Frank Wendler verstorben
Neues aus der Holzkirche
von Constantin T. Huth
Neues aus der Holzkirche bedeutet nicht immer nur von Erfolgen zu berichten, von Fortschritten, Einsichten und Ausblicken, auch wenn ich dieses an dieser Stelle gerne tue.
In der Woche vor Weihnachten 2011 verstarb unser langjähriger Mitarbeiter und Freund Frank Wendler mit 53 Jahren.
Gemeinsam haben wir den BÜCHERBASAR LADEN aufgebaut, von ihm die Grundkenntnisse über das Buch im Internet erfahren. Seine positive, freundliche Art hat uns immer bereichert, für Gespräche über Bücher und die Welt war er immer bereit die Zeit zu vergessen. Die Zukunft der gedruckten Bücher haben wir oft hinterfragt und den digitalen Formen zwar die Zukunft bestätigt, aber den echten Folianten die höhere Bedeutung zugemessen. Die Bücher und die Gespräche mit den Menschen haben uns verbunden und stetig herausgefordert.
Der Tod bedeutet immer einen Verlust für die Hinterbliebenen, der Tod eines plötzlich aus dem Leben gerissenen Menschen im ähnlichen Alter bedeutet für mich etwas Anderes.
Ist es wirklich so wichtig immer neue Erfolge zu verkünden, immer mehr Kunden in unserem BÜCHERBASAR zu haben, mehr Fahrräder repariert zu haben, mehr Jugendliche betreut zu haben, eine große Veranstaltung, ein voller Terminkalender, ein Hetzen durch die Woche, machen, machen, machen, weiter, höher, schneller…
Manche Menschen rennen und rennen und kommen doch nicht durchs Ziel.
Es wäre gut zu erkennen, dass der ständige Aufbruch, das Interesse an Neuem, der tägliche Kontakt zwischen Menschen der Weg, aber damit auch das eigentliche Ziel ist. Es ist nicht immer wichtig durch das Ziel zu rennen, möglichst noch als Erster, sondern die Kraft zu haben immer wieder aufzubrechen und überhaupt eine Bewegung zu vollziehen. Die Freude am Augenblick wahrnehmen, den Moment schätzen, das kurze Gespräch am Wegesrand, die schöne Aussicht oder ein paar vorbeihuschende Töne und Klänge. Das ist das eigentliche Leben, auch wenn immer Anderes verlangt wird und so viel wichtiger zu sein scheint.
Erfolg sollte sich nicht immer in Zahlen und einem dicken Geldbeutel ausdrücken, auch wenn dieses Ziel in unserer Gesellschaft anscheinend das erste Gebot zu sein scheint.
Unermüdlich war Frank Wendler als selbstständiger Internetbuchhändler und Antiquar in Berlin unterwegs, immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, immer mit seiner Umhängetasche, um die auf Flohmärkten, in Antiquariaten und auf Basaren erworbenen Bücherschätze nach Hause zu tragen und bei Ebay & Co gleich wieder zu verkaufen.
Der Druck Erfolg zu haben hat auf ihm gelastet. Diesen Druck hat er auf Dauer nicht ertragen können. In einer Winternacht wurde er durch die Polizei aus dem Landwehrkanal gezogen, genauere Umstände sind nicht bekannt. Ein Leben ist vorbei.
Möge Frank Wendler nun viel Zeit mit Büchern verbringen, ohne den Druck des Alltags und mögen wir uns in unserem Vorwärtseilen ein wenig Einhalt gönnen und vielleicht mit einem guten Buch inne halten.
Das wäre in Franks Sinne und so wird er uns immer in Erinnerung bleiben.
Constantin T. Huth
Holzkirche e.V.
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