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21.11.2018

Stolpersteinverlegung für Kurt Dalen am 30. November in der Hochbergstraße 1

Michael Müller-Stüler

Die Verlegung eines Stolpersteins für Kurd Dalen in der Drakestraße 59 findet am 30. November ca. um 9.30 Uhr statt, für Fritz Dalen im Hochbergweg 1 ca. 10.00 Uhr. Anschließend wird in Zossen ein Stein für Werner Dalen verlegt.

Weitere Informationen erhalten Sie in der Küsterei unserer Gemeinde.

Ev. Kirchengemeinde
Petrus-Giesensdorf
Ostpreußendamm 64
Tel. 755 19 285

Meine Verbindung zur Familie Dalen besteht über meine Urgroßmutter Margarete Abegg, geb. Friedenthal. Deren Schwester Gertrud Friedenthal, verehelichte Dalen, war das fünfte der sieben Kinder aus der zweiter Ehe des Breslauer Stadtrats, Kaufmanns und Bankiers Dr. iur Wilhelm Friedenthal und seiner Ehefrau Berta Prausnitzer. Die Eltern Friedenthal waren praktizierenden Juden, die ihre Kinder aber evangelisch taufen und christlich erziehen ließen. Gertrud wurde 1857 geboren. 1878 heiratet sie den 1844 geborenen Robert Davidson, Sohn einer ebenfalls jüdischen Breslauer Arztfamilie. 1904 ändert die Familie mit behördlicher Genehmigung den Familiennamen von Davidson zu Dalen.

Von den sieben Friedenthal-Kindern erleben außer Gertrud nur noch die unverheiratete Agnes das 3. Reich. Sie stirbt 1937 87jährig im Haus ihres Neffen Kurd Dalen. Von allen Nachkommen der nachfolgenden Generation gelten nur die Dalen-Brüder als Volljuden im Sinne der Rassegesetze. Alle übrigen haben auch arische Großeltern und überleben die Nazizeit unversehrt, allerdings in einigen Fällen nicht ohne Probleme.

Erst nach meiner Pensionierung hatte ich genügend Muße, mich mit der Geschichte der weitverzweigten Familie systematisch zu beschäftigen. Da gab es niemand mehr, der über die Dalens, die nicht zum engeren Familienkreis gehört hatten, etwas wußte. So stammt mein Wissen überwiegend aus der Personalakte Robert Dalens im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz sowie aus anderen Archiven und ähnlichen Quellen

Robert Dalen hat Rechtswissenschaften studiert, ist 1866 zum christlichen Glauben übergetreten, vermutlich als Voraussetzung für den preußischen Staatsdienst, in den er 1867 eintritt und über wechselnde Stationen Karriere macht und schließlich 1907 als Oberpräsidialrat an der Bezirksregierung in Magdeburg wegen schlechter Gesundheit 63 jährig in den Ruhestand tritt und sich auf Gut Niesky bei Uhsmannsdorf Kreis Rothenburg (Oberlausitz) zurückzieht. Vermutlich dort ist er auch 1909 gestorben.. Sein Wunsch, geadelt zu werden, wird nicht erfüllt. Er erhält jedoch den Titel eines Geheimen Ober-Regierungsraths. (Weitere Details zur Karriere in der Personalakte).

Wie lange seine damals 52 jährige Ehefrau Gertrud dort gelebt hat, wissen wir nicht. Sie taucht erst 1921 im Berliner Adressbuch auf mit der Adresse Lichterfelde Bismarckstr. 15, (Straße wohl heute umbenannt) mit dem Zusatz "Eigentümer". 1922 und 1923 ist sie nicht eingetragen. 1924 ist sie zu finden unter Grunewald Lynarstraße 13, dort auch in den folgenden Jahren bis 1927, wo sie in Charlottenburg Badenallee 19 wohnt, ebenso 1928. Ab 1929 finden sich keine weiteren Einträge zu ihr.

In der Personalakte ihres Mannes findet sich ein Brief von ihr aus Meiningen aus dem Jahr 1934, wonach sie zu ihrem Sohn Kurd nach Meran ziehen möchte, um ein "reichsdeutsches Fremdenheim zu eröffnen", weswegen sie bittet, das Witwengeld dorthin zu zahlen. Das Restvermögen von 37.000 M bleibe in Deutschland. Das Witwengeld beträgt 200 M.

Nach einem weiteren Brief lebt sie seit 15. Juli 1935 in Berlin Lichterfelde Drakestraße 59, der Anschrift ihres Sohnes Kurd. Bei der Volkszählung vom 17. Mai 1939 ist sie im Haushalt von Sohn Kurd im bayerischen Siegsdorf, Alzing 49 ½ aufgeführt. Dort ist sie am 14. Juni 1939 nach Auskunft des dortigen Standesamtes 82jährig verstorben.

Der Ehe von Robert und Gertrud Dalen entstammen vier Söhne, nämlich Werner, Fritz, Kurd, und Ernst.

Ernst, *1889, der jüngste fällt 1916 27jährig als Flieger.

Die drei übrigen Brüder studieren Jura und werden an verschiedenen Universitäten zum Dr. iur. promoviert. Ihr Schicksal und das ihrer Mutter während des 3. Reiches vollständig zu erforschen, war unmöglich. Sicher ist, dass sie als Juden im Sinne der nationalsozialistischen Rassegesetzen verfolgt wurden.

Werner, * Bromberg 10. Juni 1879, deportiert ins Ghetto Litzmannstadt mit Transport vom 27./29. Oktober 1941 und dort umgekommen am 22. Januar 1942.

Über seinen juristischen Werdegang ist bisher nichts bekannt. Dr. iur., seit Mitte der 1920er Jahre Rechtsanwalt und Notar in Zossen. Letzter dort frei gewählter Wohnsitz in Zossen war Stubenrauchstraße 4. 1939 ist er unter der Berliner Anschrift Neue Schönhauser Allee 58 bei Friedländer gemeldet. Werner Dalen war unverheiratet.

Fritz, * Bromberg 10. Dezember 1880, Freitod 1. März 1942,

Über seinen juristischen Werdegang ist bisher nichts bekannt. Dr. iur.. Er ist in allen Jahrgängen des Berliner Adressbuchs seit 1920 als Eigentümer in Lichterfelde Ulmenstraße 1 angegeben, bezeichnet als Rechtsanwalt und Notar am Landgericht I, II, III. 1937 und 1938 ist seine Adresse ohne Eigentumsangabe Hochbergweg 2 (in der umbenannten Ulmenstraße), danach fehlen Einträge zu ihm.

Seine Zulassung als Anwalt und Notar wurde am 28. Januar 1936 gelöscht.

Fritz Dalen war unverheiratet.

Kurd (manchmal Kurt), * Potsdam 19. Dezember 1884, Freitod München 15. September 1941.

Er macht Abitur am Dom-Gymnasium in Magdeburg, studiert Rechtswissenschaften in München, Breslau und Halle und wird in Heidelberg 1913 promoviert mit einer Dissertation über "Die Haftung für Automobilschäden vor und nach dem Inkrafttreten des Gesetzes vom 3. Mai 1909". Sein Wohnort ist zu diesem Zeitpunkt Halle/Saale. 1921 taucht er erstmalig auf als Syndikus an der Adresse seiner Mutter Lichterfelde Bismarckstraße 15. 1922 dann nach dem Wegzug der Mutter mit dem Zusatz E = Eigentümer. 1924 wohnt er, bezeichnet als Rechtsanwalt und Syndikus, in W 15 Konstanzer Str. 62 IV, ab 1928 und 1929 mit dem Zusatz Direktor. Ab 1930 gibt es keine weiteren Eintragungen. Im Sterbebuch ist er als "kaufmännischer Direktor a.D." bezeichnet. Über seine Berufstätigkeit ist nicht bekannt.

Kurd Dalen war verheiratet mit Margarete Lukszat (1891-1977), die nicht der Verfolgung durch die Rassegesetze unterlag. Die Ehe war kinderlos.

Michael Müller-Stüler

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