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20.7.2019

Indien – Der Aufstand der Ausgebeuteten
Brot für die Welt – Projektbeispiel

Der indische Bundesstaat Jharkhand ist reich an Rohstoffen: Hier gibt es Kohle, Eisenerz, Kalkstein und Uran. Für deren rücksichtslose Ausbeutung werden vor allem Ureinwohner von ihrem Land vertrieben. Mit Unterstützung von "Brot für die Welt" hilft die Organisation BIRSA den Menschen, sich zu wehren.

Eigentlich bereiten die Bewohner von Chhota Guntia Fremden einen freundlichen Empfang – mit Blumengirlanden, Trommeln, Tänzen und selbst vergorenem Reiswein. Auch als die Mittelsmänner eines großen Stahlkonzerns in das 700-Seelen-Dorf kamen, begegnete man ihnen zunächst mit Respekt. Doch schnell schlug die Stimmung um. "Sie wollten unsere Felder am Fluss kaufen und unsere Höfe am besten gleich mit", so Narayan Singh Hembrom.

Noch in den 1930er Jahren stellten die Ureinwohner in Jharkhand 70 Prozent der Bevölkerung. Heute machen die so genannten Adivasi nicht einmal mehr ein Drittel aus. Der rückständige Bundesstaat im Nordosten Indiens verfügt über große Vorkommen an Kohle, Eisenerz, Kalkstein und Uran. Für die Errichtung von Minen und Industrieanlagen werden die Adivasi mit falschen Versprechungen, Enteignungen oder physischer Gewalt vertrieben. Haben sie erst einmal Grund und Boden verloren, finden sie sich oft in den Slums der Großstädte wieder.

Die von "Brot für die Welt" unterstützte Organisation BIRSA setzt sich seit mehr als 20 Jahren für die Rechte der Ureinwohner von Jharkhand ein. Die Mitarbeitenden halten Kontakt zu den Dörfern, tragen Informationen zusammen und klären die Adivasi über ihre Rechte auf. "Die meisten Adivasi in den Dörfern sind Analphabeten, sie glauben, die Regierung und die Konzerne dürften alles", erklärt Chandra Bhushan Deogam, Direktor des Menschenrechtszentrums von BIRSA.

Auch der Bürgermeister von Chhota Guntia nahm Kontakt zu BIRSA auf, um das Land der Ureinwohner zu schützen. Mitarbeitende der Organisation führten Informationsveranstaltungen und Versammlungen durch, schrieben Petitionen, sprachen mit lokalen Politikern und organisierten eine große Demonstration. Mit Erfolg: Der Stahlkonzern ließ von seinem Vorhaben ab, das über 10.000 Menschen in 16 Dörfern die Existenzgrundlage entzogen hätte.

Auch Kuni Kui Hembrom hat an den Protestveranstaltungen teilgenommen. Die 65-Jährige hockt auf den Stufen zu ihrem Lehmhaus. Auf die Frage, warum sie demonstrieren gegangen ist, blickt sie mit klaren Augen über ihren Hof: "Wo und wovon sollten wir denn ohne unser Land leben?"

Jema Titingal, 39, weiß: "Ohne eine gute Organisation und ein einheitliches Auftreten haben wir keine Chance."

"Als die Mittelsmänner des großen Stahlkonzerns kamen, um unsere Felder unten am Fluss zu kaufen, herrschte im Dorf schnell Einigkeit. Wir wollten unser Land behalten, egal was sie uns versprachen. Ich kenne Familien, die wegen des Baus eines Staudammes ihr Ackerland verloren haben. Sie wissen nicht einmal mehr, wo sie den Lehm herbekommen sollen, um ihre Häuser zu reparieren. Andere mussten ganz fort, um sich als Tagelöhner durchzuschlagen. Ich kann weder lesen noch schreiben. Meine Anwesenheit auf der Dorfversammlung quittiere ich mit dem Abdruck meines Daumens. Aber dank der Leute von BIRSA kenne ich inzwischen meine Rechte. Niemand kann uns ohne unsere Zustimmung unser Land nehmen. Wir haben Petitionen verfasst und sind mit den Betroffenen aus den anderen Dörfern zu den lokalen Politikern gegangen. Ohne eine gute Organisation und ein einheitliches Auftreten haben wir keine Chance. Wir Frauen haben sogar einen der Mittelsmänner aus dem Dorf gescheucht. Angst haben wir keine. Schließlich geht es um unsere Existenz."

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Brot für die Welt, 500 500 500
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