ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Holzkirche Gemeindezentrum Celsiusstraße Gemeindehaus Ostpreußendamm
Petruskirche Gemeindehaus Parallelstraße Dorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Juni 2012

22.3.2019

Wie ist die Bibel entstanden?

von Reinhard Mawick

Einen besonders langen Entstehungsprozess haben die Schriften der hebräischen Bibel, des sogenannten Alten Testaments, hinter sich: Mündliche Erzählungen, die teilweise bis in das zweite Jahrtausend vor Christus zurückreichen, wurden etwa ab dem sechsten Jahrhundert gesammelt, aufgeschrieben, wieder umgeschrieben, mehrfach bearbeitet und schließlich zusammengefügt. Man nimmt an, dass dieser Prozess erst um das Jahr 100 vor Christus abgeschlossen war.

Die Entstehung des Neuen Testaments, also der biblischen Schriften, die von Jesus Christus erzählen, erstreckt sich über einen nicht ganz so langen Zeitraum, ist aber mindestens genauso vielschichtig: So sind die Evangelien größtenteils Kompendien aus allerlei schriftlichen und mündlichen Quellen. Die Bibelwissenschaft hat schon vor Jahrhunderten festgestellt, dass für die beiden Evangelien des Matthäus und des Lukas das kürzere Evangelium des Markus eine gemeinsame Quelle war. Natürlich kann man, wie es einige konservative Christen bis heute tun, trotzdem eine wie auch immer geartete Eingebung der biblischen Schriften durch Gott annehmen. Für die anderen aber gilt, was Ernst Käsemann 1951 schrieb: "Der biblische Kanon erklärt nicht die Einheit der Kirche, sondern die Vielfalt der Konfessionen."

Damit unterstreicht der bekannte deutsche Neutestamentler: Schon aus einer sachlichen Zusammenschau der biblischen Schriften beider Testamente legt sich die Erkenntnis nahe, dass Menschen zu verschiedenen Zeiten in sehr unterschiedlicher Form vom Glauben an den Gott Israels und an Jesus Christus ergriffen worden sind und dies aufgeschrieben haben. Insofern gilt: Die Auswahl des biblischen Kanons hätte auch ganz anders ausfallen können.

Der Wert der Bibel misst sich nicht daran, ob ihr Text vom Heiligen Geist eingegeben wurde. Ihr Wert misst sich an ihrer jahrtausendelangen Gebrauchsgeschichte, in der Menschen immer wieder durch die Bibel, dieses unvergleichliche Buch, in die Geschichte Gottes und Jesu Christi verwickelt worden sind. Aber: Die Entscheidung, sich auf die biblische Überlieferung und ihre vielstimmige Wahrheit einzulassen, muss jeder Mensch letztlich selbst treffen.

Reinhard Mawick

Aus: "chrismon", das evangelische Monatsmagazin der Evangelischen Kirche, www.chrismon.de