ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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20.7.2019

Unsere Gemeindefahrt 2012
Ein Rückblick

von Dr. Werner Wagner


Insel Ruden: Naturkundemuseum im Turm

Am 17. September bestiegen wir mit Peter Neumann und Jürgen Barleben gegen 8.00 Uhr unseren Reisebus, um einige sonnenreiche Spätsommertage auf der Insel Usedom zu verbringen. Unterwegs erfuhren wir, es sei wohl der sonnenreichste Ort in Deutschland. Nach einer Rast in Wolgast bezogen wir in Bansin das Hotel "Forsthaus Langenberg" als Quartier für unseren Aufenthalt. Gelegen in einem lichten Buchenhain, der sich seewärts zur Steilküste öffnet, bietet es dem Gast ein herrliches Ostseepanorama. Am nächsten Morgen bestiegen wir in einem kleinen Hafen nahe Ückeritz den Ausflugsdampfer. Bei ruhiger See, aber mit leichtem Nieselregen, erkundeten wir vom Achterwasser her den weitläufigen Naturpark. Später, etwas ausgekühlt, nahmen wir den Bus, der uns entlang der drei Kaiserbäder Bausin, Heringsdorf und Ahlbeck in die naheliegende polnische Hafenstadt Swinemünde fuhr. Ab der Landesgrenze reihen sich dort dicht an dicht Verkaufsstände am Straßenrand. Es gibt nichts, was nicht für ein paar Euro zu haben wäre. Nach einem Rundgang entlang der Kais, einem guten Mittagessen und kleinem Nickerchen während der Fahrt lud uns das Wasserschloss Mellenthin zu Kaffee und Kuchen ein. Erbaut wurde dieses Anwesen um 1575 und musste seitdem viele Besitzer über sich ergehen lassen. Seit 2001 wird es Stück für Stück sorgfältig restauriert und technisch auf den neuesten Stand gebracht. Heute beherbergt es ein Restaurant im mittelalterlichen Stil, dessen Küche es schnell zu einem Publikumsmagneten werden ließ. Einem neueren Trend hin zu kleinen regionalen Brauereien ließ den Traum einer hauseigenen Brauerei, die über zehn verschiedene Biersorten anbietet, wahr werden. In den Gewölben kann es sich der Gast zwischen kupfernen Sudkesseln gut gehen lassen. Weil sich Bierbrauen und Kaffeerösten technisch ergänzen, wird dazu noch ein äußerst bekömmlicher hauseigener Kaffee hergestellt.

Am Mittwochmorgen begaben wir uns diesmal von Peenemünde aufs Wasser. Aus dem Peenemünder Hafen, dem nördlichsten Teil Usedoms, brachte uns das Versorgungsschiff "Seeadler" bei rauhem Seegang auf die Insel "Ruden". Diese zwei Kilometer lange ehemalige Lotseninsel in der Peenemündung hat als Bewohner nur ein Ehepaar, das sowohl Hafenmeister als auch Naturschutzwart ist. Einst gab es sogar einen Landverbindung mit Rügen, die aber bei der Allerheiligenflut von 1304 weggeschwemmt wurde. Ein ausgedienter Beobachtungsturm von Wehrmacht und Volksarmee dient heute dort als Naturkundemuseum. Die Insel ist heute Naturschutzgebiet, das seltenen Pflanzen- und Vogelarten Lebensraum bietet. Entsprechend herrscht dort Rauch-, Notdurft- und Badeverbot. Zurück im Peenemünder Hafen fällt sofort die mächtige Ruine des einstigen Wärmekraftwerks ins Auge. Peenemünde diente zwischen 1936 und 1945 als Heeresversuchsanstalt und Erprobungsstelle der deutschen Luftwaffe. Hier entwickelte man damals auf den Rücken unzähliger Zwangsarbeiter die "Vergeltungswaffe V1 und V2". In Teilen des ehemaligen Kraftwerks befindet sich jetzt das historisch technische Museum. Hier wird eindrucksvoll gezeigt, wie damals die Grundlagen der Raketentechnologie entstanden sind, ehe im August 1944 die Alliierten das Areal in Schutt und Asche legten.

Den letzten Tag unseres Aufenthalts war der ältesten Kirch Usedoms vorbehalten. Sie liegt auf einer sanften Anhöhe im "Lieper Winkel". Der schmucklose Kirchenbau aus Feld- und Ziegelsteinen stammt aus dem 15. Jahrhundert, an seiner Westseite befindet sich ein hölzerner Glockenstuhl. Den Innenraum zieren einfache Wandmalereien aus derselben Zeit, die eine durchgehende sakrale Nutzung des Gebäudes belegen.

Nachdem wir uns in der "Alten Fischräucherei" mit den wohl frischesten Fischbrötchen der Insel gestärkt hatten, verließen wir Usedom und trafen gegen 17.00 Uhr wieder wohl behalten in Lichterfelde ein.

Dr. Werner Wagner