ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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20.7.2019

Nichts blieb wie es war
Gedanken zum Pfingstfest

von E-Mail


Foto: Hans-PeterGraf@pixelio.de

"Alles soll so bleiben wie es ist!"

Wenn dieses Motto vor 2000 Jahren in Jerusalem "gesiegt" hätte, dann würde keiner von Ihnen jetzt dieses Gemeindeblatt in den Händen halten, dann wäre die Sache Jesu nach seinem Tod sehr schnell in einer kurzen Erinnerungskultur verloschen.

Petrus und die anderen Jünger hätten vielleicht beieinander gesessen in ihrem Haus, man hätte sich Geschichten von Jesus erzählt. Einige, die nicht dazugehörten, würden sich fragen, was eigentlich aus dieser Sache mit Jesu geworden ist? Aber die scheint sich wohl erledigt zu haben. Und in dem Haus, wo die Jünger versammelt waren, wäre Petrus vielleicht aufgestanden und hätte verkündet: "Liebe Freunde, inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, dass unser Freund Jesus nicht mehr bei uns ist. Das waren aufregende und belastende Zeiten. Jetzt sind wir zur Ruhe gekommen. Das ist gut so, das soll so bleiben! Dann und wann wollen wir uns treffen, um sein Andenken in Ehren zu halten. Im Übrigen soll alles so bleiben, wie es ist. Das ist für alle Beteiligten das Angenehmste. Und die Fremden draußen haben nichts dazu beizutragen, sie würden in unserer Gruppe nur stören." So trafen sich die Jünger noch öfter, wurden älter, fingen an, sich zu langweilen – so ist die Welt eben. Mit den Jahren starben sie und mit ihnen ging die Sache Jesu zu Ende. Man redete nicht mehr viel darüber, denn Belanglosigkeiten haben das gleiche Schicksal wie Eintagsfliegen.

Die "Sache Jesu" wäre im Sand der Bedeutungslosigkeit verlaufen, gäbe es Pfingsten nicht.

Und dennoch bleibt Pfingsten irgendwie ein sperriges und schwieriges Fest. Ein verlängertes Wochenende und ein immer mal wieder auf der Streichliste stehender Feiertag. Sehr viel mehr fällt den meisten Menschen zu Pfingsten, dem dritten kirchlichen Hochfest, oft nicht ein. Und selbst die Welt des Konsums kann sich irgendwie keinen Reim auf das Fest machen, keinen Profit daraus schlagen. Man muss keine Bäume kaufen, keine Strohsterne basteln. Man kann sich den Heiligen Geist schlecht in Schokolade gegossen vorstellen.

Pfingsten ist so ganz anders als Weihnachten mit dem Kind in der Krippe, so ganz anders als Ostern, an dem das Leben neu aufbricht. Geburt und Tod, das sind Lebenswirklichkeiten, mit denen jeder Mensch in Berührung kommt. Aber was hat Pfingsten zu bedeuten?

Pfingsten hat mit dem Heiligen Geist zu tun, sagen die noch etwas stärker im christlichen Glauben Verwurzelten. Aber auch für viele Christen bleibt das Verhältnis zum Heiligen Geist oft blutleer und abstrakt. Dabei wissen sie immerhin mehr als die Anhänger Jesu, die Paulus in der Apostelgeschichte fragt, ob sie den Heiligen Geist empfangen hätten: "Wir haben noch nicht einmal gehört, dass es den Heiligen Geist gibt", so die ernüchternde Antwort.

Was an jenem Tag in Jerusalem geschah, das beschreibt Lukas in der Apostelgeschichte im zweiten Kapitel: "Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie (die Jünger) waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab." In Jerusalem lockt dieses seltsame Ereignis eine neugierige Menschenmenge an, Juden aus allen möglichen Landesteilen, viele aus der Diaspora, darunter Ägypter, Römer, Kreter oder Araber, geraten "außer sich vor Staunen", denn jeder hört die Jünger plötzlich in seiner Muttersprache reden, versteht auf wundersame Weise, was gesprochen wird. Pfingsten als Wunder Grenzen überschreitenden Verstehens.

Pfingsten ist das Fest, das Menschen in Bewegung bringt, wenn wir uns zu Pfingsten der Lebendigkeit des Anfanges der Kirche aussetzen. Und Pfingsten erinnert uns daran dass wir nicht in verschlossenen Räume gehören, wo wir nur mit uns selber beschäftig sind und mit unseren resignierenden Gedanken. Wir gehören als Christen nach draußen. Und damit ist nicht der Wald gemeint, in dem wir spazieren gehen, sondern nach draußen in die Welt, wo wir inmitten aller Trostlosigkeit von den guten Taten Gottes erzählen sollen, wo Gottes Geist wehen und wirksam werden will.

Wo dieser Geist Gottes weht, werden Türen aufgestoßen, ist Bewegung erkennbar und erfahrbar: aus Verschlossenheit wird Öffnung, aus dem Weglaufen wird Aufbruch und aus Hilflosigkeit wird Mut.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen bewegte Pfingsttage und eine Geist-reiche Zeit

Ihr

Pfarrer Michael Busch