Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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11.12.2019

Gedanken zum Monatsspruch

von Pfarrer E-Mail

Liebe Gemeinde,
was ist zu tun, wenn wir Probleme mit unseren Augen haben? Eine augenärztliche Untersuchung deckt Sehschwächen und Augenerkrankungen auf.

Unser Sehvermögen lässt sich genau messen, moderne Diagnostik liefert ein genaues Bild vom Zustand unserer Augen. Sie verändern sich im Lauf unseres Lebens, unsere Sehkraft nimmt mit zunehmendem Alter ab, Augenkrankheiten nehmen zu. Manche sind seit ihrer Kindheit fehlsichtig. Aber wir sind dem nicht hilflos ausgeliefert. Oft können wir wieder scharf sehen, wenn optische Gläser unseren Augenfehler korrigieren. Manchmal hilft nur ein chirurgischer Eingriff mit Skalpell oder Laserstrahl, um krankhafte Veränderungen des Augapfels oder der Linse zu beseitigen: Eine neue Linse lässt es wieder hell werden vor unseren Augen. Lag vorher trüber Nebel auf unserer Wahrnehmung, so bekommen wir nach erfolgreicher Operation die Konturen wieder klar und scharf zu Gesicht.

Der Evangelist Lukas war Arzt, so ist es überliefert. Vielleicht verstand er sich auf das Erkennen und Heilen von Augenleiden. In seinem Evangelium beschrieb er Heilungsberichte mit der Präzision eines Mediziners. Jesus hat etliche Menschen von ihren Krankheiten geheilt. Es kamen auch Blinde zu ihm, die sich ihr Augenlicht von ihm erhofften. Aber um Fehlsichtigkeit und Blindheit geht es im Monatsspruch nicht. Da geht es um das normale menschliche Sehen.

Das Auge – Leuchte des Leibes

Jesus redete oft in Gleichnissen und Bildern. Die Evangelien überliefern uns seine Worte, die manchmal geheimnisvoll klingen. Unsere menschlichen Augen sind wundersam, unser Sehen ist ein leuchtendes Geheimnis. Denken wir zum Vergleich an einen Fotoapparat! Er funktioniert im Prinzip einfach: Lichtstrahlen fallen durch ein Objektiv, sie belichten auf der Bildebene einen Film oder einen Chip, und darauf wird die Aufnahme gespeichert. Das Ganze ist ein rein physikalischer Vorgang. Was aber unsere menschlichen Augen aufnehmen als Lichtstrahlen, das wird erst in unserem Gehirn zum Bild zusammengefügt. Hauptsächlich wir selbst bestimmen, was wir sehend wahrnehmen und welche Bedeutung das Gesehene für uns hat. Jeder und jede macht sich ein eigenes Bild von der Welt. Wir sind als sehende Menschen Subjekte, unser Sehen ist daher subjektiv. Kinder betrachten die Welt mit anderen Augen als Erwachsene, Männer haben wohl eine etwas andere Wahrnehmung als Frauen. Es hängt viel von unserer Erfahrung ab, wie wir mit dem umgehen, was uns vor die Augen kommt. Wahrnehmungen lösen in uns Reaktionen, Gefühle und Erinnerungen aus. Wir ordnen Bilder unseren Erfahrungen zu, bringen sie in unseren eigenen Kategorien unter. Ein großer Hund springt zum Beispiel schwanzwedelnd auf jemanden zu. "Toll, er will mit mir spielen!" freut sich der Hundefreund. "Schrecklich, auch er könnte mich beißen!" befürchtet der schon Gebissene. Bilder, die von außen durch unsere Augen in uns hineinkommen, lösen etwas in uns aus. Alles sieht mit, unser ganzer Mensch ist am Sehvorgang beteiligt: Herz und Sinne, Körper und Seele, Geist und Gemüt. Es hängt sehr von unserer eigenen Verfassung ab, wie wir Gesehenes für uns selber deuten und bewerten.

Spiegel der Seele

Lichtstrahlen fallen durch unsere Augen in uns hinein. Aber der Weg führt auch umgekehrt: Was in uns ist, das kommt zum Vorschein. Unser Inneres drücken wir aus in unserer äußeren Erscheinung. Unser ganzer Körper gibt Auskunft über unser inneres Befinden, das unsere Haltung, unseren Stand und unsere Schritte bestimmt. Vor allem das menschliche Antlitz gilt als Spiegel der Seele. Was uns im Innersten bewegt, das steht uns ins Gesicht geschrieben. Ein Blick ins Gesicht verrät mehr über einen Menschen, als er selbst mit vielen Worten beschreiben kann. Im menschlichen Gesicht sind die Augen unbestechliche Anzeichen für den inneren Zustand. Freude lässt unsere Augen leuchten, Verliebte strahlen vor Glück – aus ihren Augen. Liebe, Freude und Begeisterung machen unseren Blick hell. Trauer, Schmerz und Enttäuschung trüben ihn mit Tränen. Ärger und Hass machen unsere Augen kalt und hart. Wir können manchmal unsere Mimik beeinflussen, uns ein Lächeln aufsetzen in der Öffentlichkeit, selbst wenn uns eigentlich zum Heulen zumute ist. Aber den Ausdruck unserer Augen können wir kaum beeinflussen. Das wissen auch professionelle Pokerspieler, die ihr Blatt verbergen müssen. Ein undurchdringliches Pokerface lässt sich aufsetzen mit einiger Übung. Die Augen aber muss man hinter einer dunklen Brille verstecken, damit sie einen nicht verraten beim Bluffen.

Licht und Finsternis

Können wir unseren inneren Zustand beeinflussen? Es ist wundervoll, wenn unsere Seele mit Liebe, Glück und Freude angefüllt ist. Dann spüren wir selbst ein warmes Licht in uns. Und unsere Mitmenschen sehen vielleicht, wie dieses Licht aus unseren Augen herausleuchtet.

Aber was tun, wenn es tatsächlich dunkel in uns ist? Wenn wir Trauer tragen, niederschlagen sind und uns hoffnungslos fühlen? Können wir etwas in uns beeinflussen, wenn wir müde und kraftlos sind? Sind wir nicht machtlos, wenn aus unserer inneren Dunkelheit kein heller Strahl nach außen dringen kann? Vielleicht tröstet es uns, dass unser Herr Jesus die Tiefen der menschlichen Existenz durchlitten hat und wir ihm nahe sind, gerade im Leiden. Aber das ändert nichts an der inneren Dunkelheit.

Schaue darauf!

Das kann der erste Schritt sein: Ich achte darauf, wie es in mir aussieht. Ich nehme mein inneres Selbst wahr und wichtig. Ich begegne mir selbst, meinem Wesen, meinen Gefühlen, meinen Stärken und Schwächen. Ich löse mich von der Vorstellung, in allem perfekt zu sein und immer reibungslos zu funktionieren. Ich lasse das Licht und das Dunkel in mir zu. Vielleicht ändert sich dann schon etwas. Christliche Erfahrung kennt Heilung der Seele, Erlösung aus Angst und dunkler Not. Jesus hat nach dem Zeugnis des Neuen Testaments Menschen geheilt und neues Leben geschenkt.

König Saul

Aber die Bibel berichtet uns auch vom Scheitern großer Lebensläufe. Saul war der erste König in Israel, er überragte alle anderen und war ein erfolgreicher Heerführer. Er wusste sich von Gott zum König berufen. Das Volk hatte es gut unter seiner Herrschaft. Im Zenit seiner Macht befiel den Herrscher eine qualvolle innere Dunkelheit – in krassem Gegensatz zur Strahlkraft seines königlichen Amtes. Er saß nur regungslos auf seinem Thron und starrte düster vor sich hin. Selbst Davids kunstvolles Lautenspiel konnte den niedergeschlagenen König nicht aufheitern. Voller Wut warf er seinen Spieß nach dem jungen Musiker. Saul verlor den göttlichen Beistand und schließlich seine Königswürde. Am Ende starb er einsam in Dunkelheit. Es könnte allerdings sein, dass das Buch Samuel Saul nur so dunkel zeichnet, um seinen Konkurrenten und Nachfolger noch stärker leuchten zu lassen. Die Historie ist meistens auf der Seite der Sieger. Manchmal eben auch in der Bibel.

Lutz Poetter

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