Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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13.12.2019

Zur Jahreslosung 2012

von Pfarrerin Susanne Peters-Streu

Nun liegt wieder ein neues Jahr vor uns. Leer und unbeschrieben wie ein weises Blatt.


Foto: Lehmann

Aber wir, wir kommen mit dem schon gelebten Leben, mit dem vergangenen Jahr, mit unseren Erfahrungen und Prägungen, mit Wissen und Erkenntnis. Eltern, Geschwister, Freunde, Ehepartner, Vorgesetzte, das Land in dem wir geboren sind, dies alles hat uns geprägt. Die Zeit in der wir aufgewachsen sind, hat uns beeinflusst. So bin ich geworden, was und wie ich jetzt bin.

Wenn ich mein Leben betrachte, dann gibt es manch Gelungenes. Es gibt Freude über Situationen, die bewältigt sind. Engagement, das beglückt, Schweres das durchgestanden ist. Es gibt Zeiten, in denen das Leben erfüllt ist.

Und es gibt die anderen Zeiten. Ich fühle mich vom Leben abgeschnitten. Die Fülle ist woanders. Zeiten die bedrückend sind. Zeit voll Schuld. Zeiten in denen die eigenen Verstrickungen und die Verstrickungen in denen ich die Welt erlebe mich fest binden. Beziehungen sind gestört. Ich erschrecke über die Möglichkeiten, die auch in mir sind. Lieblosigkeit, Hass, Gleichgültigkeit, Unverständnis. Ich leide an der Unerlöstheit dieser Welt, an Unrecht und Leid und Not, an der Angst die Welt, auch ich selber könnte verloren gehen.

So zwischen den Wellen des Lebens auf und abgetrieben, gibt es die Fragen: Wovon will ich mich im neuen Jahr leiten lassen? Wie mit mir und anderen umgehen? Wo will ich Zeit und Kraft investieren und wie mit meinen Grenzen umgehen?

Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Dieser Satz, die Jahreslosung, eine Wegweisung und Begleitung im Neuen Jahr?

Paulus ist angefochten. Ihm weht ein scharfer Wind aus der Gemeinde entgegen. Seine Glaubwürdigkeit und Autorität sind angefragt. Paulus leidet unter der Situation und er leidet körperlich, was genau ihn quält? Er nennt es: Mir ist ein Pfahl ins Fleisch gegeben, so als dürften die Engel des Satans ihn schlagen. Dreimal hat er seinen Herrn darum gebeten, ihm diese Schwachstelle zu nehmen.

Vergeblich.

So schreibt er an die Korinther: "Aber der Herr hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig."

Gottes Kraft entfaltet sich, wo Schwachheit ist. Das hebt unser Denken und Handeln aus den Angeln. Das ist so gegen alles was unsere Welt bestimmt, was wir zurzeit zu hören bekommen.

chwachheit ist bei Gott kein Makel. In der Zerbrechlichkeit unseres menschlichen Lebens zeigt sich Gott. Bis hin ans Kreuz ist er gegangen.

Der Schwäche Raum geben, der eigenen und der der andern. Ob damit neues Gottesvertrauen wächst? Und Hoffnung lebendig bleibt? Und Sehnsucht zum Ziel kommt?

Bonhoeffer formulierte: Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Und er hat gesagt: Jeder neue Morgen ist ein neuer Anfang unseres Lebens. Jeder Tag ist ein abgeschlossenes ganzes. Der heutige Tag ist die Grenze unseres Sorgens und Mühens. Er ist lang genug, um Gott zu finden oder zu verlieren, um Glauben zu halten, oder in Schande zu fallen. Darum schuf Gott Tag und Nacht damit wir nicht im Grenzenlosen wandern, sondern am Morgen schon das Ziel des Abends vor uns sähen.

Damit wir nicht im Grenzenlosen wandern. Kann dies Wissen um die Grenze, auch die Grenze der Lebenszeit nicht Gelassenheit schenken und uns getrost wandern lassen durch unsere Lebenszeit?

Ich wünsche Ihnen das Vertrauen dass Gottes Gnade genügt, seine Kraft wirkt.

Pfarrerin Susanne Peters-Streu

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