ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.7.2019

Gedanken zum Monatsspruch

von Pfarrerin Susanne Peters-Streu

Welche stärkende und tröstliche Verheißung gibt Christus uns Menschen hier mit auf dem Weg. Ich denke an die zwei Jünger Jesu, die sich nach Jesu Tod auf den Weg von Jerusalem in das kleine Dorf Emmaus gemacht haben.

Foto: Maren Beßler@pixelio.de

Traurig und resigniert, die Hoffnung in ihnen zerbrochen, so laufen sie los und bald gesellt sich ein Dritter zu ihnen. Ihre Augen sind gehalten, so beschreibt die Bibel, dass sie nicht erkennen, wer da mit ihnen unterwegs ist. Später sagen sie: Brannte nicht unser Herz, als er mit uns ging?"

Jesus ist die Gemeinschaft der Menschen wichtig. Er führt zusammen, geht zu denen am Rande, zu den Ausgeschlossenen, Ausgestoßenen. Er schickt seine Jünger immer zu zweit auf den Weg. Christen sind Menschen in Gemeinschaft, das miteinander, die Begegnung, den anderen im Blick haben, sich in seinem Namen treffen sind Zentrum und tragendes Fundament des Lebens. Ob menschliches Leben gelingt oder scheitert, vollzieht sich doch in der Begegnung mit dem anderen.

Die Gemeinde versammelt sich in seinem Namen Sonntag für Sonntag im Gottesdienst. Gemeinsam singen und beten, hören und schweigen, für mich ist das immer etwas Besonderes, zusammen sein mit anderen Menschen verbunden und aufmerksam, vertrauend auf die Zusage der Gegenwart Gottes.

Und dabei kommt es nicht auf die große Zahl an, zwei oder drei, die Verheißung braucht nicht Hunderte. Und doch, wenn ich gefunden habe, was das Leben trägt und reich macht, ich möchte weiter geben, teilen. Es stärkt, wenn sich eine große Gemeinde versammelt, so wie beim Kirchentag in Dresden auf den Elbwiesen. Es tut gut, dass am Heiligabend die Kirche so oft hintereinander bis an den Rand gefüllt ist und viele kommen. Es ist schwer und entmutigend sich immer wieder den Prognosen zu stellen: Ihr werdet weniger, die Zahl der Kirchenmitglieder nimmt ständig ab.

Vor kurzem ist mir eine für mich sehr ermutigende Geschichte begegnet, ich kenne weder Autor noch Fundort. Sie erzählt von einem Kloster, das durch harte Zeiten ging. Der Orden war so geschrumpft, dass es nur noch vier Mönche und ihren Abt gab, alle waren alt, bald würde es diese Gemeinschaft nicht mehr geben.

In der Nähe des Klosters, das tief in den Wäldern lag, gab es eine kleine Hütte, die von einem Rabbi aus der nahen Stadt als Einsiedelei genutzt wurde. In Sorge um seine immer kleiner werdende Gemeinschaft ging der Abt eines Tages zum Rabbi. Es schien ihm, dass der Rabbi ihm möglicherweise einen klugen Rat geben konnte, wie das Sterben des Ordens doch noch zu verhindern sei. Der Rabbi hieß den Abt in seiner Hütte willkommen. Aber er konnte ihm auch nicht helfen. "Ich weiß, wie das ist", erklärte er, "Der Geist hat die Menschen verlassen. In meiner Stadt ist es genau dasselbe. Fast niemand kommt mehr zur Synagoge", berichtete er. Und der Abt und der Rabbi weinten miteinander. Dann lasen sie Abschnitte aus der Thora und hatten miteinander tiefe Gespräche. Zum Abschied umarmten sie einander. Es war ein wunderbares Geschenk, dass wir einander begegnen konnten, sagte der Abt, dennoch habe ich für die Lösung unseres Problems hier keinerlei Ansatz gefunden. Ist da denn gar nichts, was Du mir sagen könntest? Gibt es nicht den leisesten Rat, den Du mir geben könntest, damit ich meinen sterbenden Orden retten könnte?

Dem Rabbi tat es leid, nein, ich kann dir keinen Rat geben. Das einzige, was ich Dir sagen kann, der Messias könnte einer von euch sein.

Der Abt kehrte zum Kloster zurück. Die Brüder bedrängten ihn, nun, was hat der Rabbi gesagt? Der Abt hatte nur die Botschaft auch er kann uns nicht helfen. Wir konnten nur miteinander beten und die Thora studieren. Das einzige, was er sagte, ganz kurz bevor ich ihn verließ – es hörte sich ziemlich rätselhaft an – war, dass der Messias einer von uns sein könnte. Ich habe keine Ahnung, was er damit meinte.

Nun grübelten die Mönche über diesen Satz. Der Messias könnte einer von uns sein. Bestimmt war der Abt gemeint, er ist der Leiter, oder war vielleicht Bruder Thomas gemeint, er ist wahrhaftig ein heiliger Mann. Oder vielleicht doch eher Bruder Phillip, er ist einfach immer da, wenn man ihn braucht. So überlegten alle und bald dachten sie auch, ob der Rabbi mich gemeint hat, nein das kann nicht sein, ich bin eine ganz gewöhnliche Person. Stell Dir vor, ich sei der Messias?! Oh Gott, nicht ich, Ich könnte in Deinem Leben nie so viel bedeuten,...oder?!

Während sie diese Gedanken hin und her bewegten, begannen die alten Mönche einander mit außerordentlichem Respekt zu behandeln, – immerhin war die Chance ja groß, dass einer von ihnen der Messias war. Und trotz der nur winzig-winzig-kleinen Chance, dass jeder von ihnen selbst der Messias sein könnte, begannen sie auch, sich selbst mit außerordentlichem Respekt zu behandeln.

Der Wald, in dem das Kloster lag, war sehr schön, so dass viele Menschen einen Ausflug in diese Gegend unternahmen. Im alten Klostergarten machten sie Picknick, freuten sich an den Rosen, gingen manchmal sogar in die baufällige Kapelle. Und wenn sie an diesem Ort des Klosters waren, nahmen sie wahr, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu werden, welch einen außerordentlichen Respekt an diesem Ort einer dem anderen entgegenbrachte, – und wie sehr das zur Ausstrahlung des Klosters beitrug. Da war etwas merkwürdig Anziehendes in der Atmosphäre dieses Ortes. Ohne sich zu fragen, warum? kehrten die Leute gern und häufiger zu diesem Haus zurück um zu picknicken, zu spielen und – zu beten. Sie begannen, ihre Freunde mitzubringen, um ihnen zu zeigen, was für ein außerordentlicher Ort das sei. Und die Freunde brachten ihre Freunde.

Und dann geschah es, dass einige der jüngeren Männer, die das Kloster besuchten, sich in immer längere und tiefere Gespräche mit den alten Mönchen einließen. Nach einiger Zeit fragte einer, ob er bitte bleiben und zu ihrem Orden gehören dürfe. Dann ein anderer. Und ein weiterer. Und innerhalb einiger Jahre ist das Kloster wieder zu einem blühenden Orden geworden und dank des Geschenk des Rabbi zu einem pulsierenden Zentrum von Licht und Geistlichkeit in der ganzen Gegend.

Die Zusage gilt uns: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Ich wünsche uns ein offenes Herz und viel lebendiges Miteinander.

Pfarrerin Susanne Peters-Streu