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27.3.2019

Zum Tod von Fritz Rau

von Biber Herrmann

Liebe Freunde,
Fritz Rau verstarb am Morgen des 19. August friedlich in seinem Appartement in Kronberg im Taunus. Für mich ist damit ein liebgewonnener Freund und Verbündeter gegangen.

Die Medien laufen derzeit heiß mit Berichten über seine großartigen Verdienste.

Fritz hätte das gefallen, denn er liebte den Applaus. Dennoch sagte er oft: "So großartig das alles war, für mich ist es Schnee von gestern." Fritz war kein Typ, der in Nostalgie schwelgte.

Er wünschte sich zeitlebens, dass die große Presse mehr von dem berichtet, was aktuell für ihn wichtig war in seinem Leben.

Am 1. Oktober 2011 war Fritz Rau zusammen mit Biber Hermann in der Petruskirche zu einem Vortrag mit Live-Musik.

Wir hatten einen wunderschönen, eindrucksvollen Abend. Fritz Rau erzählte und las aus seinem Buch "50 Jahre Backstage" mit seinem erfrischenden Humor.

Übrigens lebte Fritz Rau während seiner Kindheit einige Jahre in der Glauberstraße in Lichterfelde bei Pflegeeltern und erinnerte sich noch gerne an das Spielen im Lilienthalpark.

Gisela Kürschner

Fritz liebte seine Vortrags-Reisen, welche er seit der Veröffentlichung seiner Autobiografie "50 Jahre Backstage" unternahm. Und er war stolz auf die Aufnahme von Lippmann & Rau in die Blues Hall Of Fame 2012. Seine Lebenspartnerin Friederike Weisse fügte seinem Buch 2013 das Kapitel "Neue Wege" hinzu, das diesen Abschnitt seines Lebens beschreibt.

Den Namen "Rau" prägte ich mir im Alter von 12 Jahren ein, als ich eine Konzertkarte der Band Humble Pie in der Hand hielt. "Lippman und Rau" wurden wie ein Garant für mich, der die musikalischen Träume meiner und anderer Generationen erlebbar machte. Fritz Rau sah man in der Presse, zusammen mit Mick Jagger, Jethro Tull, Frank Zappa, Bob Dylan, und und und ...

Deshalb traute ich meinen Ohren nicht, als im Sommer 2009 mein Telefon klingelte und am anderen Ende der Leitung eine Stimme sagte: "Hallo, hier spricht der Fritz Rau, der die Rolling Stones nach Deutschland geholt hat."

Und doch, es war Fritz Rau in höchstpersönlicher Mission, auf der Suche nach einem Blues-Gitarristen für seine Vorträge. Jürgen Schwab, ein hervorragender Gitarrist, der ihn bei seinen Vorträgen in Sachen Jazz musikalisch begleitete, hatte ihm den Tipp gegeben.

Dies war der Startschuss einer intensiven Zusammenarbeit, bei der wir kreuz und quer durchs Land tourten. Wir befeuerten uns gegenseitig, wuchsen zusammen, und bald schnurrten wir wie der Motor einer gut geölten Maschine. Die Essenz dessen konnten wir auf unserem Live-Doppel-Album "Ein Plädoyer für den Blues"" festhalten. Immer mit dabei war Friederike Weisse, die später auf der Bühne ein Portrait vortrug, welches von Joan Baez für Fritz geschrieben worden war.

Als Künstler unter den Fittichen von Fritz Rau zu sein war ein großartiges Gefühl. Er konnte allerdings auch aufbrausend sein. Dann wiederum besaß Fritz eine Selbstironie, über die Friederike und ich oft lachen mussten. "Wenn ich mal tot bin, müsst ihr alleine auf die Bühne gehen und Heldentaten vom alten Fritz erzählen, und du, Friederike, musst gefälligst weinen, wenn der Biber spielt." Oder beim Buchverkauf: "Denken Sie daran, ich bin alt und werde irgendwann meine große Reise antreten. Dann nehmen Sie das Buch mit meiner heutigen Signatur, gehen zu Ebay und verlangen den dreifachen Preis."

Das letzte Mal sah ich Fritz, als er im Krankenhaus lag. Er wirkte angeschlagen und redete nur wenig. Ich hatte meine Gitarre mitgebracht, und er fragte in seinem badischen Dialekt: "Spielschd was für mich?"

Als ich anfing zu spielen, richtete er sich auf in seinem Bett, funkelte mit den Augen und schnalzte mit den Fingern. Musik war für Fritz ein Heilmittel.

Unsere Abschiede nach einer Vortrags-Reise gestalteten sich im Allgemeinen eher knapp. Wir teilten uns eine Cola-Light, ich schaltete ihm die Sportschau ein, gab ihm einen Klaps auf die Schulter, er winkte mir vom Sessel aus freundlich zu und ich ging.

Als ich mich im Krankenhaus von Fritz verabschiedete, drückte er mir lange die Hand, schaute mich an und nickte ein paar Mal. Als ich danach über den Flur ging, überfiel mich plötzlich ein seltsames Gefühl – ich fühlte mich mutterseelenallein.

Mein lieber Fritz, ich wünsche dir eine gute Reise. Und – danke für alles ...

Biber Herrmann