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24.5.2019

Bücher im Herbst

von Torsten Lüdtke

Es ist November: Traurig grauem Regenwetter sind die letzten, milden Herbstsonnenstrahlen gewichen; die Tage werden merklich kürzer und die Abende deutlich länger. – Wenn Dunkelheit, Nebel und Regen den Aufenthalt im Freien nahezu unmöglich machen, wählen wir gern einen bequemen Platz auf dem Sofa – vielleicht auch in der Nähe des warmen Ofens – und nehmen einen spannenden Roman oder ein interessantes Sachbuch zur Hand.

Bultmann, Rudolf: Wachen und Träumen, hrsg. Von Werner Zager. Mit Zeichnungen von Urselies Till, Berlin: Wichern 2011. ISBN: 978-3-88981-311-4, € 12,90

Thol-Hauke, Angelika: Kochen durchs Kirchenjahr – Bräuche und Rezepte. Eine kulinarische Theologiegeschichte. Mit Illustrationen von Violetta Neubauer, Berlin: Wichern 2011. ISBN: 978-3-88981-323-7, € 14,90

Leschonski, Antje: Märkische Engel 2012, Kalender mit 13 Farbabildungen, Berlin: Wichern 2011. ISBN : 978-3-88981-319-0, € 12,95

Kein spannender Roman, doch mit dem zauberhaften Bändchen "Wachen und Träumen", dem sehr ansprechenden und unterhaltsamen Sach- bzw. Kochbuch "Kochen durchs Kichenjahr" und den "Märkischen Engeln" liegen drei Neuerscheinungen des Wichern-Verlages vor mir.

Drei blonde, musizierende Engel aus der Stiftskirche zu Heiligengrabe zieren das Titelblatt des zuletzt genannten Werkes, doch durch den Untertitel – die Jahreszahl 2012 – wird schnell klar, dass es sich dabei nicht um ein Buch im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr um einen Kalender für das kommende Jahr handelt. Drei Fotografen und eine Fotografin, Detlef Witt, Andreas Mieth, Dirk Jacob sowie Heike Schulze, haben in der Uckermark, in der Prignitz, im Fläming – aber auch in Berlin – Engel fotografiert. Heiter oder melancholisch, anmutig oder bäuerlich-derb kommen sie daher, die Engel in den berlin-brandenburgischen Kirchen, die uns 2012 in der sechsten Ausgabe des Foto-Kalenders "Märkische Engel" still durch das Jahr begleiten. Eine kurze Einführung und Erklärungen zu den Bildern von Antje Leschonski, die sich als Herausgeberin in vier Bänden schon den "himmlischen Gefährten" gewidmet hat, runden das bunte und verschiedengestaltige Bild ab. Wenn jeder Kalender ein guter Begleiter für ein Jahr sein will, so ist der Kalender "Märkische Engel" sicherlich der ideale Gefährte für das Jahr 2012.

Als Lektüre für einen regnerischen Abend und ebenfalls als Begleitung durch das ganze Jahr eignet sich das Sach- und Kochbuch "Kochen durchs Kirchenjahr" von Angelika Thol-Hauke. Ganz nach der Devise des Volksmundes "Essen hält Leib und Seele zusammen" lädt uns die Professorin für systematische Theologie zu einer kulinarischen Reise durch die Theologiegeschichte ein, und erklärt dabei eloquent und kenntnisreich verschiedene jahreszeitliche Bräuche und Rezepte; so erfährt der Leser auch offensichtliche Gemeinsamkeiten und geheimnisvolle Zusammenhänge: Was beispielsweise hat das Martinsfest mit der Gans zu tun? Oder: Was ist ein Martinihörnchen?

Diese wie auch viele weitere Fragen, beantwortet Angelika Thol-Hauke ebenso anschaulich wie ausführlich und gibt dazu für Spezialitäten wie das Breslauer Martinihörnchen (eine den Kindern in Breslau zum Martinstag geschenkte Süßigkeit) das Back- oder Kochrezept an; dabei zeigt sie, dass sie nicht nur eine leidenschaftliche Theologin, sondern auch eine begeisterte Köchin ist. Herausgekommen ist ein echtes Hausbuch, das geistige Erbauung und leibliches Wohl (übrigens ganz im Sinne der schon zitierten Volksweisheit!) auf das Schönste vereint.

Das letzte Werk, das auf meinem Tisch liegt, ist das kleine, von Werner Zager herausgegebene Bändchen "Wachen und Träumen". Hier sind vier märchenhafte Erzählungen versammelt, die aus der Feder des berühmten Marburger Theologen Rudolf Bultmann (1884-1976) stammen und selbst eine eigene märchenhafte Geschichte haben: Als noch unbekannter Privatdozent schrieb Bultmann die – nicht für die Publikation bestimmten – Erzählungen. Ähnlich wie der Chirurg Richard (von) Volkmann (Richard Leander, 1830-1889) die Märchen der "Träumereien an französischen Kaminen" den Briefen aus Frankreich an seine Familie beilegte, gab Bultmann in den Jahren 1916 und 1917 seine Märchen vier Briefen an seine spätere Frau Helene Feldmann bei. Aber nicht nur ein verwandter Entstehungszusammenhang und ein ähnlich klingender Titel – hier "Träumen", dort "Träumereien" – verbindet die beiden Bücher miteinander; auch in Stoff und Erzählweise sind die Märchen Bultmanns denen Volkmanns in vielem ähnlich: Mal kommen sie lyrisch zart daher, wie das "Traum-Märchen" oder das "Märchen von goldenen Vlies", mal sind derb-drollig und doch anrührend, wie etwa die "Geschichte von Klumpe-Dumpe, der die Treppe herunterfiel und doch die Prinzessin kriegte". Die Erzählungen des von Urselies Till illustrierten Bändchens lassen eine neue, andere Façette der Person des vielseitig begabten Theologen Bultmann aufscheinen. Keineswegs ist das Büchlein, wie Vorwort und Einführung nahelegen wollen, nur für Erwachsene geeignet, auch Kinder wissen die phantasievollen Märchenerzählungen zu schätzen und zu lieben.

Mit "Wachen und Träumen" haben wir nun wirklich ein Werk, das uns, wie eingangs beschrieben, angenehm dabei helfen kann, einen trüben Herbst- oder Winterabend auf dem bequemen Sofa zu verbringen und uns vielleicht sogar zu eigenen Träumereien an der warmen Heizung anregt … Mit dem Band "Kochen durchs Kirchenjahr" und dem Kalender "Märkische Engel 2012" liegen außerdem zwei Werke vor, die uns auch im Jahr 2012 begleiten wollen und die sich natürlich auch gut als Geschenkidee für das nicht mehr allzu weit entfernte Weihnachtsfest eignen!