ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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16.1.2019

Wo das Glück zu finden ist

Susanne Peters-Streu


Foto: Rainer Sturm@pixelio.de

Die Sommermonate, die Ferienzeit, da wünschen wir uns sehr, dass es uns gut geht. Die zwei, drei oder vier Wochen Urlaub und Ferienzeit genießen. Erholen, ausspannen, aktiv sein aber eben anders als sonst, schwimmen, bewegen, in der Sonne liegen, ein gutes Buch lesen, wandern, Zeit für die Kinder, für die alten Eltern, Zeit für.....Vieles sammelt sich an, von dem wir uns wünschen, es möge in den paar Tagen, Wochen der Urlaubszeit doch in Erfüllung gehen. Endlich Zeit zu mir zu kommen, endlich Zeit das tun was ich will, was ich mir schon immer mal vorgenommen habe. Schön, wenn wir ausgeruht und mit neuer Kraft in den Alltag zurückkehren. Wenn abgefallen ist, was uns belastet, sich Hektik und Stress gelegt haben.

Werden sich meine Erwartungen erfüllen, oder wird doch wieder alles anders, bzw. genauso wie alle Tage. Ich nehme mich ja mit in die Urlaubszeit, ich bin ja nicht plötzlich eine Andere. Werde ich mich selbst enttäuschen durch meine eigene Haltung?

In dem Jahreslesebuch von Anthony de Mello "Ein Weg zum Glück" habe ich folgende kleine Erzählung gefunden: Ein Wanderer: "Wie wird das Wetter heute?" Der Schäfer: "So wie ich es gern habe." "Woher wisst ihr, dass das das Wetter so wird wie ihr es liebt?" "Ich habe die Erfahrung gemacht, mein Freund, dass ich nicht immer das bekommen kann, was ich gern möchte. Also habe ich gelernt, immer das zu mögen, was ich bekomme. Deshalb bin ich ganz sicher: Das Wetter wird heute so sein, wie ich es mag."

Was immer geschieht, an uns liegt es, Glück oder Unglück darin zu sehen.

Offensichtlich sind wir Menschen in der Lage, die Wirklichkeit ganz unterschiedlich einzuschätzen und ganz unterschiedlich zu bewerten.

Und je nachdem, wie wir sie deuten und bewerten, erscheint uns die Wirklichkeit ganz anders.

Die Meisten von uns – vielleicht alle – kennen das aus eigenem Erleben: Je nachdem, wie ich gestimmt bin, erscheinen mir gleiche Sachverhalte unterschiedlich: Was ich an einem Tage genieße, bereitet mir an dem anderen Verdruss oder wenigstens Langeweile.

Sind wir unglücklich, so trägt alles zu unserem Unglück bei. Nichts taugt dann etwas. Sind wir glücklich, dann trägt alles irgendwie bei zu unserem Glück. Und obwohl die Welt, in der wir leben, objektiv die gleiche bleibt, ändert sich unsere Wahrnehmung grundlegend.

Was für einzelne Momente gilt, das gilt auch für das Leben als Ganzes: Es gibt unterschiedliche Grundstimmungen dem Leben und der Welt gegenüber. Und je nachdem, wie wir im Grunde unseres Herzens gestimmt sind, nehmen wir alles ganz unterschiedlich wahr.

Ändert sich unsere Grundstimmung, dann ändert sich unser Leben.

Das ist wie bei einem verstimmten Instrument: Auch der beste Organist kann einer verstimmten Orgel keine schöne Musik entlocken. Egal, welche Tasten er anschlägt, egal, wie sehr er sich müht: Sind wir Menschen nicht wie solch ein Instrument? Es kommt darauf an, ob wir richtig gestimmt sind. Für mich hat das gestimmt sein mit dem Glauben zu tun. Der Glaube an Gott, der alles Leben geschaffen hat und auch mich, der mich kannte noch bevor ich war. Und der Glaube an Jesus Christus, an ihm sehe ich wie Gott uns Menschen, auch mich, lieb hat und der Glaube, dass Gottes Geist mich begleitet, tröstet, zurechtbringt. Im Licht des Glaubens stellt sich die Welt anders dar – auch wenn alles einzelne in dieser Welt ganz gleich bleibt. Und ich meine nicht Weltflucht.

Auch für die Glaubenden verschwinden ja das Schwere, die Not, das Leiden nicht einfach.

Wir bleiben auch als Glaubende Menschen, und nichts von dem, was das Menschenleben schwer macht, bleibt uns erspart. Aber dennoch ist im Glauben unsere grundlegende Lebensstimmung eine andere.

Der Glaube verändert das Lebensgefühl. Dietrich Bonhoeffer sagt: "Jeder Tag ist ein abgeschlossenes Ganzes. Der heutige Tag ist die Grenze unseres Sorgens und Mühens. Er ist lang genug, um Gott zu finden oder zu verlieren, um Glauben zu halten, oder in Schande zu fallen. Darum schuf Gott Tag und Nacht, damit wir nicht im Grenzenlosen wandern, sondern am Morgen schon das Ziel des Abends vor uns sähen."

Da ist einer, der mein Leben stimmt, daran will ich mich immer wieder erinnern lassen im Urlaub und im Alltag, alle Tage neu. Vielleicht beginnt dann der nächste Urlaub nicht mit so großen Erwartungen.

Ich wünsche uns, dass wir jeden neuen Tag entdecken als Geschenk Gottes heute zu leben, heute zu lachen und zu weinen, heute Kraft einzusetzen und Kraft zu schöpfen.

Gott sagt nicht: "Das ist ein Weg zu mir, das aber nicht", sondern er sagt: "Alles, was du tust, kann ein Weg zu mir sein, wenn du es nur so tust, dass es mich zu dir führt" (Martin Buber).

Ich wünsche Ihnen für die kommende Zeit, sei es Arbeits- oder Ferienzeit die Gelassenheit, die aus dem Wissen wächst, der neue Tag schenkt einen neuen Anfang, wir können der Liebe, der Aufrichtigkeit und der Wahrheit unseres Lebens ein Stück mehr auf die Spur kommen. Susanne Peters-Streu