ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.7.2019

Rückblick auf die Gemeindefahrt mit Jürgen Barleben

von Dr. Werner Wagner

Unsere diesjährige Mehrtagesfahrt mit Dr. Peter Neumann unter der Leitung von Jürgen Barleben führte uns am 18. September ins Bergland der Oberlausitz. Über Autobahn und Landstraße ging die Anreise zunächst nach Jonsdorf, wo bereits der "Schäfer Jonas", eine bekannte Sagengestalt der Gegend, uns mit einem kleinen Imbiss erwartete und zur Ortsführung einlud. Dabei machten wir nicht nur Bekanntschaft mit seinen Schafen sondern auch mit der Ortsgeschichte, vorgetragen in einem unnachahmlichen Lausitzer Dialekt. Anschließend kehrten wir in Oybin im "Oybiner Hof" ein.


Dampfzug bei der Einfahrt in den Oybiner Bahnhof

Leider war der Montagmorgen verregnet, sodass wir den Besuch der Frottana-Weberei im Tagesprogramm vorzogen. In Großschönau blickt man auf eine lange Tuchmachertradition zurück, wobei hier von 1666-1933 echter Damast hergestellt wurde. Bereits 1856 nahm an diesem Standort der erste Frottierwebstuhl seine Tätigkeit auf. Um die Mittagszeit trafen wir in der Ausflugsgaststätte "Gondelfahrt" ein, wo uns in der Gaststätte ein 230 Jahre alter riesiger Kachelofen beim Mittagessen wohlige Wärme schenkte. Gut gestärkt besichtigten wir später die am Fuße des Oybins gelegene barocke Hochzeitskirche von 1734. Auf dem Rücken dieses bienenkorbartigen Sandsteinmassivs erheben sich die Überreste eines spätgotischen Kaiserpalais und Klosters Oybin. Die Reformation beendete 1650 das Klosterleben und gänzlich ungenutzt verfiel die gesamte Anlage. Wieder entdeckt wurde sie hauptsächlich von den Romantikern Caspar David Friedrich und Ludwig Richter. Auch der nahegelegene "Töpfer" war leider meist wolkenverhüllt und verweigerte uns so den Panoramablick nach Tschechien und Polen hinüber.

Nach einer Nacht in frischer Gebirgsluft besserte sich das trübe Wetter am Dienstag, sodass einer Führung durch Zittau nichts entgegenstand. Im Zentrum dieser Stadt künden viele mehrstöckige barocke Bürgerhäuser von einstigem Reichtum, den sie durch Tuchmacherei und Salzhandel erwarb. Sie lag verkehrsgünstig an der wichtigsten Straße von Prag zur Ostsee, welche in Görlitz die "Via Regia" kreuzte. Über diesen Handelsweg fanden im 30 jährigen Krieg tausende böhmische Protestanten in der Zittauer Gegend eine neue Heimat und gaben der dortigen Wirtschaft mit ihrem Wissen einen ungeahnten Aufschwung. Vom wichtigsten Handelsgut im Mittelalter zeugt das im Stadtkern gelegene "Alte Salzhaus". Hier wurde das weiße Gold in mehreren Etagen sicher eingelagert. Sein jetziges Aussehen hat dieses Wahrzeichen Zittaus seit 1511, in dem man heute rustikal speisen und später ins Theater gehen kann. Des weiteren befindet sich in der Kirche zum "Heiligen Kreuz" die größte Museumsvitrine der Welt, in der das "große Zittauer Fastentuch" aufbewahrt wird. Dieses Textilkunstwerk von 1492 zeigt 90 Szenen aus der Bibel von der Erschaffung der Welt bis zum Jüngsten Gericht. Mit ihm verhüllte man damals während der Fastenzeit in der Zittauer Hauptkirche St. Johannes den Altarraum. Erwähnenswert ist auch die neben der Fleischerbastei angelegte Blumenuhr mit ihrem herrlichen Glockenspiel zu jeder vollen Stunde.

Nachmittags ging es durch das Zittauer Gebirge vorbei an der 753m hohen "Lausche" ins Gebiet der Spreequellen. Es befindet sich in einem Dreieck, das von Ebersbach, Neugersdorf und dem Berg Kottmar gebildet wird. Die größte Quelle entspringt in Ebersbach, über der ein kleiner gusseiserner Pavillon aus dem 19. Jahrhundert steht. Durch das angrenzende Lausitzer Bergland, in dessen Niederungen alte Weberdörfer mit ihren traditionellen Umgebindehäusern kauern, kehrten wir gegen Abend ins Hotel zurück.

Am Mittwoch, unserem Abreisetag, lud uns bei herrlichem Wetter ein Dampfzug am Oybiner Bahnhof mit offenem Wagen zur Fahrt nach Zittau ein, die uns noch einmal die dicht bewaldete Berglandschaft der Oberlausitz genießen ließ. An der Endstation wechselten wir in unseren Bus und streiften auf dem Weg durch das Neißetal viele ehemalige geflutete Braunkohlegruben, die heute eine wasserreiche Seenlandschaft darstellen, ehe wir in Ostritz uns im Zisterzienserkloster St. Marienthal einfanden. Tief im engen Tal liegt es an einer Flusskrümmung der Neiße und besitzt den östlichsten Weinberg Deutschlands. Zurückgehend auf eine böhmische Gründung von 1234 besteht das Kloster ununterbrochen 777 Jahre und wurde nach einem Brand 1683 im böhmischen Barockstil wieder errichtet. Nach der Wende entstand 1992 aus den weitläufigen landwirtschaftlichen Wirtschaftsgebäuden ein bekanntes internationales Begegnungszentrum. Leider ist die Klosteranlage momentan nur teilweise zu besichtigen, da im Sommer 2010 kurz nach Abschluss der Renovierungsarbeiten ein verheerendes Hochwasser erneut eine mühevolle Instandsetzung notwendig machte. Weiterhin entlang der Neiße erreichten wir bei Görlitz das dünn besiedelte Oberlausitzer Heide- und Teichland bevor wir bei Forst die Autobahn nach Berlin erreichten und uns aus der Lausitz verabschiedeten.

Dr. Werner Wagner