: eine Ton darf ein wenig anders klingen als der Nachbarton – in etwa so wie bei einem Chor, der aus ganz verschiedenen Menschen besteht: auch, wenn alle den gleichen Ton singen, so singt doch jeder mit einer etwas anderen Farbe, und in der Summe entsteht ein wunderbarer Klang.

Hier nun gab es eine große Überraschung: mit sehr viel Engagement haben die Orgelbauer an der Intonation der Orgel gearbeitet und eine fast neue Orgel erschaffen: die Orgel ist nun klanglich viel besser an den Raum angepasst: ihr voller Gesamtklang ist angenehm mit einem guten Fundament und gar nicht mehr schrill. Es gibt lebendige, interessante Klangfarben. Klänge, die früher eher massiv und bedrängend wirkten, sind angenehm und weich geworden.

Diesen neuen Klang verdanken wir den Orgelbauern Uwe Knaak und Michael Fischaleck, die mit viel Ausdauer an der Orgel gearbeitet haben und über wirklich große Fähigkeiten bei der Intonation verfügen. Das Ganze wäre aber wohl ohne den Kirchenmusiker Christoph Wilcken nicht möglich gewesen: er lieferte ganz wichtige Anregungen aus der Sicht des Orgelspielers. Aus seiner Erfahrung im Umgang mit Orgeln hat er die Fantasie, sich vorzustellen, was für Möglichkeiten das fertige Instrument bieten wird, wenn man einzelne Pfeifen in bestimmter Weise bearbeitet. Gleichzeitig kann er sich vorstellen, was für Möglichkeiten ein Orgelspieler an der Orgel gerne nutzen wird. Mit einem sehr feinen Ohr begleitet er die Intonationsarbeiten an jeder Pfeife. Eine so intensive Zusammenarbeit zwischen Spieler und Instrumentenbauer kann man jedem Orgelbaumeister nur ganz dringend wünschen!

Gerne möchte ich Ihnen die neuen Klänge der Orgel demonstrieren. Leider findet sich dazu in den kommenden Wochen keine Möglichkeit. Ich plane aber für das kommende Jahr einige Veranstaltungen mit dieser neu intonierten Orgel – lassen Sie sich überraschen!

Eine Bitte habe ich: mein Wissen um die Geschichte der Orgeln unserer Gemeinde ist lückenhaft: vielleicht gibt es ja einige unter Ihnen, die mir noch etwas erzählen können zu der Frage, warum wo was für eine Orgel wann gebaut wurde, oder auch, was für Musik vor 40 oder mehr Jahren auf unseren Orgeln gemacht wurde. Ebenso würde ich mich für alte Fotos vom Gemeindesaal vor dem Umbau und von der Dorfkirche vor 1945 interessieren. Sie erreichen mich unter Tel. 681 71 40 oder E-Mail .

Damit besitzen wir nun wirklich schöne Orgeln im Gemeindesaal am Ostpreußendamm und in der Petruskirche. Das ist sehr erfreulich. In unserer fast 800 Jahre alten Dorfkirche mit ihrer hervorragenden Akustik steht allerdings immer noch eine winzig kleine provisorische Orgel. Ob unsere jetzt so feine Orgel im Gemeindesaal für uns ein Anlass sein kann, darüber nachzudenken, ob wir es nicht irgendwie schaffen können, die Dorfkirche mit einer würdigen Orgel auszustatten?

Michael Zagorni

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