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17.7.2019

"Léon und Louise" von Alex Capus
Buchbesprechung

Suchen Sie noch eine Urlaubslektüre? Dann sei Ihnen das Buch "Léon und Louise" von Alex Capus ans Herz gelegt. Ein Liebesroman der besonderen Art. Eine wunderbare Geschichte über das Festhalten an der Liebe über einen langen Zeitraum, der auch Jahre und Jahrzehnte der Trennung nichts anhaben können. In einem Jahrhundert mit zwei Weltkriegen, gegen alle Konventionen, von der Normandie über Paris und Französisch-Westafrika. Niemals kitschig oder langweilig, sondern mit liebevoller Leichtigkeit in einer wunderbaren Sprache erzählt.

Alex Capus; Leon und Louise – Carl Hanser Verlag, ISBN: 9783446236301

Der Roman "Léon und Louise" wird von dem Sohn von Léon Le Galls jüngstem Sohn Philippe rückwärts erzählt. Er beginnt mit dem Trauergottesdienst am 16. April 1986 in Notre Dame. Léon hatte schon lange verkündet, er möchte eine Totenmesse in Notre Dame mit allem Brimborium: lateinische Liturgie, viel Weihrauch und gregorianische Choräle. So sitzen alle seine Lieben zusammen, als sich etwas verspätet die Tür öffnet. Eine kleine, graue Gestalt mit leuchtend rotem Seidentuch und schwarzem Hütchen mit Schleier trippelt zielstrebig auf den offenen Sarg zu, um sich liebevoll von dem Toten zu verabschieden. Aus ihrer Handtasche zieht die Frau eine Fahrradklingel, betätigt sie zweimal und legt sie anschließend in den Sarg. Dann strebt sie klackenden Schrittes dem Ausgang zu. Getuschel und Gemurmel bei den Familienangehörigen – dabei weiß oder ahnt jeder, um wen es sich handelt: Louise Janvier.

Dann erzählt Leons Enkel die Geschichte von den Anfängen im letzten Kriegsjahr bis zum Ende. Leon lernt die selbstbewusste und unabhängige Louise 1918 als 17jähriger in einem kleinen Ort kennen. Sie verlieben sich. An einem Tag machen sie mit ihren Fahrrädern einen Ausflug ans Meer und geraten in einen der letzten deutschen Angriffe. Beide werden durch eine Granate schwer verletzt. Nach ihrer Genesung stellen sie Nachforschungen an, werden aber von dem Bürgermeister belogen. Jeder hält daraufhin den anderen für tot.

Leon geht nach Paris, heiratet Yvonne und hat im Lauf der Jahre fünf Kinder mit ihr. An Louise aber denkt er noch immer jeden Tag. 1928 sehen sich Leon und Louise zufällig in der Metro wieder. Sie treffen sich nur einmal und gehen dann auf Louises ausdrücklichen Wunsch wieder getrennte Wege, ohne Kontakt miteinander aufzunehmen. Diesmal gehen mehr als zehn Jahre ins Land bis Léon wieder etwas von seiner Louise hört. Nach zwölf Jahren im Jahr 1940 beginnt Louise Briefe an Léon zu schreiben. Es ist die Zeit, als sie mit mehreren Mitarbeitern einen Goldtransport der Banque de France nach Französisch-Westafrika begleitet und dort für die nächsten fünf Jahre festgehalten ist. Währenddessen spielt sich das Leben von Léon und seiner Familie im besetzten Paris ab, wo sie sich mit den Besatzern arrangieren müssen. Nach Kriegsende kehren sowohl Léon und Yvonne wie auch Louise nach Paris zurück…

M.B.