ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Holzkirche Gemeindezentrum Celsiusstraße Gemeindehaus Ostpreußendamm
Petruskirche Gemeindehaus Parallelstraße Dorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > April 2013

25.9.2016

Vorstadt oder Landschaftspark Lichterfelde Süd?
Das Gelände "Parks Range"

Man muss schon so um die 30 Jahre alt sein, um sich an die schwer bewaffneten amerikanischen Soldatinnen und Soldaten auf Panzern und anderen Armeefahrzeugen in unserem Kiez erinnern zu können. Bis 1990 sind sie fast täglich von den McNair-Kasernen am Platz des 4. Juli und den gegenüber liegenden Garagen und Panzerstellplätzen an der Goerzallee über die Wismarer Straße, den Ostpreußendamm und über die Osdorfer Straße zu ihrem Truppenübungsplatz gefahren oder auch in voller Kampfausrüstung zu Fuß gelaufen. Dort übte die "Berlin Brigade" auf der "Parks Range" – benannt nach dem ersten amerikanischen Stadtkommandanten Generalmajor Floyd L. Parks – den Städtekampf. Die Amerikaner demonstrierten dort direkt an der Grenze zur DDR ihre Entschlossenheit als Schutzmacht Westberlins.

Seit über zwanzig Jahren ist die Parks Range nun von Häusern, den angelegten Straßen, von den Hoch- und U-Bahn-Anlagen, kurzum von der – von den Militärs verlassenen – "Geisterstadt" geräumt, aber immer noch unzugänglich. Die Natur hat sich dieses Gelände zurückgeholt und es ist eine in Deutschland einmalige Großstadtwildnis entstanden. Frau Anne Loba hat dort mit den Pferden ihres "Holderhofs" durch naturbetontes Management eine offene Weidelandschaft entstehen lassen, deren Schönheit, deren natürliche Pflanzenvielfalt, artenreiche Vogel-, Amphibien und Kleintierwelt noch jeden Besucher begeistert hat. Bald wäre es wieder so weit, die Pferde in ihrer natürlichen Lebenswelt zu beobachten, sich am Grünen und Blühen zu erfreuen oder in der beschaulichen Landschaft einfach nur vom Großstadtstress zu entspannen – aber leider haben wir dies noch nicht erreicht.

Wir, das sind über 200 Bürgerinnen und Bürger im Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Süd und wir werden immer mehr. Wir haben uns seit 2010 erfolgreich dagegen gewehrt, dass dort ein Golfplatz und eine massive Bebauung geplant werden. Jetzt ist unsere Forderung nach einem Landschaftspark mit der Weidelandschaft als Zentrum eindrucksvoll bestätigt worden: Das vom Bezirk beauftragte Gutachten zum Naturschutz in Lichterfelde Süd sieht ein Landschaftsschutzgebiet vor. Die entstandene Großstadtwildnis soll weiter bestehen und für die Bürgerinnen und Bürger geöffnet werden.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, den wir mit möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam gehen wollen. Wer sich daran beteiligen will, ist bei uns herzlich willkommen – ein Telefonanruf beim Unterzeichner oder besser noch eine E-Mail genügen, um in Zukunft über gemeinsame Aktivitäten unterrichtet zu werden und dabei sein zu können. Das Aktionsbündnis hat sich bisher erfolgreich für den Erhalt der Großstadtwildnis der Parks Range eingesetzt. Beide, das Aktionsbündnis und Anne Loba mit dem Holderhof haben für ihre Aktivitäten gemeinsam den Umweltpreis 2012 des Berliner Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erhalten. Diese Auszeichnung bestärkt die Menschen im Aktionsbündnis – und das sind ja nicht wenige – sich auch ganz aktuell für die Zukunft von Lichterfelde Süd zu engagieren.

(v.links) Hannelore Büren-Rieder, Gerhard Niebergall und Prof. Helmut Schmidt bei der Verleihung des Umweltpreises 2012 des BUND

Denn Anlass dazu gibt es genug: Der jetzige Eigentümer hat 960.000 qm des gesamten Geländes, darunter den größten Teil der Parks Range, nach Berechnungen des Aktionsbündnisses für etwa 10 (in Worten: zehn) Euro pro Quadratmeter gekauft. Er ist Eigentümer von großen Naturflächen, von Waldgebieten und Flächen von 21 Gewerbebetrieben, die über 200 Menschen vorwiegend aus den benachbarten Wohngebieten beschäftigen, darunter auch viele Auszubildende. Der Eigentümer – die Groth-Gruppe – plant dort die Vorstadt Lichterfelde Süd mit etwa 3.500 Wohneinheiten für 5.000 bis 6.000 Bewohner.

Dazu wäre es nötig, dass der Bezirk Steglitz-Zehlendorf dort Baurecht beschließt und damit den Wert jeden Quadratmeters Boden auf etwa 260 Euro anhebt. Wenn zum Beispiel 180.000 qm des Geländes bebaubar werden, dann steigt der Wert des Grundstücks um 45 Millionen Euro. Auf diese Weise wird der Eigentümer erst in die Lage versetzt, Geld von den Banken zu erhalten und Gebäude, Straßen und notwendige Infrastruktur zu errichten. Es ist natürlich das gute Recht und auch die demokratische Pflicht der politisch Verantwortlichen im Bezirksamt und vor allem unserer demokratisch gewählten Vertreter in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) bei so weitreichenden Beschlüssen das Allgemeinwohl, die Planungsziele des Bezirks und des Landes, den gesetzlich vorgesehenen Naturschutz sowie die grundgesetzliche Forderung "Eigentum verpflichtet" zu beachten

Die politisch Verantwortlichen in unserem Bezirk und im Land haben bei der Entscheidung über die Umwandlung von Land in Bauland die Aufgabe, die Planungsziele des Eigentümers mit dem politisch Gewollten und Verantwortbaren in Einklang zu bringen.

Die nächste Aufgabe von Bezirk und Land ist nun, das vom Gutachten vorgesehene Landschaftsschutzgebiet Lichterfelde Süd in planungsrechtliche Realität umzusetzen. Daneben wird es nötig sein, die Planungsziele des Eigentümers für die Bebauung mit den Gegebenheiten vor Ort abzustimmen.

Das Aktionsbündnis wird dies aufmerksam und aktiv begleiten. Jeder kann sich daran beteiligen, wir vom Aktionsbündnis informieren Sie gerne über die nächsten Schritte, vor allem die öffentlichen Anhörungen. Wir werden dort unsere Stimme erheben und uns auch auf der politischen Ebene dafür einsetzen, dass

Die Menschen im Aktionsbündnis für einen Landschaftspark Lichterfelde Süd setzen sich jedenfalls dafür ein, dass es nicht eine neue Vorstadt sondern neues Wohnen alter und neuer Anwohner am Landschaftspark Lichterfelde Süd geben wird. Helfen Sie mit!

Kontakt: Helmut Schmidt im Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Süd, Mobiltelefon: 0151 176 08 476, E-Mail: E-Mail