Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Gemeindezentrum CelsiusstraßeGemeindehaus Ostpreußendamm
Gemeindehaus ParallelstraßeDorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Januar 2012

13.11.2019

Beschämende Entdeckung: rechtsextremistische Bedrohung zu lange verharmlost

Asyl in der Kirche e.V., Berlin

"Asyl in der Kirche e.V., Berlin" reagiert mit Entsetzen und Beschämung auf die jetzt bekannt gewordene Blutspur, die eine neonazistische Terrorzelle über Jahre hinweg in Deutschland hinterlassen hat. Dabei gilt unsere Anteilnahme und unser Mitgefühl den Angehörigen aller Mordopfer. Wir schämen uns, dass so etwas in Deutschland nach all den Erfahrungen der Vergangenheit erneut geschehen konnte.

Wir verstehen nicht, dass bei all diesen Taten ein fremdenfeindlicher Hintergrund nicht ernsthaft genug erwogen und in die Ermittlungen einbezogen wurde. Stattdessen wurde man zum Opfer selbst erzeugter Vorurteile und suchte die Täter vorrangig im "kriminellen Ausländermilieu". Schlimmer noch: Mit der flapsigen Bezeichnung als "Dönermorde" werden die Angehörigen der Opfer ein weiteres Mal verhöhnt.

Eine Gesellschaft, bei der Ausländerfeindlichkeit und Islamophobie bis in ihre Mitte vorgedrungen ist, wird blind gegenüber denen, die dieses Gedankengut in blutige Taten umsetzen. Dafür schämen wir uns und sind mit unseren Gedanken bei den Angehörigen der Opfer. Wir beklagen, dass die Unkultur des Wegsehens und der Gleichgültigkeit, das bewusste Herunterspielen der Gefährlichkeit des Rassismus und rechtsextremer Gruppierungen weite Teile der Gesellschaft und offenbar auch Ermittlungsinstanzen erreicht hat.

Ohne den angelaufenen Untersuchungen vorgreifen zu wollen, scheint ein breit gefächertes Netzwerk von Unterstützer/innen in unterschiedlichen Milieus diese entsetzlichen Taten erst möglich gemacht zu haben. In unserer jahrzehntelangen Arbeit mit Flüchtlingen und Migrant/innen sind wir des Öfteren auf diesen Rassismus gestoßen.

Es ist nicht wirklich neu und auch nicht überraschend. Seit 1990 haben nach Recherchen der Wochenzeitung "DIE ZEIT" bereits 147 ausländische Mitbürger/innen dabei ihr Leben verloren.

Wir rufen dazu auf, ein jetzt hoffentlich einsetzendes breites gesellschaftliches Umdenken aktiv zu unterstützen und die Unkultur des Verharmlosens und Wegesehens bei Rechtsextremismus und Rassismus zu beenden. Nur so können Flüchtlinge und Migrant/innen wirksam geschützt werden.

Selbstverständnis

Asyl in der Kirche Berlin gehört zur bundesweiten Kirchenasylbewegung, die sich in der Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche zusammengeschlossen hat.

In Berlin begann die ökumenische Initiative Asyl in der Kirche 1983 mit dem ersten Kirchenasyl.

"Der Verein Asyl in der Kirche setzt sich zum Ziel, Flüchtlinge unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Religion oder Weltanschauung zu unterstützen, auf ihre Lage aufmerksam zu machen, ihre Interessen öffentlich zu vertreten und zu einer Verständigung zwischen ihnen und der hiesigen Bevölkerung beizutragen. In der Wahrnehmung seiner Aufgaben handelt der Verein aus christlicher Verantwortung. Er versteht sich als ökumenischer Zusammenschluss und tritt für religiöse Toleranz ein." ( aus der Satzung des Vereins)

Asyl in der Kirche unterhält in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin-Kreuzberg eine Flüchtlingsberatungsstelle, die Hilfe suchende Flüchtlinge in rechtlichen Fragen ihres Aufenthaltes und bei sozialen Problemen unentgeltlich berät.

Darüber hinaus unterstützt Asyl in der Kirche Kirchengemeinden bei Fragen des Flüchtlingsschutzes bis hin zur Beratung beim Kirchenasyl.

Seit einigen Jahren setzt sich Asyl in der Kirche für Menschen ohne Papiere ein. Neben der Beratung leistet Asyl in der Kirche Nothilfe, u. a. durch Vermittlung von Gästewohnungen.

Asyl in der Kirche versteht sich auch als Anwalt von Flüchtlingen in der Öffentlichkeit. Dazu finden Informationsveranstaltungen und Gottesdienste statt, und es werden regelmäßig Informationsmaterialien erarbeitet.

zum Seitenanfang

Lesen Sie zu diesem Thema auch:

zum Seitenanfang   Übersicht der Themen   blättern