Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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24.9.2019

Angelika Obert: Auguste Victoria. Wie eine Provinzprinzessin zur Kaiserin der Herzen wurde
Buchbesprechung

von Torsten Lüdtke

Pünktlich zum Todestag der letzten Kaiserin im April 2011 erschien in der Reihe "wichern portäts" ein von Angelika Obert verfasstes Lebensbild Auguste Viktorias.

Angelika Obert: Auguste Victoria. Wie eine Provinzprinzessin zur Kaiserin der Herzen wurde, Berlin: Wichern 2011. 144 Seiten, 9 Abbildungen, Hardcover mit Lesebändchen, 14,95 €

Der Untertitel des Buches "Wie eine Provinzprinzessin zur Kaiserin der Herzen wurde" deutet dabei bereits an, unter welchem Vorzeichen die Autorin das Lebensbild Auguste Viktorias (im Buch wird übrigens durchgängig die zeitgenössisch weniger weit verbreitete Variante "Auguste Victoria" des Namens verwandt) zu entwerfen gedenkt: So erhält Auguste Viktoria den Titel einer "Provinzprinzessin" und einer "Kaiserin der Herzen"; damit wird sie von Angelika Obert schließlich auf subtile Weise in die Nähe zu anderen prominenten Frauen des 19. Jahrhunderts, wie etwa der Königin Luise oder der Kaiserin Elisabeth von Österreich gerückt, die bekanntermaßen) frühe Medienstars waren, und – betrachtet man gleichnamige Ausstellungen und Musicals – es immer noch sind. Eine solche, bis heute reichende Popularität kann die letzte deutsche Kaiserin – trotz ihres vielfachen sozialpolitischen, sozialen und religiösen Engagements – nicht aufweisen. Deshalb versucht Angelika Obert auch mit journalistischer Verve, dem – gemessen an Luise oder Sis(s)i – wohl doch eher unspektakulären Leben Auguste Viktorias einigen Glanz zu geben und das "von vielen inneren Kämpfen durchzogene Leben der starken Frau hinter – nein: neben dem letzten deutschen Kaiser" (Zitat aus der Presseinformation des Wichern-Verlages) darzustellen.

Im Text wird diese Intention leider überdeutlich aus- und vorgeführt; so ist das Buch in einem aktualisierenden Präsens geschrieben, salopp werden historische Details formuliert und auch geschichtsträchtige Szenen romanhaft-lebendig beschrieben. Dadurch, wie auch durch die immer wieder im Text zu findenden persönlichen (Fehl-)Einschätzungen und politischen Wertungen der Autorin, leidet jedoch auf Dauer die historische Seriosität des Textes.

Über diesen Mangel helfen auch nicht die schön ausgewählten, und gut in den Text integrierten Zitate aus den Lebenszeugnissen der Kaiserin hinweg, die vor allem zur Illustration des biographischen Textes beitragen. Der Versuch einer historischen Analyse unterbleibt ebenso wie der Versuch, diese Texte aus ihrem historischen Entstehungszusammenhang heraus zu verstehen.

Ohne Zweifel hat Anglika Obert ein gut lesbares wie auch plastisches Lebensbild Auguste Viktorias entworfen, doch als historisch getreue Biographie der letzten deutschen Kaiserin kann das Buch nicht dienen.

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