ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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21.1.2019

Unser Tagesausflug nach Helmstedt am 5. September
Ein Rückblick

von Diedrich de Vries

Ich muss zugeben, dass ich Helmstedt nur vom Ortsschild an der Autobahn kannte. Für mich war es immer der Transitübergang Helmstedt-Marienborn, wenn ich von West-Berlin nach Westdeutschland fahren wollte. Ich bin nie auf den Gedanken gekommen, mir Helmstedt anzusehen, obwohl Helmstedt Bauwerke besitzt, die bis in die Zeit der Renaissance und Romanik zurückreichen.

Als Helmstedt zum Zonenrandgebiet gehörte, wurde es vom Westen gepampert. Schon auf den ersten Blick ist das heute anders. Viele Gebäude schreien nach Renovierung. Uns wurde berichtet, dass die Einwohnerzahl ständig sinkt, weil Arbeitsplätze fehlen.

Wir haben um 8.00 Uhr Berlin mit 48 Teilnehmern und dem Reisebus von Potsdam Tours verlassen. Da unser Ziel nur 170 km entfernt liegt, sind wir trotz einer Pause schon kurz vor 11.00 Uhr in Helmstedt gelandet.

Wir begannen unsere Stadtführung aufgeteilt in zwei Gruppen am Kloster St. Ludgerus. Ich möchte im Schnellgang ein paar wichtige Daten nennen: Der Missionar Liudger gründete das Kloster im Jahre 800. Im Dezember 1802 ist das Kloster dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg zugefallen. 1980 wurde das Konventsgebäude von der Diözese Hildesheim für die katholische Kirchengemeinde St. Ludgerus gekauft. Das Klostergebäude wird seither als katholische Begegnungsstätte regelmäßig genutzt.

Auf dem Wege zur über 700 Jahre alten gotischen St. Stephani-Kirche, sind wir am Türkentor vorbei gekommen, es ist ein beeindruckendes Bauwerk. Es war der ehemalige Eingang zum Kloster.

Die St. Stephani-Kirche wurde im Jahre 1300 geweiht. Wenn man die Kirche betritt, fällt einem am Eingang ein gewaltiges Taufbecken auf. Das Kloster und die Kirche sind im Krieg kaum zerstört worden. Ich werde mir beim nächsten Besuch mehr Zeit nehmen, um die vielen Eindrücke festzuhalten.

Am Marktplatz mit Rathaus und einer vielfältigen Häuserlandschaft verließ uns unsere Stadtführerin.

In der Fußgängerzone besuchten wir das antike Restaurant Funkes Bräustübl, von dem ich beeindruckt war, weil wir dort trotz 48 Personen sehr freundlich und schnell unser Mittagessen bekamen. Ich bewundere solche Leistung und meine, dass es allen gut geschmeckt hat.

Um 14.00 Uhr wurden wir von unserem Busfahrer Ulli eingesammelt, der uns zum nächsten Punkt unserer Tagesfahrt, der Gedenkstätte Marienborn fuhr.

Wieder haben wir uns in zwei Gruppen aufgeteilt. Leider waren wir mit unserer sogenannten "Besucherbegleiterin" nicht zufrieden. Ich bin der Meinung, dass diese Frau mit ihrer Rolle überfordert war. Das lag vielleicht daran, dass sie den für uns West-Berliner so wichtigen Ort erst kennenlernte, als es die Grenze nicht mehr gab. Bei ihr habe ich Einfühlungsvermögen vermisst.

Wenn ich mir vorstelle, dass sie 12jährigen Schülern etwas von der damaligen DDR-Passkontrolle erzählt, dann werde ich ganz hilflos. Ich wünsche mir, dass sich die Leitung der "Gedenkstätte Marienborn", etwas zur Verbesserung einfallen lässt. Es bleibt für jeden Deutschen noch sehr lange ein wichtiger Ort, den man sich genau ansehen sollte. Die Begleitung von Besuchergruppen sollte nachempfinden können, mit welchem Druckgefühl wir früher an die Pass-Kontrollstellen gefahren sind und wie froh wir waren, wenn wir endlich in Richtung Westen "durch" waren oder bei Rückkehr wieder in West-Berlin gelandet sind.

Für mich war der Besuch trotzdem spannend, weil ich die Gelegenheit hatte, in die geheimnisvollen Räume der Kontrollbaracke zu schauen, die uns früher vollends verschlossen waren. Nur das reicht mir eigentlich nicht.

Dann wurden wir mit Kuchen belohnt, denn wir sind in das Mühlencafé Morsleben im schönen Allertal gefahren. Es gab es aus eigener Herstellung "Kuchen satt". Nicht nur der Kuchen lohnte sich, auch das Ambiente der mit viel Liebe eingerichteten Räume und das große Gelände, mit der unter denkmalgeschützten Wassermühle, ist toll, sie ist schon 1285 urkundlich erwähnt worden.

Nach 2 Stunden Rückfahrt hatte uns Berlin wieder – es war ein sehr interessanter Tagesausflug mit vielen packenden Eindrücken. Den sollte die Gemeinde unbedingt wiederholen – ich würde gerne wieder mitkommen.