Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Gemeindezentrum CelsiusstraßeGemeindehaus Ostpreußendamm
Gemeindehaus ParallelstraßeDorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > April 2012

13.12.2019

Die Sonne geht auf: Christ ist erstanden

von Pfarrerin Susanne Peters-Streu


Grafik: Leyer-Stahl

Im Morgengrauen des neuen Tages machen sich zwei Frauen auf den Weg. Sie gehören zu Jesus. Zwei Tage ist es jetzt her, dass sie traurig bei Jesus am Kreuz standen. Sie haben ihn begleitet, miterlebt und mitgelitten. Wie war ihre Hoffnung zerbrochen!

Vieles lastet auf dem Rücken dieser beiden Frauen. Sie waren dabei als Jesu Körper vom Kreuz genommen wurde, als ein reicher Mann aus Arimathäa kam und Pilatus um den Leichnam bat. Er wickelte ihn in ein Leichentuch, legte ihn in ein Grab und wälzte einen großen Stein vor den Eingang des Grabes. Maria von Magdala und die andere Maria saßen dem Grab gegenüber an jenem Abend.

Nun am ersten Tag der Woche, als der Sabbat vorüber war, kamen sie beide wieder, um nach dem Grab zu sehen.

Ostern beginnt mit einer Erfahrung, die viele von uns kennen, die keinem erspart bleibt. Ostern beginnt mit der Trauer um einen geliebten Menschen, mit dem Gang zum Grab. Voller Unruhe ist das Herz in diesem Augenblick, mühsam und beschwerlich sind die Schritte. Es ist, als würde eine Mauer aus Steinen den Weg versperren.

Der Freude bedürftig
Wie viele Male setzen wir
der aufkommenden Freude
ein Aber entgegen.
Wie, wenn wir
in gleicher Weise
einmal mit unseren Traurigkeiten
umgingen.
Freude,
wie Brot
brauche ich sie.
Unsere tägliche Freude
gib uns heute.

Sabine Naegli

Die Erinnerung an alles, was sie erlebt haben, die Liebe die sie gespürt haben, die Geborgenheit: Alles ist ganz nah. Die Hoffnung, die Jesus in ihnen geweckt hat, Hoffnung auf Leben in Gerechtigkeit und Frieden, sie hatte sich doch mit ihm erfüllt. Sie haben erlebt, wie Menschen durch Jesus neue Kraft zum Leben fanden, wie Traurige getröstet wurden, wie verwundete Seelen heil wurden und Verzweifelte neue Hoffnung fanden. In der Gemeinschaft mit Jesus hatten sie gearbeitet für das Reich Gottes. Und nun war ein großer Stein gewälzt vor sein Grab. Ein Stein hart, fest, schwer und unverrückbar.

So liegen Steine auf Seelen. Versperren uns den Blick wie eine Mauer.

Welcher Stein liegt auf meiner Seele – Enttäuschung, Kummer, Krankheit, Trauer, Ausweglosigkeit, Streit, Schuld, Gewalttätigkeit, Verlust, Hass, Neid, ....?

Steine liegen auf dem Lebensweg. Trauersteine lasten auf der Seele von Maria von Magdala und der anderen Maria. Sollte alles vorbei sein? Vorbei die befreiende Gemeinschaft und die Feste, vorbei die Tage der Liebe und der Hoffnung? Ihre Herzen fühlen sich an wie Steinwüsten, kahle Felslandschaften, mit Jesus war so viel von ihnen gestorben. Und doch sie machen sich auf, gehen noch einmal zum Grab.

Was sie erleben: die Erde bebt, der Boden schwankt unter ihren Füssen. Bodenlos!

Was geschieht, sprengt alle bisherige Erfahrung. Das Grab ist offen, der Stein des Todes weggerollt. Die von den Mächtigen bestellten Türhüter wie tot, und ein Engel sagt: "Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus den Gekreuzigten sucht. Er ist nicht hier, er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Er wird vor euch hergehen nach Galiläa."

Der Engel sendet sie fort von ihrem Trauerweg hin zum Leben. In Furcht und großer Freude gehen sie und machen sich auf den Weg, so wird erzählt. Furcht und Freude, zwei Gefühle, gegensätzlich und doch beieinander.

Die Angst verstummt nicht sofort, wenn Neues beginnt. Lähmung löst sich langsam. Mutlosigkeit weicht nur Stück für Stück der Zuversicht. Es ist ein eigenartiges Hin- und Hergerissen-Werden. Die Osterfreude beginnt nicht erst dann, wenn alle Furcht und Sorge verschwunden ist. Sie mischt sich ein.

Diese beiden Frauen gingen einen Trauerweg, er wird zum Lebensweg. Sie gingen zum Grab und das Wort des Engels dreht ihre Bewegung um: Nicht hier! Geht schnell, sagt es den Jüngern.

Neues Leben beginnt, wo sich der Blick von Altem löst und in eine neue Richtung geht. Wenn die Füße in Bewegung kommen, langsam zuerst und dann schnell, dann begegnet nicht nur der Engel, sondern Jesus selbst. Er erscheint noch nicht am Grab, dem Ort des Todes und der Erschütterung. Die Osterfreude beginnt zaghaft. Sie nistet sich im selben Herzen ein, wo die Furcht ihren Platz hat. "Vielleicht hat die Osterbotschaft recht!" sagt die Freude. Wenn es stimmt? Dann ist ja nicht alles am Ende, nicht alle Hoffnung zerbrochen. Wenn ich losgehe, zögernd, mit stolpernden Schritten, dann begegnet mir das Leben. Auf dem Weg wird Ostern. Ein neuer Morgen!

"Die Sonne geht auf, Christ ist erstanden!
Die Nacht ist vorbei: Christ ist erstanden!
Die Sonne geht auf.
Vergessen sind Ängste, Not,
Kummer und Schmerzen,
wir atmen freier und singen von Herzen:
Die Sonne geht auf: Christ ist erstanden!
Die Nacht ist vorbei."

so heißt es in einem neueren Osterlied. Die Osterfreude wächst tief im Inneren des Herzen. Sie lässt Kraft schöpfen, Mut und Zuversicht. Die Mauer aus Steinen, die unüberwindlich schien, die den Weg und den Blick versperrte, ist eingerissen, das aufgehende Licht strahlt mir entgegen. Das Leben steckt voller Wunder und Geheimnisse. Aus einer tiefen Lebenskrise, lebendig und verändert aufstehen, erleben wie langsam Schritt für Schritt das Leben zurückkehrt. Beziehungen klären, Konflikten nicht ausweichen, Fühlen und Denken wieder dichter aneinander rücken. Zu neuem Leben aufstehen. Spüren wie Lebensfreude neu wächst zwischen den Höhen und Tiefen, Anspannung und Entspannung, Zuversicht und Zweifel des Lebens.

Die Schatten, die das Leben wirft, sind oft sehr lang, im eigenen Leben, im Leben der Menschen, die uns begegnen mit ihrem Kummer und Leid. Immer wieder steht man an dem Punkt, wo man das Leben zu verstehen und zu bestehen sucht. Man steht vor der Entscheidung stehenzubleiben oder aufzubrechen, loszuwandern mit offenen Augen und Herzen für die Möglichkeiten, die einem entgegen kommen.

Ich wünsche Ihnen allen zu diesem Osterfest, dass die Freude und die Ermutigung, das Leben von Ostern her in ihr Herz zieht und sie getrost loswandern lässt der aufgehenden Sonne entgegen.

Pfarrerin Susanne Peters-Streu

zum Seitenanfang   Übersicht der Themen   blättern