Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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15.9.2019

Gedanken zum Monatsspruch

von Pfarrerin Susanne Peters-Streu

Welch ein schöner Segenswunsch, der uns da in den Worten des Paulus begegnet. Gerade recht für die Konfirmation, die wir im Mai mit mehr als 60 jungen Menschen feiern werden. Ja, das möge Gott euch schenken, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung, dass ihr erfüllt werdet von Freude und Frieden.


Foto: Simone-Peter@pixelio.de

Die alte Frau, die uns vom Bild entgegen lacht und strahlt, was mag sie erlebt haben in ihrem Leben? Gute Tage in ihrer Kindheit, Spielen und Entdecken der Welt, Zuwendung der Eltern. Krieg und Flucht, Not und Hunger, Ankommen in der Fremde, ausgegrenzt. Eine eigene Familie gründen, Aufschwung und Wirtschaftswachstum, Frieden und viele Möglichkeiten. Krankheit und frühen Tod, unerfüllte Wünsche, zunehmende Bedrohung unserer natürlichen Umwelt. Was mag sie erlebt haben, an Gutem und an Schwerem, an Leid und Freude?

Wenn in einem Leben die Hoffnung zwischen den Fingern zerrinnt, weil nicht zu ertragen ist, was erlebt werden muss, wenn in der Welt die Hoffnung zerrinnt, weil die menschenfeindlichen, zerstörerischen Kräfte, weil Machtgier und Habsucht uneindämmbar erscheinen, woher kommt dann die Kraft zum Leben, zum Hoffen?

Am Karfreitag war den Jüngerinnen und Jüngern die Hoffnung zerbrochen. Die Botschaft von Gottes unbegrenzter Liebe hing am Kreuz, umgebracht von denen, die diese Liebe nicht ertragen konnten, weil sie von uns Menschen gemachte Grenzen niederreißt. Die Jüngerinnen und Jünger hatten mit Jesus von Nazareth erlebt wie ihr Leben reich wurde, wie er Grenzen überschritt, wie er ihnen Hoffnung und Zuversicht gab und dann sein Tod, Angst und Schrecken.

Wir haben Ostern gefeiert. Neues Leben, Jesus Christus ist auferstanden, nicht im Tod geblieben, Gott hat das Nein von Menschen zu seiner unbegrenzten Liebe aufgehoben. Für uns Menschen ist es ein langer Weg heraus aus der Verzweiflung und Angst. Es braucht viele Zeichen der Hoffnung, um Angst und Trauer im Rücken zu lassen und einen neuen Weg nach vorn zu gehen. Es braucht Zeit, bis Ostern, bis neues Leben, neue Hoffnung in unserem Leben ankommen und es braucht Gemeinschaft und Miteinander. Es braucht Erzählen vom Leben, vom Geschenk der Hoffnung, die stärkt und von der Gegenwart Christi.

So erzählen die Evangelien von den Begegnungen der Jüngerinnen und Jünger mit dem Auferstanden Christus. Bei Johannes finden wir die Erzählung, wie Christus der Auferstandene seinen Jüngern am See Tiberias begegnete. Die Jünger waren zurückkehrt an ihre Arbeit, in ihren Alltag. Waren mit dem Boot hinausgefahren um zu fischen, aber nichts war in ihren Netzen, als sie ans Ufer kamen.

Es ist auch schwer erfolgreich zu sein, wenn das Herz schwer ist und vom Gefühl beherrscht: Es hat sowieso alles keinen Sinn. Trost und Ermutigung haben es schwer in die Tiefe von Trauer und Verzweiflung durch zu dringen.

Da steht einer, sie erkennen ihn nicht, der fragt: "Kinder, habt ihr nichts zu essen?" Fürsorglich zugewandt fragt er, habt ihr nicht, was ihr zum Leben braucht und er gibt ihnen den Auftrag, werft die Netze aus zur Rechten des Bootes. Sie lassen sich ansprechen, werfen das Netz aus und sehen Erfolg, sie können es nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

Es ändert sich etwas in ihnen. Sie erkennen ihn, und als sie an Land kommen, ist da schon ein Kohlenfeuer mit Fisch und Brot und er lädt sie zum Mahl, dass stärkt und ermutigt.

Christ ist man nicht für sich allein, Christ ist man in der Gemeinschaft der Menschen, mit denen man das Leben und den Glauben teilt. So ist die Hoffnung nicht nur für mich, sondern hat die Menschen, die Welt im Blick. Hoffnung haben geschieht im Vertrauen, dass Gottes Reich mitten unter uns lebendig ist, dass Frieden in Gerechtigkeit wächst.

Hoffnung ist für mich ein Geschenk, über das ich nicht verfügen kann. Sie ist Gabe, die ich annehmen kann. Hoffnung ist die Kraft zum Guten, zum Durchhalten und zum Einsetzen für Gerechtigkeit. In guten und frohen Tagen stärkt mir Dankbarkeit die Hoffnung. Was ich Gutes erlebe, Freude die ist, Augenblicke, die unendlich wertvoll sind. Und manchmal in schweren Zeiten muss ich die Hoffnung der anderen ausborgen, um annehmen zu können, was unannehmbar scheint, um die Kraft zu spüren, die mir tragen hilft. Mir sind immer wieder Menschen begegnet, denen das abzuspüren war, dass Gott sie mit Freude und Frieden im Glauben erfüllt hat, die Schweres getragen haben ohne darüber bitter zu werden, die ein Augen behalten haben für Zartes, Wertvolles, Stärkendes: Das macht die Hoffnung reicher.

So wünsche ich Ihnen heute von Herzen:

"Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes." (Römer 15, 13)

Ihre Pfarrerin Susanne Peters-Streu

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