ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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13.12.2018

Vor 100 Jahren wurde die Pfarrkirche Mater-Dolorosa gebaut

Anfangsjahre

Der auch als "Bettelkuratus" bekannte Maximilian Beyer, der katholische Pfarrer der Gemeinde Heilige Familie in Groß-Lichterfelde, war Anfang des 20. Jahrhunderts in ganz Deutschland unterwegs, um für sein damaliges Anliegen Geld zu sammeln. 1911 hatte er endlich genügend Geld zusammen, um für die Lankwitzer Kuratie, die am 1. April 1911 eine eigene Gemeinschaft innerhalb seiner Gemeinde gebildet hatte, die Pfarrkirche Mater Dolorosa zu bauen.

Die Finanzierung konnte auch durch die Aktivitäten des in Lankwitz ansässigen Katholischen Kirchbau-Sammelvereins gesichert werden. Nur wenige Tage später, am 9. April 1911, wurde Franz Nafe zum Kuratus der Kuratie ernannt, und am 20. August 1911 konnte endlich der Grundstein der Kirche feierlich und unter großer Anteilnahme der Berliner Bevölkerung gelegt werden.

Nach der Weihe der ersten Glocken der Kirche am 1. September 1912 erfolgte am 22. September 1912 durch den zuständigen Breslauer Weihbischof Karl Augustin die Konsekration der von den Architekten Christoph Hehl und Carl Kühn in der Form einer Kreuzbasilika entworfene Kirche.

Am 1. Oktober 1914 kam mit Ferdinand von Prondczynski der erste Kaplan in die Gemeinde. Nachdem Lankwitz am 1. Oktober 1920 zu Groß-Berlin eingemeindet worden war, wurde die Kuratie Mater Dolorosa am 21. Mai 1921 unter dem nach wie vor amtierenden Kuratus Franz Nafe eine eigenständige Pfarrei. Ein gutes Jahr später, am 3. September 1922, wurden die drei neuen Glocken des Kirchturms geweiht, da zwei der ersten Glocken während des ersten Weltkriegs eingeschmolzen worden waren. 1923 bekam Berlin schließlich einen eigenen Weihbischof, Josef Deitmer, der schon elf Jahre zuvor bei der Kirchweihe von Mater Dolorosa anwesend war.

Der erkrankte Pfarrer Franz Nafe wurde am 1. Oktober 1939 durch seinen Nachfolger Dr. Johannes Pinsk, der zuvor als Nachfolger von Carl Sonnenschein in der Berliner Akademikerseelsorge aktiv war, abgelöst.

Die Gemeinde hatte sich bereits unter Pfarrer Nafe mit Gregorianischem Choral vertraut gemacht. Kaplan Norbert Schulz und Pfarrer Dr. Pinsk sorgten dafür, dass in der Gemeinde eine Choralschola eingeführt wurde, die regelmäßig Gottesdienste gestaltete.

Zerstörung der Kirche

Nachdem bereits am 2. März 1943 eine Brandbombe in das Pfarrhaus einschlug, ohne zu zünden, und am 23. März eine weitere Phosphorbombe die Kirche traf und ein Feuer ausbrach, das schnell gelöscht werden konnte, wurde das Kirchengebäude in der Nacht vom 23. auf den 24. August 1943 durch einen Bombenangriff schwer beschädigt und brannte vollständig aus. Die Sakristei und das Pfarrhaus konnten vor dem Übergreifen der Flammen geschützt werden. Die Reste der Bombe und ein verkohlter Dachbalken sind in der Kreuzkapelle der Kirche zur Erinnerung und Mahnung zu sehen.

Wiederaufbau der Kirche

Der Wiederaufbau des Kirchenschiffes erfolgte nach dem Krieg. Am 2. April 1950 – es war der Palmsonntag – wurde der erste Gottesdienst in dem als Gottesdienstraum eingerichteten Querschiff des zerstörten Kirchengebäudes gefeiert. Das Hauptschiff blieb nach dem Vorbild der Klosterkirche der Abtei Maria Laach, bei der Pfarrer Johannes Pinsk Benediktineroblate war, als Vorhof des Gottesdienstraumes zunächst offen.

Am 1. Oktober 1954 verließ Pfarrer Johannes Pinsk die Gemeinde, um sich auf seine Tätigkeit als Hochschullehrer konzentrieren zu können. Die Leitung der Gemeinde Mater Dolorosa ging auf Pfarrer Werner Heltemes über, der in den Folgejahren umfangreiche Baumaßnahmen tätigte.

Bis 1955 wurden nach den Plänen der Architektin Margot Weymann neben dem Querschiff auch der Turm ausgebaut. Das Dach des Hauptschiffes wurde in den Jahren 1968 bis 1970 erneuert. Am 1. Februar 1970 erfolgte endlich die Konsekration des neuen Altars durch Alfred Kardinal Bengsch.

Auch die ursprünglich polierten Säulen des Kirchenschiffes wurden bei der Feuersbrunst beschädigt und bewusst in diesem Zustand belassen. Die Säulenoberflächen wurden allerdings matt geschliffen, und nur die beiden vorderen Säulen des Chorraumes, die zwischenzeitlich hinter Trennwänden verborgen waren, erinnern an den ursprünglichen Zustand der Säulenoberflächen.

Die Glocken der Kirche waren nach dem Zweiten Weltkrieg wegen der Brandschäden erneut entfernt worden. Am 1. Dezember 1963 wurden die neuen Glocken mit den Namen Maria Magdalena, Mater Dolorosa und Johannes geweiht, die wie zuvor in den Anfangstönen des gregorianischen Te Deum gestimmt sind (e – g – a).

Nach den Plänen des Architekten Raimund Szafranski wurde 1983 und 1984 die alte Form der Kreuzbasilika weitgehend wiederhergestellt. 1999 wurde das Kreuz auf den Turm gesetzt.