ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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16.1.2019

Gedanken zum Monatsspruch

von Pfarrer E-Mail

Liebe Gemeinde,
Matthäus erzählt, wie Jesus eine große Rede hält, seine berühmte Bergpredigt. Sie enthält die Kernbotschaft des Zimmermannssohnes aus Nazareth. Jesus beschreibt, wie Menschen das Reich Gottes erfahren können. Er preist diejenigen glücklich, die religiös arm sind, hungrig und durstig nach Gerechtigkeit, sehnsüchtig nach Frieden. Jesus gibt den Geboten des Mose einen neuen, schärferen Sinn.

"Bittet, suchet, klopfet an!" – so Jesus reißt seine Hörerinnen und Hörer aus ihrer schlaffen Genügsamkeit. Viele haben sich längst in ihrem Sosein eingerichtet, winzig und bescheiden, sie erwarten auch längst nichts mehr. Sie sagen sich: "Lieber nichts erhoffen oder ersehnen, es passiert sowieso nicht. Bloß nicht sich für große Ziele einsetzen, es lohnt sich am Ende nicht." Jesus zerstört diese erbärmliche Idylle. Seine Bergpredigt ist eine flammende Rede gegen jede faule Zufriedenheit. Seine Botschaft lautet: "Traut euch jetzt, viel mehr zu erwarten, denn große Erwartungen werden belohnt. Gott ist ein großzügiger und gütiger Vater im Himmel, er will geben, segnen und verzeihen."

"Bittet, suchet, klopfet an!" Menschen unter der Gottesherrschaft brauchen eine neue Lebenshaltung. Sie bitten, weil Gott ihnen geben will. Sie suchen, weil Gott sie finden lassen will. Sie klopfen an Türen, die Gott ihnen auftun will. Leben aus der Güte Gottes bringt Quellen zum Sprudeln. Es gibt Reichtum im Überfluss: Ein volles, gerütteltes, gedrücktes und überfließendes Maß wird er in euren Schoß geben. Leben unter der Herrschaft Gottes setzt neue Lebensziele. Es geht nicht darum, sich ein paar Jahre lang möglichst unauffällig durchzulavieren. Denn Gott als gütiger Vater will seinen Erdenkindern nicht nur große Gaben geben. Er selbst setzt auch große Erwartungen in seine Söhne und Töchter: Sie sollen lieben, wie er liebt, segnen, wie er segnet und verzeihen, wie er verzeiht. Und zwar nicht nur die eigenen Familienangehörigen, die guten Freunde und netten Nachbarn, sondern auch die fremden und fernen Menschen. Sogar die unbequemen, unangenehmen, feindlichen Zeitgenossen, denen man gerne aus dem Weg geht. Die Wesensart Gottes soll auch in seinen Kindern zum Vorschein kommen, denn er macht keinen Unterschied zwischen Bösen und Guten, wenn er die Sonne aufgehen lässt und den Regen schickt.

"Bittet, suchet, klopfet an!" Diese befreienden Worte Jesu sind ärgerlich für die rituell Frommen und religiös Gebildeten unter seinen Zuhörern. Jesus macht keine Unterschiede, er wendet sich allen zu. Aber die ängstlichen und engherzigen Buchhalter und Krämerseelen leben vom Unterschied zwischen fromm und heidnisch, zwischen rein und unrein. Dabei sind sie so besorgt, alles richtig zu machen und sich von den Heidnischen und Unreinen fern zu halten, dass sie das Wichtigste vergessen: Gott ist ein großzügig liebender Vater, kein bösartiger Erbsenzähler. Jesus sieht, dass die religiösen Eliten in seinem Land tief im Inneren ohne Hoffnung und ohne Liebe sind. Deshalb warnt er vor ihnen. Und sie fürchten und hassen ihn, den religiösen Amateur mit der Kraft Gottes. Das arme Volk liebt ihn und erkennt in ihm den guten Hirten für die verlorenen Schafe Israels.

"Bittet, suchet, klopfet an!" In der Auslegungsgeschichte der christlichen Kirche sind diese Aufforderungen Jesu gerne auf den Akt des Gebets bezogen worden. Dies ist allerdings eine schlimme Verkürzung. Es geht um das ganze Leben, nicht nur um das Gebet. In der Bergpredigt finden wir auch Worte Jesu zum Gebet. Jesus lehrt seine Jünger beten. Am Besten zieht man sich zurück an einen einsamen Ort, in einen stillen Raum. Es ist nicht nötig, viele Worte zu machen. Gott braucht keine detaillierten Vorschläge von uns, er weiß ja, was wir brauchen. Jesus warnt damit auch vor einem pompösen Akt religiöser Selbstdarstellung. "Betet nicht auf dem Marktplatz, wo euch die Leute sehen!" Er wird an große Selbstdarsteller gedacht haben, die ihre beeindruckende Frömmigkeit gerne vor allen Leuten zur Schau tragen.

"Bittet, so wird euch gegeben!" Für manche frommen Christen heute ist die sogenannte Gebetserhörung eine wichtige und ernste Angelegenheit. Sie würden auch gerne geistliche Höchstleistungen vollbringen und Unmögliches möglich machen durch das Gebet. Hat nicht Jesus zu seinen Jüngern vom Glauben in Senfkorngröße gesprochen, der Berg versetzen kann? So mancher Jünger möchte auch heute gerne Wunder vollbringen können durch das Gebet. Am liebsten würde er Steine in Brot verwandeln können, Kranke heilen, Tote wieder lebendig machen. Das soll dann gelingen, wenn man felsenfest glaubt ohne jeden Zweifel. Eine Gebetserhörung wäre so auch der Lackmustest für die eigene Glaubensstärke. Im Sinne Jesu ist hier wohl Gelassenheit angeraten. "Freunde, entspannt euch! Beten ist weder der Gang zu einem himmlischen Sozialamt noch eine fromme Olympiade. Freut euch an dem, was Gott euch schenkt!"

Pfarrer Lutz Poetter