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17.7.2019

Ein Toast auf die Freiheit
Ein Zeitungsartikel führt 1961 zur Gründung von Amnesty International

AMNESTY INTERNATIONAL – Die weltweit größte Menschenrechtsorganisation

Amnesty International ist eine weltweite, von Regierungen, politischen Parteien, Ideologien, Wirtschaftsinteressen und Religionen unabhängige Mitgliederorganisation.

Auf Grundlage der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wendet sich Amnesty gegen schwerwiegende Verletzungen der Rechte eines jeden Menschen auf Meinungsfreiheit, auf Freiheit von Diskriminierung sowie auf körperliche und geistige Unversehrtheit. 1977 erhielt Amnesty International den Friedensnobelpreis.

Die Menschenrechtsarbeit von Amnesty International ist breit angelegt. Ein globales Netz von Beobachtern (Researcher) und ehrenamtlichen Mitarbeitern erstellt regelmäßig Berichte und weist auf Verstöße gegen internationale Menschenrechtsnormen hin. Diese Berichte werden auf verschiedenen Wegen an Politiker, internationale Organisationen, Multiplikatoren und Journalisten herangetragen und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Neben der Hilfe für Opfer von menschenunwürdiger Behandlung ist Aufklärung und Bewusstseinschaffung für Menschenrechte eine zentrale Aufgabe von Amnesty.

Die weltweite Bewegung

Gegründet: 1961, von Peter Benenson (Rechtsanwalt, † 2005) Internat. Generalsekretär: Salil Shetty, Sitz des Internat. Sekretariats: London Mitglieder & Unterstützer: mehr als 3 Millionen in mehr als 150 Ländern Die deutsche Sektion Gegründet: 1961, u.a. Von Carola Stern († 2006) und Gerd Ruge Generalsekretärin: Monika Lüke Sitz: Berlin und Bonn Mitglieder & Unterstützer: mehr als 110.000 Gruppen: ca. 650 (inklusive Jugend- und Hochschulgruppen sowie Länder-, Regional- und Themenkoordinationsgruppen)

Am Anfang von Amnesty International steht ein Trinkspruch: Zwei Studenten stoßen in einem Café in Lissabon auf die Freiheit an. Doch in den sechziger Jahren herrscht in Portugal eine Diktatur, die keine Kritik duldet – die Erwähnung des Wortes "Freiheit" ist verboten. Die zwei Studenten werden festgenommen und später zu sieben Jahren Haft verurteilt.

1.500 Kilometer entfernt fährt der 39-jährige Anwalt Peter Benenson im November 1960 mit der Londoner U-Bahn in seine Kanzlei, als er in der Zeitung eine Meldung über das Urteil gegen die beiden Studenten liest. Es ist nicht das erste Mal, dass er erfährt, dass Menschen wegen ihrer Gesinnung verfolgt und eingesperrt werden. Doch die Meldung aus Lissabon geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Benenson will nicht mehr länger über solches Unrecht lesen, er will etwas tun. Er weiß nur noch nicht, wie.

Dann kommt ihm ein Gedanke: "Wenn eine einzelne Person protestiert, bewirkt das nur wenig, aber wenn es viele Leute gleichzeitig tun würden, könnte es einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen".

Am 28. Mai 1961 veröffentlicht er in der Zeitung The Observer den Artikel "The Forgotten Prisoners", der mit den Worten beginnt: "Schlagen Sie Ihre Zeitung an irgendeinem beliebigen Tag auf, und Sie werden eine Meldung aus irgendeinem Teil der Welt lesen: Ein Mensch ist eingekerkert, gefoltert, hingerichtet worden, weil seine Ansichten oder religiösen Überzeugungen nicht mit denen der Regierung übereinstimmen." Benenson fordert die Leser auf, mit Appellschreiben öffentlichen Druck auf Regierungen zu machen und von ihnen die Freilassung politischer Gefangener zu fordern.


Amnesty Gründer Peter Benenson (Foto: britannica.com)

Dieser "Appeal for Amnesty" ist der Beginn von Amnesty International. Die Resonanz ist überwältigend. 30 große Zeitungen in verschiedenen Ländern drucken den Artikel nach. Allein in den ersten Wochen melden sich mehr als Tausend interessierte Mitstreiter.

Im Juli 1961 wird beschlossen, die ursprünglich auf ein Jahr angelegte internationale Kampagne in eine feste Organisation zu verwandeln. Am Ende des Jahres gibt es Sektionen in West-Deutschland, Großbritannien, Irland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Schweden, Norwegen, Australien und den USA. Im September 1962 wird auf dem internationalen Treffen in Brügge (Belgien) endgültig derName "Amnesty International" für die noch junge Organisation festgelegt.

Heute ist Amnesty eine weltweite Bewegung, die in über 150 Ländern vertreten ist. Über drei Millionen Mitglieder, Unterstützer und Aktivisten setzen sich dafür ein, dass auch 50 Jahre nach Benensons Appell die politischen Gefangenen dieser Welt nicht vergessen werden.

Quellen: Pressemitteilungen von Amnesty International. Zusammengestellt von Reiner Kolodziej