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18.7.2019

Bekennende Protestantin auf dem Thron
Vor 90 Jahren starb Kaiserin Auguste Viktoria

von Torsten Lüdtke

Die Kaiserin um 1905

Am Montag, dem 11. April 1921 meldete die Abendausgabe der angesehenen Berliner "Vossischen Zeitung" auf der Titelseite: "Aus Haus Doorn ist heute vormittag die Nachricht eingetroffen, dass die Kaiserin Auguste Viktoria Montag früh um 6¼ Uhr sanft entschlafen ist".

Die in allen Zeitungen der jungen Republik verbreitete Meldung vom Tod der Kaiserin hat wohl auch bei den Einwohnern von Berlin-Lichterfelde Trauer und Mitleid hervorgerufen; war sie es doch, die auch die Errichtung der Kirchen im aufstrebenden Vorort Groß-Lichterfelde – auch aus ihrer Privatschatulle – gefördert und unterstützt hatte.

Aus Anlass der neunzigsten Wiederkehr des Todestages der letzten deutschen Kaiserin und Königin von Preußen am 11. April 2011 soll nun an die Förderin des Baues der Petruskirche erinnert werden.

Am 22. Oktober 1858 wurde die spätere Kaiserin als Auguste Viktoria (Victoria) Friederike Louise Feodora Jenny Prinzessin von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg auf dem Gut Dolzig bei Sommerfeld in der Niederlausitz geboren, wo der Vater, Erbprinz Friedrich von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, im Exil lebte.

Bald nach der Geburt fand die Taufe der kleinen Prinzessin statt, an der der preußische Kronprinz Wilhelm, der spätere Kaiser Wilhelm I., und sein Sohn Friedrich, der spätere Schwiegervater der Prinzessin, mit ihren Gemahlinnen als Paten anwesend waren. 1863, nach dem Tod des dänischen Königs Friedrich VII. (1808-1863), erhob der Vater Auguste Viktorias Besitzansprüche auf Schleswig-Holstein. Mit seiner Familie ließ sich Friedrich von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg in Kiel nieder und übernahm als Friedrich VIII. die Regentschaft über das Herzogtum Schleswig-Holstein. Doch musste Friedrich VIII. 1864 nach dem Deutsch-Dänischen Krieg auf Druck des preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck als Regent zurücktreten, und Schleswig-Holstein wurde dem Königreich Preußen angegliedert. In der Folge zieht die Familie nach Dolzig zurück.

1869 verkaufte der Vater Auguste Viktorias das Gut Dolzig; fortan lebte die Familie in den Sommermonaten auf dem Familiengut Primkenau in Niederschlesien, im Winter aber in Gotha. Im "lieben Primkenau" verlebten Auguste Viktoria und ihre vier Geschwister glückliche Kinder- und Jugendtage. Gemeinsam mit den Geschwistern wurde sie durch Hauslehrer aus der fernen Heimat Schleswig-Holstein und Erzieherinnen aus England und Frankreich erzogen, die auch den Sprachunterricht der Kinder übernahmen.

Am 22. Mai 1875 wurden die Prinzessin Augusta Viktoria und ihre jüngere Schwester Karoline in der Pfarrkirche zu Primkenau eingesegnet. Der Konfirmationsspruch der Prinzessin "Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben" (Off. Joh. 2,10) sollte zum Leitsatz für das weitere Leben der Prinzessin und späteren Kaiserin werden, die immer wieder als Beispiel für die Verkörperung von tiefem Ernst, Frömmigkeit und Pflichterfüllung angesehen werden wird.

Wie nur wenige ihrer Zeitgenossinnen erhielt die Prinzessin eine sorgfältige und systematische wissenschaftliche und gesellschaftliche Ausbildung, die auch nach der Konfirmation weiter vorangetrieben wurde und die ihren Höhepunkt in längeren Auslandsaufenthalten der Prinzessin fand. Die Prinzessin besuchte die verwandtschaftlich und freundschaftlich verbundenen Höfe im In- und Ausland: So lernte sie Englisch am Hofe der Queen Victoria, ihrer Großtante, und bildete ihre Kenntnisse in der französischen Sprache und ihre musikalischen Fähigkeiten am Hof ihrer Tante, der Prinzessin Karoline Amalie von Schleswig-Holstein, im Winter 1876/77 im Kurort Pau in den Pyrenäen weiter aus. Doch gab es noch einen weiteren Grund für die Reise nach England: Die Eltern versuchten dadurch, die Beziehung der Prinzessin zu ihrer Jugendliebe Ernst von Sachsen-Meiningen (1859–1941) zu unterbinden.

Das jungvermälte Kaiserpaar

Schon früh hatte die Prinzessin den Prinzen Wilhelm von Preußen, den späteren Kaiser Wilhelm II. durch die Bekanntschaft der befreundeten Eltern im thüringischen Schloss Reinhardsbrunn kennengelernt. Nach dem Gegenbesuch in Potsdam kam es zu einer Einladung zur Jagd nach Primkenau durch den Vater Auguste Viktorias. Einer Verbindung der holsteiner Prinzessin mit dem preußischen Prinzen standen – außer dem Kronprinzenpaar Friedrich und Victoria, die diese Verbindung ausdrücklich wünschten – der preußische Hof und auch Kaiser Wilhelm I. zunächst ablehnend gegenüber, denn eine Ehe mit Auguste Viktoria wurde als unpassend, nicht ebenbürtig und als Mesalliance aufgefasst.

Die Verlobung von Auguste Viktoria und Wilhelm wurde am 14. Februar 1880 in Gotha, nur einen Monat nach dem Tod des Vaters Auguste Viktorias geschlossen. Aus verschiedenen Gründen – und aus Rücksicht auf die Hoftrauer – wurde die Verlobung erst am 2. Juni 1880 offiziell bekanntgegeben.

Nicht ganz ein Jahr später, am 27. Februar 1881 fand in Berlin nach dem überlieferten Zeremoniell die Trauung statt. Einen Tag zuvor hatte die Braut, begleitet von der Kronprinzessin Victoria, im preußischen Galawagen von 1793 ihren Einzug nach Berlin gehalten und war unter der Melodie "Schleswig-Holstein, meerumschlungen" durch das Schlossportal gefahren. Für die Traurede des Oberhofpredigers Koegel war das Bibelwort "Nun aber bleibet Glaube,Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen"(1. Kor. 13,13), gewählt.

In den ersten Monaten der Ehe lebten Prinz Wilhelm und Auguste Viktoria im Potsdamer Stadtschloss; später siedelte die junge Familie in das am Potsdamer Heiligen See gelegene Marmorpalais über. Dort wurde auch der erste Sohn, Prinz Wilhelm (1882–1951), geboren. Aus der Ehe gingen insgesamt sieben Kinder hervor: Es folgten Prinz Eitel Friedrich (1883–1942), Prinz Adalbert (1884–1948), Prinz August Wilhelm (1887–1949), Prinz Oskar (1888–1958), Prinz Joachim (1890–1920; Freitod) und schließlich Prinzessin Viktoria Luise (1892–1980)

In den folgenden Jahren führte Auguste Viktoria ein sehr zurückgezogenes und häusliches Leben und verkörperte aus volkstümlicher Sicht das Idealbild der deutschen Mutter.

Am 15. Juni 1888 wurde Auguste Viktoria – nach dem Tod ihres Schwiegervaters Friedrich III. – mit der Thronbesteigung ihres Mannes deutsche Kaiserin und Königin von Preußen. Als Residenz wählte das Kaiserpaar das Berliner Schloss.

Petruskirche um 1910

Bald darauf übernahm Auguste Viktoria das Protektorat über karitativ-kirchliche Vereine. So entstand unter ihrer Federführung 1887 der Evangelisch-Kirchliche Hilfsverein zur Bekämpfung des religiös-sittlichen Notstands, und 1890 übernahm sie die Schirmherrschaft über die Deutsche Rot-Kreuz-Gesellschaft und den Vaterländischen Frauenverein.

Im Zuge dieses Engagements gründete Auguste Victoria auch 1897 die Evangelische Frauenhilfe, die der Weitergabe des christlich-sozialen und karitativen Gedankens in der Frauenschaft dienen sollte. In dieser Zeit übernahm die Kaiserin auch die Schutzherrschaft über den Kirchenbau in den Großstädten und auch in aufstrebenden Landgemeinden; in diesem Zusammenhang wurde 1898 schließlich auch unsere Petruskirche errichtet.

1898 unternahm Auguste Viktoria mit ihrem Mann die von der deutschen und ausländischen Presse vielbeachtete Palästinareise. Dabei weihte das Kaiserpaar in Jerusalem die evangelische Erlöserkirche ein. Hier wurde dann auch die evangelischen "Kaiserin Auguste Viktoria Stiftung" zu Jerusalem eingeweiht.

Postkarte zur Silberhochzeit des Kaiserpaars mit dem Postmuseum

Am 27. Februar 1906 konnte das Kaiserpaar die silberne Hochzeit feiern; doch wurden immer wieder Vermutungen angestellt, dass die Ehe des Kaiserpaares nicht glücklich gewesen sei.

Während des Ersten Weltkrieges setzte sich die Kaiserin für die Pflege von Verwundeten ein. Sie erreichte es auch, dass in der Potsdamer Orangerie oberhalb des Parkes Sanssouci ein Lazarett eingerichtet wurde, wo sie sich – auch durchaus werbewirksam – um die Pflege und das Wohlbefinden der Verwundeten kümmerte.

Mit der Abdankung Wilhelms II. begann auch die Sonne Auguste Viktorias zu sinken, obgleich sie durch ihre würdevolle Haltung und ihr karitativ-kirchliches Handeln im Volk nach wie vor beliebt war. Mit den Worten "Nun bin ich nicht mehr Landesmutter" entsagte sie am 9. November 1918 allen Aufgaben, die sie bisher ausgefüllt hatten und begleitete ihren Mann in das niederländische Exil, wo sie in der Provinz Utrecht das Haus Doorn bezogen. Hier ist die letzte deutsche Kaiserin dann auch am 11. April 1921 gestorben. Im Antikentempel in Potsdam-Sanssouci hat sie ihre letzte Ruhe gefunden.

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