ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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20.7.2019

Gedanken zum Monatsspruch

von Pfarrerin Susanne Peters-Streu

Ist dies Wort tröstender Zuspruch, oder eher eine ziemlich starke Zumutung? Ist es in Hilflosigkeit gut gemeint, oder tut es gut?

Seid nicht bekümmert! Es gibt doch so viel Kummer in unserer Welt. Er wohnt tief in mancher menschlichen Seele und greift Raum im Leben.

Foto: Marc Chagall: Die Thora (1970)

Welchen Kummer hat Nehemia vor Augen?

Das Buch Nehemia erzählt aus der Zeit des Neuanfangs des Volkes Israel in Jerusalem. Der persische König Kyros hatte ein Edikt erlassen, das dem Volk Israel die Rückkehr aus Babylon erlaubte. Der Tempel darf wieder aufgebaut werden und die Stadtmauer auch. 50.000 Menschen sind aus Babylon zurückgekehrt, so wird es aufgezählt im Buch Esra und im Buch Nehemia. Die Zurückgekehrten sind noch verunsichert. Was bedeutet es für ihr Vertrauen in Gott, dass sie so lange im fremden Land gelebt haben? Ist Gott verlässlich? Woran sollten sie sich orientieren? Was gibt Schutz und Geborgenheit?

Die Stadtmauer war noch nicht fertig. Der Schutt musste weggeräumt werden und Steine geschleppt werden. Es gab noch viele Lücken in der Mauer, sie war lang. Und der Tempel? Auch dort nur noch Reste, wie sie selber ein Rest waren.

In dieser Situation versammelt sich alles Volk wie ein Mann auf dem Platz vor dem Wassertor und der Schriftgelehrte Esra wurde gebeten, das Gesetz des Mose zu holen. Er las daraus vor vom lichten Morgen bis zum Mittag und die Thora wurde erklärt und ausgelegt und alle verstanden. Und Esra lobt den Herrn, den großen Gott und alles Volk antwortete: Amen.

Und Nehemia, der Statthalter, und Esra, der Priester und Schriftgelehrte sprachen zu allem Volk: Dieser Tag ist heilig dem HERRN, eurem Gott; darum seid nicht traurig und weint nicht! Denn alles Volk weinte, als es die Worte des Gesetzes hörte.

Was haben sie denn gehört?

Die Gebote des Mose: Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein. Darum sollst du den Ewigen, deinen Gott lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Die Worte sollen auf deinem Herzen geschrieben sein. Du sollst sie deinen Kindern erzählen: Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat. Der dich befreit hat! Der für dich sorgt. Heilige den Sabbat, lass dich unterbrechen, sechs Tage arbeite und ruhe am siebten. Sie hörten von Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, von Nächstenliebe und Feindesliebe, von der besonderen Verantwortung für Witwen, Waisen und Fremde, vom Schuldenerlass, von der Treue und der Fürsorge, von Achtung und Wahrheit, vom Verzeihen und von der Heiligkeit des Lebens.

Und die Menschen weinten. Sie spüren, wie fern sie dem Leben sind, wie entfremdet ihrer eigenen Sehnsucht nach Lebendigkeit und wie weit weg von Gottes Sehnsucht auf uns Menschen, der uns Schutz und Schirm, Festung und Burg sein will.

Seid nicht bekümmert, sagt Nehemia. Schon sein Name bedeutet: Gott Tröster.

Doch bevor er dies Wort sagt, gibt es noch eine entscheidende Aufforderung: Geht hin und esst fette Speisen und trinkt süßen Getränke und sendet davon auch denen, die für sich nichts bereitet haben; denn dieser Tag ist heilig unserem Herrn. "Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen" sagt ein Sprichwort und ein Bibelwort: "Ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes" Prediger 3,13.

Esst und trinkt, seid gastfrei und teilt, feiert! Ein Festessen, da ist die Nähe Gottes.

Die Menschen sind bewegt, sie haben sich anrühren lassen von der großen Sehnsucht. Essen stärkt, Essen ist Leben, ist Fundament und Grundlage für alles andere. Dazu kommt die Gemeinschaft, das Miteinander Sein und das Teilen, das lässt Menschen Kraft zufließen, ist der Beginn von Heilung. (Sicher heute müssen wir auch darauf achten, was wir essen, damit es so auch stimmt und Essen uns nicht krank macht.)

So gesättigt, bekommen die Menschen gesagt: Seid nicht bekümmert, die Freude am Herrn ist eure Stärke. Die Freude von der hier die Rede ist, meint eine Freude, die das Innerste erreicht, sich dort ausbreitet wie eine wärmende Glut, sie ist Geschenk und ist mir manchmal voraus.

Wir können sie nicht selber machen, aber sie ist auch nicht ohne unser Zutun. Deshalb diese Aufforderung. Natürlich kann keiner den Kummer auf Bestellung ablegen oder sich auf Bestellung freuen, aber wenn ich die Freude gar nicht für möglich halte und wenn das Vertrauen, dass der Kummer ein Ende haben kann, ganz versiegt ist, wenn ich Heilung nicht für möglich halte, dann ist es schwer, dass mich Gottes Nähe erreicht.

Beim Propheten Ezechiel ( 2, 1 -2) heißt es: Du Menschenkind, tritt auf deine Füße, so will ich mit dir reden. Und als er so mit mir redete, kam Leben in mich und stellte mich auf meine Füße, und ich hörte dem zu, der mit mir sprach.

Ezechiel lässt sich erstmal auf das Gespräch mit Gott ein. Die Kraft sich gleich auf die Füße zu stellen hat er nicht, aber als er so mit Gott spricht, kommt Leben in ihn und stellt ihn auf die Füße.

Ist er nun selbst aufgestanden, oder hat Gott in auf die Füße gestellt?

Ich bin dankbar, dass ich nach längerer Krankheit, Kraftlosigkeit und Erschöpfung wieder auf den Füßen stehe. Ich weiß, ich habe mich auf den Weg gemacht, mir Hilfe gesucht, mich dem gestellt, was ich da als meine Aufgabe und Verantwortung erkennen könnte, aber ich weiß auch, dass ich auf diesem Weg nicht allein war, Gott war da und hat mich begleitet und hat mir Menschen an die Seite gestellt, die mich begleitet haben und mit mir gewandert sind. Ich danke allen, die da waren mit Grüßen und Briefen, mit Gebet und Gedanken.

Die Freude am Herrn ist eure Stärke. In der Zeit der Krankheit und der vielen Fragen sind in mir immer wieder Liedtexte und Melodien aufgetaucht, die mich gestützt haben, auch Bilder von Menschen, die sich von diesen Texten haben trösten und stärken lassen. "Auf meinen lieben Gott trau ich in Angst und Not. Er kann mich allzeit retten, mein Unglück kann er wenden steht alles in seinen Händen", "Lobe den Herrn meine Seele und seinen heiligen Namen..", "Bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Licht sehe ich das Licht", "Nähme ich Flügel der Morgenröte und flöge ans äußerste Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten", "Vertraut den neuen Wegen auf die der Herr uns weist"……

Seid nicht bekümmert, schaut nicht nur wie gebannt auf die Brüchigkeit des Lebens, erinnert euch, lasst euch erinnern, was Gott Gutes geschenkt hat, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, Gottes Treue ist groß.

Herzlich

Pfarrerin Susanne Peters-Streu