ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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24.3.2019

Papstbesuch
Das Wort des Bischofs

von Bischof Dr. Markus Dröge

17. Oktober 2011.

Enttäuschend, irritierend, eine verpasste Chance. So die Kommentare zum Papstbesuch. Oder aber: Selber schuld. Dumm, wer von Benedikt XVI. etwas für die Ökumene erwartet hat. Aber so einfach ist es nicht. Immerhin war es der Papst selbst, der die Erwartungen geweckt hat: ein persönlicher Brief an Präses Schneider, der Besuch in Erfurt.

Jetzt ist Nüchternheit angesagt. Wir Evangelischen können leidenschaftslos feststellen, dass dieser Papst weder ein Konzept für die Ökumene mit den reformatorischen Kirchen hat, noch eine Idee für die theologische Weiterarbeit, wie sein Vorgänger. Weder auf die Vorarbeit am Amtsverständnis ist er eingegangen, noch hat er den Faden der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre aufgenommen oder die Chance ergriffen, die im gemeinsamen Taufverständnis verborgen liegt.

Ebenso nüchtern ist festzustellen: Die Haltung des Papstes berührt nicht unser evangelisches Selbstverständnis. Wir warten nicht auf ökumenische Geschenke – das war das päpstliche Missverständnis in Erfurt. Wir erwarten vielmehr eine ernste Auseinandersetzung, welches Kirchenverständnis dem Evangelium Jesu Christi am besten entspricht. Wir sind evangelisch aus gutem biblischen Grund. Anders als der Papst im Berliner Olympiastadion brauchen wir uns keine Sorge um die Heiligkeit der Kirche zu machen, wenn und sofern wir uns im Vertrauen auf das Evangelium gerechtfertigt wissen. Anders als der Papst in Erfurt würdigen wir nicht nur die Fragestellung Luthers nach einem gnädigen Gott, sondern auch die reformatorische Antwort: das Vertrauen auf Christus allein, das Wort allein, die Gnade allein. Anders als der Papst in Freiburg reden wir nicht von "Entweltlichung". Wir glauben mit Paulus, dass der wahre Gottesdienst im Alltag der Welt stattfindet.

Der ökumenische Streit muss also nicht um des evangelischen Selbstverständnisses willen geführt werden, sondern um die rechte Auslegung des Evangeliums. Streit ist nötig für die Frauenordination, damit die vollständige Christuswirklichkeit nach Galater 3,28 im Amt bezeugt wird; für die Rechte der gleichgeschlechtlich Liebenden, weil auch ihnen die ungeschmälerte Gottebenbildlichkeit zugesprochen ist; für die synodale Gestalt der Kirche, weil jeder getaufte Christenmensch in die Verantwortung für die Gemeinde Christi gerufen ist; für unsere Form der Einladung zum Abendmahl, weil Christus selbst alle Getauften zu Brot und Wein willkommen heißt.

Enttäuschend war der Papstbesuch für unsere römisch-katholischen Geschwister. Kein Wort zur Reformbedürftigkeit ihrer Kirche oder zur Gewissensentscheidung derer, die mit ihrem evangelischen Partner dem Ruf Jesu zum gemeinsamen Abendmahl folgen wollen. Keine empathische Reaktion auf die Bitte des Bundespräsidenten, barmherzig mit gebrochenen Biographien umzugehen. Nichts Versöhnliches zu den Streitthemen und den Flügelkämpfen innerhalb der katholischen Kirche. All dies muss auch jeden evangelischen Christen, dem die Gemeinschaft mit den römisch-katholischen Geschwistern ans Herz gewachsen ist, betrüben: Denn "Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit" (1. Kor. 12, 26).