ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Holzkirche Gemeindezentrum Celsiusstraße Gemeindehaus Ostpreußendamm
Petruskirche Gemeindehaus Parallelstraße Dorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Juni 2011

22.7.2019

Salz der Erde
Evangelische Kirche im Reformprozess

von Lutz Poetter

Der Anfang

Vor vier Jahren ging ein Ruck durch unsere Kirche. Das Leitungsgremium der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg Schlesische Oberlausitz hatte unter Federführung des damaligen Landesbischofs Wolfgang Huber ein Perspektivprogramm entwerfen lassen und es der Landeskirche, den Kirchenkreisen und Kirchengemeinden vorgelegt: "Salz der Erde". Der Zustand der verfassten protestantischen Christenheit in Deutschland – nicht nur in unserer Region! – erforderte eine kritische Analyse und eine klare Perspektivplanung. Ein simples "Weiterso" verbot sich nach dieser Analyse.

Das Motto lautete: Wer unsere Kirche auch in Zukunft erhalten will, der muss sie verändern. Das gilt auch für unsere Volkskirche, die sich durch die Mitgliederentwicklung und die zunehmende Säkularisierung unserer Gesellschaft seit mindestens drei Jahrzehneten in einem Wandlungsprozess befindet. Strukturwandel, Zielorientierung, Leitbildentwicklung, Qualitätssicherung, Profilierung – manchen Menschen in der Kirche kamen Methoden und Sprache des Reformpapiers ziemlich fremd vor. Leitbilder in der Kirche? Das passt doch eher zur Kultur von Wirtschaftsunternehmen, Dienstleistern, Verwaltungen und Finanzorganisationen. Perspektivplanung – das klang für viele nach Unternehmensberatung und Qualitätsmanagement, aber nicht nach der geistlichen Leitungsaufgabe der Evangelischen Kirche.

Die zweite Phase

Nach lebhaften Diskussionen und einer repräsentativen Umfrage zur Akzeptanz und Wirkung des Reformpapiers in unserer Landeskirche startete nun die zweite Phase: Der laufende Reformprozess soll unterstützt werden, Gemeinden und Kirchenkreise sollen angeregt und gefördert werden, ihre eigenen Beiträge zur Veränderung zu entwickeln und zu verwirklichen.

Diese Anregung und Unterstützung hat sich Bischof Markus Dröge als Theologe und Mitglied der EKBO-Kirchenleitung zur besonderen Aufgabe gemacht. In dieser Mission hielt er auch sein theologisches Impulsreferat bei der Steglitzer Frühjahrssynode zum Thema "Salz der Erde". Er wollte damit zeigen, dass der Geist des Reformprozesses mit Schrift und Bekenntnis im Einklang ist.

Kirche der Reformation

Reform ist uns Protestanten traditionell sehr vertraut: Wir sind schließlich die Kirche der Reformation. Luther wusste, dass dieser Erneuerungsprozess kein befrister Akt ist, der irgendwann einmal endgültig abgeschlossen wäre. Ecclesia semper reformanda – Kirche befindet sich immer im Wandel. Ihr "Leitbild" erkennt die evangelische Kirche im Evangelium von Jesus Christus nach dem Zeugnis der Bibel. Die Heilige Schrift ist die Grundlage unseres Glaubens. Hier entscheidet sich, ob die Kirche schriftgemäß ist. Die Kirche ist für Luther weniger eine machtvolle Institution als vielmehr die Gemeinschaft der Gläubigen. Menschen erfahren sich im Glauben als Schwestern und Brüder in Christus, sind berufen zum allgemeinen Priestertum der Gläubigen.

Biblische Leitbilder

"Salz der Erde" als biblisches Leitbild für unseren aktuellen Reformprozess findet Bischof Dröge stimmig: Salz und Licht sind zentrale Bilder der Hoffnung in der Verkündigung Jesu von Nazareth. In der Bergpredigt propagiert er ein Leben im Sinne der Seligpreisungen, im Blick auf das kommende Reich Gottes eröffnet Jesus einen universalen Horizont der Hoffnung.

Salz als Würze des Lebens darf allerdings nicht für sich selbst bleiben. Die Substanz des Glaubens löst sich auf in die Wirklichkeit der Welt mit ihrer Hoffnungslosigkeit und ihren Herausforderungen. Die Dynamik der frühen Christen zur Zeit der Apostel entsteht aus der Kraft der Auferstehung. Die Auferstehung Jesu selbst bleibt ein Geheimnis, ihre kraftvollen Wirkungen jedoch treten offen zu Tage bei den verzagten ersten Christen, denken wir nur an die Emmausjünger.

Im Einklang mit den Zeugnissen der Bibel stehen auch die kirchlichen Bekenntnisse von der Antike über die Reformationszeit bis zur Barmer theologischen Erklärung der bekennenden Christen zur Zeit des Nationalsozialismus. Die Kirche lebt aus der Kraft der Auferstehung Christi. Aus dieser Kraft ist sie weltweite Kirche, eins in Christus durch die Versöhnung der Gegensätze, offen für andere. Kirche hat eine Zukunft, weil der Auferstandene eine Zukunft hat.

Die Zeugnisse der Bibel und die Bekenntnisse aus der Lebenserfahrung der Kirche aus fast zwei Jahrtausenden führen direkt zu kraftvollen Leitbildern heute. Mit dem Leitbild "Salz der Erde" sind wir gut aufgestellt, betont Bischof Dröge. Das moderne Konzept der Leitbildentwicklung in Organisationen kann für die Kirche fruchtbar sein. Es geht um gemeinsame Ziele, denn wir sind eine versöhnte Gemeinschaft, kein wüstes Gegeneinander von "Oben und Unten". Die Rechtfertigung befreit uns aus dem zwanghaften Drehen um die eigene Achse zur selbstlosen Zuwendung an andere. Wir treten ein als Christen für Gerechtigkeit und Frieden. Wir ziehen uns auch als kleiner werdende Kirche nicht resigniert auf uns selbst zurück, sondern halten fest an unserer Mission. Wir sind wesentlich apostolische Kirche, wir sind gesandt.

Ziele finden – ein Lernprozess

Kirchenreform im Sinne von "Salz der Erde" geschieht als zielorientiertes Handeln. Kirchengemeinden und Kirchenkreise müssen kluge Entscheidungen treffen: Wo und wie ist unsere Substanz am Besten einzusetzen? Vieles kann nicht mehr flächendeckend angeboten werden. Wie finden wir heraus, was andere von uns erwarten? Wo müssen wir uns stärker profilieren? Wir haben genug gute Ziele, wie stehen die Chancen, dass wir unsere Ziele auch erreichen können? Woran erkennen wir, dass wir unsere Arbeit gut machen? Wie beurteilen wir die Qualität unsers Tuns im Einklang mit unseren Überzeugungen?

Bischof Dröge räumt ein, dass dieses zielorientierte Analysieren und Handeln gelernt werden muss. Dabei will die Landeskirche Kirchenkreise und Gemeinden unterstützen. Es gibt einen eigenen Beauftragten im Amt für kirchliche Dienste Es geht um Klugheit und Absprachen, um eine Kultur des gemeinsamen Zielefindens. Trainer sollen diese Klärung methodisch begleiten, Mut machen und Anstöße zu eigenem Handeln geben. Und es wird eine Anzahl Modellprojekte kirchlichen Handelns im Reformprozess geben, die Erfahrungen vermitteln.

Und Petrus-Giesensdorf?

Schon seit Jahrzehnten hat das im Kirchenkreis Steglitz und den zu ihm gehörenden Gemeinden, Arbeitsbereichen und Werken eine gute Tradition: Wir sind geübt und erfahren im Verabreden von gemeinsamen Zielen, wir haben Leitbilder entwickelt, Strategien entworfen und Strukturen verändert. Unser Stamm von Gemeindeberatern hat unzählige Veränderungsprozesse auf allen Ebenen angeregt und begleitet. Gemeindeberatung, Organisationsentwicklung, Zukunftswerkstatt, Open-Space-Veranstaltung – diese Methoden haben einen positiven, vertrauten Klang bei uns in Steglitz, Lankwitz und Lichterfelde. Daran kann man gut anknüpfen bei den neuen Herausforderungen des aktuellen Reformprozesses.

Durch die Fusion 2000 sind wir auch erfahren in strukturellen Veränderungen: Aus den zwei selbständigen Gemeinden Petrus und Giesensdorf entstand zum Millenium die vereinigte Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf mit einer gemeinsamen Gemeindeleitung..

Mit Freude und Dankbarkeit können wir sagen: Mitten im Schrumpfungsprozess unserer Kirche sind wir als evangelische Gemeinde in Lichterfelde Ost und Süd vergleichsweise gut aufgestellt. Wir sind eine reiche und lebendige Gemeinde, wir haben gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, viele Angebote und Möglichkeiten. Aus unserer Geschichte haben wir Vieles doppelt: Zwei Kirchen, zwei Gemeindehäuser, zwei Kindertagesstätten, zwei Gemeindestützpunkte. Wir können – noch – fast alles anbieten für Gemeindeglieder jeden Alters und mit vielfältigen Bedürfnissen und Interessen. Wir nehmen unseren diakonischen Auftrag durch Laib und Seele, Familienbildung und das Engagement für unsere Kooperationspartner in der Region wahr.

Darüber hinaus gibt es mit der Petruskirche in Lichterfelde seit 30 Jahren ein echtes Profil im Sinne von "Salz der Erde": Kultur in der Offenen Kirche hat hier einen festen Platz, die Pionierleistung der frühen 80er Jahre hat gute Resonanz und weitere Nachahmer in unserer Stadt gefunden.

Eine wichtige Aufgabe im Blick auf die Zukunft: Wir müssen heute verantwortlich und sorgfältig umgehen mit unserem geistigen, materiellen und personellen Erbe in Lichterfelde – und es morgen gut genutzt und liebevoll bewahrt weitergeben an unsere Nachkommen.

zum Seitenanfang

Lesen Sie zu diesem Thema auch: