ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.5.2019

Miserikordias Domini


Goldene Konfirmanden der Jahrgänge 1961–1962

Wie sehr unsere Gemeinde lebt, war besonders deutlich an diesem Sonntag zu spüren.

Während die schon traditionelle Goldene Konfirmation in der Petruskirche noch im vollen Gange war, stand der zur Zeit ausstellende Künstler in den Startlöchern, um seine Bilder abzuhängen. Schon in zwei Tagen eröffnet die nächste Kunstausstellung. Auch unsere Kulturgruppe stand dann bald bereit, um die Vorbereitungen und den Aufbau für das um 16.00 Uhr beginnende Kindertheater mit Robert Metcalf vorzunehmen.

Nicht anders war es am Nachmittag im Gemeindehaus Parallelstraße. Unsere Theatergruppe hatte noch ein wenig warten müssen, um ihre Proben für ihr nächstes Stück, das am 4. Mai seine Premiere hat, zu beginnen.

Die Goldenen Konfirmanden hatten ihre Feier, die im Anschluss an den Gottesdienst dort stattfand, gerade beendet.

Diese Goldene Konfirmation war ein besonderes Ereignis. Einige der Konfirmanden begegeten sich wahrhaftig nach 50 Jahren zum ersten Mal wieder. Mitgebrachte Fotos aus der damaligen Zeit und viele Erinnerungen wurden ausgetauscht. Die drei Redebeiträge aus dem Gottesdienst möchten wir mit unerer Lesern teilen.

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Mein Konfirmandenunterricht Jahrgang 1961/62 mit Konfirmation am Sonntag Quasimodogeniti 29. April 1962 bei Pfarrer Lic. Baltzer

Der Konfirmandenunterricht wurde zu dieser Zeit über zwei Jahre einmal wöchentlich erteilt. Ich glaube, der Unterricht dauerte 1,5 Stunden. Nach einer Zwischenprüfung sowie einer Abschlussprüfung und zum Schluss einer Probe in der Petruskirche feierten wir unsere Konfirmation. Zum Pfarrer war unser Verhältnis respektvoll und distanziert wie zu unseren Lehrern. Nicht alles fanden wir Konfirmanden gut – ich behielt das aber lieber für mich.

Der Unterricht fand als Frontalunterricht statt; soweit ich mich erinnern kann, beschäftigten wir uns mit den Geboten und dem kleinen Katechismus und hatten die Auslegungen der Gebote auch auswendig zu lernen. Ebenso wurden Bibelstellen behandelt.

Während der Sommerferien war im 2. Jahr eine Hausarbeit anzufertigen: Wir sollten am Urlaubsort – oder hier in Berlin in einer anderen Gemeinde – einen Gottesdienst besuchen und darüber berichten einschließlich eigener Stellungnahmen dazu – z.B. zur Predigt.

Ich berichtete von einem Gottesdienst einer reformierten Gemeinde während meiner Ferien in Ostfriesland. Es gab dort keinen Altar, das Wort von der Kanzel stand im Mittelpunkt, es gab nur einen Tisch für das gemeinsame Abendmahl. Ich erinnere mich, dass ich etwas an Gottesdienst und Predigt "kritisierte". Es war sicher nur ein Ausdruck davon, dass mir etwas nicht so gefallen hatte, da ich es von zu Hause anders gewohnt war. Eine negative Rückmeldung zu meinem Bericht seitens Pfarrer Baltzer gab es nicht, dafür aber von meiner sehr pietistisch-puritanischen Großmutter. Von ihr wurde ich deutlich zurechtgewiesen: Man kritisiert niemals einen Pfarrer oder eine Predigt!! Zum Glück kam diese "Gardinenpredigt" nur schriftlich, die Großmutter lebte weit weg von Berlin – in Hessen.

Die Zwischenprüfung und die Abschlussprüfung fanden jeweils vor den Eltern und einigen Gemeindevertretern statt, sie waren zum Glück nur kurz und weniger schlimm, als ich vorher befürchtet hatte.

Viel aufregender war die Probe in der Kirche kurz vor der Konfirmation. Der Konfirmationstag selbst war kalt, es wurde erst am Nachmittag sonnig. Wir froren nach dem Gottesdienst vor der Kirche in unseren schwarzen Konfirmationskleidern und warteten Aufnahmen der Fotografierenden ab. Ob der vielen Konfirmanden und dem ohnehin langen Gottesdienst war es damals üblich, dass dann am folgenden Montag Abend ein weiterer Gottesdienst mit den Konfirmierten und ihren Familien stattfand, in dem die Eingesegneten zum ersten Mal das Abendmahl erhielten und es von da an in jedem Abendmahlsgottesdienst mitfeiern durften – ganz anders als heute!!

Dr. Govinda Kühn-Freitag

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Gedanken zu meiner Konfa-Zeit in der Tabor Gemeinde Kreuzberg 1962

Zwei Pfarrer begleiteten meine Konfa-Zeit. Der 1. war sehr aufgeschlossen und abgesehen von dem vielen Auswendiglernen der Psalmen,Gebote mit Erklärungen usw. blieb mir etwas Besonderes in Erinnerung. Zum 4. Gebot meinte ein Konfirmand, er könne sein Eltern nicht lieben, sie schlügen ihn und schenkten ihm keine Liebe. Es enstand eine Stille.....

Unser Pfarrer meinte dazu, er kann verstehen, dass er seine Eltern nicht lieben kann, doch er könne ihnen danken für sein Leben. Gott würde ihn lieben und annehmen so wie er ist, mit all seinen Zweifeln.

Selbst nach so vielen Jahren habe ich diese Begebenheit nicht vergessen.

Denn vor 50 Jahren war ein Pfarrer, der nicht ermahnend den Zeigefinger hob, wenn es um ein Gebot ging, selten. Leider wurde unser verständnisvoller Pfarrer versetzt! Das Wissen, das Gott uns so annimmt wie wir sind mit all unseren Unzulänglichkeiten, gab mir stets Kraft in meinem bisherigen Leben.

Marlies Scheunchen

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Über Politik, Musik, Tanz und Mode in diesen Jahren

1962 war vor allem vom deutschen Wirtschaftswunder und dem Wiederaufbau geprägt.

Die Arbeitslosenzahl in diesem Jahr hatte einen historischen Tiefstand von 0,4 Prozent.

Die großen Urlaubreisen begannen, und Mallorca wurde von den deutschen Touristen erobert.

In der Politik war Konrad Adenauer der Bundeskanzler, Heinrich Lübke Bundespräsident und John F. Kennedy amerikanischer Präsident.

Im Fußball wurde Brasilien Weltmeister und der 1. FC Köln deutscher Meister.

Uns, die 1962 15 Jahre alt waren, manche auch schon 16, interessierte das politische Deutschland und das „Who is Who“ in der Weltgeschichte weniger.

Wir waren die Konfirmanden dieses Jahres 1962.

Erste Parties fanden in den Kellerräumen mancher Elternhäuser statt. Die Ausstattung dieser Partyräume war meist schlicht mit gedämpftem rotem Licht, das von einer bemalten Glühbirne kam.

Die Raumdecken waren mit buntbemalten Eierkartons beklebt und es gab nur wenige Sitzgelegenheiten.

Es wurde ja auch hauptsächlich getanzt – eng umschlungen bei den langsamen Hits dieser Zeit:

Du lässt dich gehen von Charles Aznavours, Heißer Sand von Mina, Stranger On The Shore von Mr. Acker Bilk, Love Me Warm And Tender von Paul Anka und der große Klassiker für den langsamen Tanz: I Can't Stop Loving You von Ray Charles ...

Heftig und schwungvoll ging es dann bei den schnellen Hits ab. Dazu tanzte man den Twist!

Die großen Twist-Hits, die aus den USA kamen, waren: Do the Twist und Let's Twist again vom legendären Chubby Checker.

Obwohl damals die meisten Songs aus England und Amerika kamen, gab es auch einige wenige akzeptierte deutsche Twistsongs. So erzählte uns Catharina Valente in einem ihrer Hits von Pepito, der vor lauter Küsserei und Twisttanzerei seinen Esel vor der Tür vergaß.

Der Text ging dann so:
Das ist der Popo cate petl Twist, bei dem Pepito alle Mädchen küsst und seinen alten Muli ganz vergisst, den alten Muli vor dem Tor.

Der Sänger Billy Sanders gab in seinem Hit "Hallo Mister Twist" auch gleich eine Tanzanleitung dazu:
"Wer schwingt die Hüften einfach hin und her, wer stellt die Knie geradeaus und quer, wer zeigt beim Tanzen alles was er kann und rührt sein Baby dabei gar nicht an. Das ist der Mr. Twist."

Bei so viel Anleitung zum Twist-Tanz scheute man sich auch nicht, das Tanzparkett zu betreten, ohne eine Tanzschule besucht zu haben. Jeder entwickelte seinen eigenen persönlichen Stil. Zwei Varianten waren am häufigsten zu beobachten:
Die erste war eine sehr zurückhaltende, mit angewinkelten Armen, ganz wenig Schwung in den Hüften und die Füße fast ohne Standortveränderung. Die zweite war genau das Gegenteil und erschien fast ein wenig übertrieben: Alles was sich an Gliedmaßen bewegen ließ, flog durch die Gegend. Beine wurden angewinkelt, wobei Kniee fast Brusthöhe erreichten. Lauter getwistete oder verdrehte Körper konnte man hier beobachten.

Die besten Twisttänzer waren natürlich die Besucher einer Tanzschule, in Steglitz war es, glaube ich, die Tanzschule Keller, die es auch noch heute gibt. Hier konnte man nicht nur den Twist richtig lernen, sondern auch andere Tänze, wie Rock'n'Roll und Foxtrott – um dann bei den Parties groß aufzutrumpfen.

Flotte Songs, zu denen man twisten und rocken konnte, waren auch "Hawaii Tatoo" von den Waikikis und "Telstar" von den Tornados.

Sammeln konnte man die Hits, als es noch keine CDs, geschweige MP3-Player gab, auf der guten alten Schallplatte, vor allem auf der kleinen "Single" mit den 45 Umdrehungen. Diese Vinylplatten mit den aktuellen Hits kosteten in der Regel 5 DM. Das war damals viel Geld und die Kollektion musste ja auch noch sorgfältig gelagert werden. Dazu kaufte man sich eine Sammeltasche aus Plastik mit Klarsichthüllen, in die die "Singles" hineinpassten.

Um alle diese Kosten zu vermeiden, bot es sich an, ein Tonbandgerät, z.B. eins der Marke Grundig, Baureihe TK zu erwerben, oder sich schenken lassen (vielleicht sogar als Konfirmationsgeschenk).

Die Geräte wurden dann täglich um 17.00 Uhr auf "Standby" gestellt, denn um diese Zeit startete der AFN (Armed Forces Network) seine Sendung "Frolic at Five" Hier konnte man die neuestens Hits aus den USA hören und aufnehmen.

Wenn nicht zu Hause vor dem Radio, oder bei einer Kellerparty, besuchte man die Beatschuppen, einige waren sogar hier in Lichterfelde, sozusagen gleich um die Ecke. Wer Drafi Deutscher in seinen Anfangsjahren "live" erleben wollte, ging ins Play-Mate am Ostpreußendamm.

Das Jugendheim am Jungfernstieg bot aber auch regelmäßig "Live Musik" an.

Die richtige Kleidung war damals natürlich auch wichtig.

Wie unsere Kinder darauf bestanden, dass es Adidas, Nike, oder Eastpack-Rucksäcke sein mussten, so waren auch wir damals modebewusst.

Sonntags wurde immer etwas Anständiges getragen.

Bei den Jungs hieß das: Anzüge aus Polyester, das war der Trevira Anzug, und das dazu passende Nyltesthemd. Dieses Hemd aus Kunststoff war modern und vor allem bügelfrei: (Waschen, Aufhängen zum Trocknen und Tragen) – so wurde es in der Werbung beschrieben.

Keiner kam auf die Idee mit runden Schuhkappen herumzulaufen. Je spitzer der Schuh, desto besser.

An die Kleidung der Mädchen kann ich mich gar nicht mehr so genau erinnern, aber ich glaube, die Sache mit den Pettycoats war 1962 am ausklingen. Und der Minirock, der 1962 von einer britischen Designerin erfunden wurde, kam erst später.

Es war doch eine schöne Zeit, damals vor 50 Jahren.

Reiner Kolodziej