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24.3.2019

Die Genesis der Liebe
Biblische Erkenntnisse zur menschlichen Sexualität

Die biblische Glosse von Lutz Poetter


Michelangelo: Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies in der Sixtinischen Kapelle, 1508-12

Das 1. Buch Mose – die Genesis – beschreibt den Anfang der Weltgeschichte und das Schicksal der Ahnherren Israels. Urgeschichte und Vätergeschichten galten über Jahrhunderte als das genaue Abbild der Erschaffung des Kosmos und der Entstehung der Geschöpfe auf der Erde. Man versuchte die Bibel wörtlich zu nehmen, auch wo sie Mythen und Sagen überliefert. Wir folgen einigen Strängen dieser prägenden Überlieferung von Geboten, Sitten und Sexus – mit einem breiten Lächeln.

Zu zweit in Eden

Der erste Schöpfungsbericht erzählt die schrittweise Erschaffung der Welt durch das Wort Gottes in sechs Tagen. Das Licht, die Himmelsfeste zwischen den Wassern oben und unten, das Meer und die trockene Erde mit den Pflanzen, Sonne, Mond und Sterne, die Fische im Wasser und die Vögel unter der Himmelsfeste – alles entstand am entsprechenden Tag.

Am sechsten Schöpfungstag erschuf Gott erst die Tiere und dann den Menschen – zu seinem Bilde – als Mann und Frau. "Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch, füllet die Erde und macht sie euch untertan!"

Der zweite Schöpfungsbericht beschreibt die Menschwerdung vor allen Pflanzen und Tieren. "Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen." Nun erst sorgte Gott für ein geeignetes Umfeld: "Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte." Gott ließ viele Fruchtbäume aufwachsen im Garten, verlockend anzusehen und gut zu essen, darunter zwei Spezialbäume, den der Erkenntnis und den des Lebens. Der Mensch sollte den Garten bebauen und bewahren und und sich von allen Früchten ernähren, nur nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen essen.

"Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei!" Nun erschuf Gott erst einmal das Tierreich und zeigte Adam die Tiere, damit er ihnen Namen gab. Dabei stellte sich heraus, dass im gesamten Tierreich keine geeignete Partnerin für den Menschen zu finden war. "Da ließ Gott einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch. Und Gott der HERR baute ein Weib aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm und brachte sie zu ihm." Sicherlich wollte Gott auch diesmal wissen, welchen Namen sein Mensch wohl dieser Gehilfin geben würde. "Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist." Typisch Mann – hebräisch "Isch" – ging er nur von sich selbst aus und bezog die neue Existenz seiner Gehilfin, die Gott ihm geschaffen hatte, sofort auf sich. Kein Wunder, dass er sie "Ischa", Männin nannte, er hätte auch gleich "meine Rippe" zu ihr sagen können.

Nackt – und blind?

Die Bibel blickt an dieser Stelle des Schöpfungsberichts weit voraus in die menschliche Zukunft: "Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und sie werden sein ein Fleisch." Sexuelle Attraktion und der innige Wunsch nach intimer Vereinigung haben hier ihren Ursprung.

Vom ersten Menschenpaar heißt es allerdings nur: "Und sie waren beide nackt, der Mensch und sein Weib, und sie schämten sich nicht." Mehr passierte anscheinend nicht im Paradies. Fiel Adam denn nicht auf, dass einiges an seinem Weib deutlich anders geformt war als an ihm selbst? Regte sich da nichts beim ersten Mann, als er seine Frau so nackt vor sich sah? Der Garten Eden war kein Garten der Lust. Eher eine Wiese der erotischen Ahnungslosigkeit. Das änderte sich schlagartig mit dem Auftauchen der listigen Schlange und ihren verfänglichen Fragen. Scheinbar ging es ja bloß um das Essen verschiedener Früchte. Am Ende aber hatte das erste Menschenpaar einen enormen Erkenntnisgewinn: Beide fühlten sich auf einmal nackt. Gott merkte daran, dass sie die verbotene Frucht verspeist hatten. Er fertigte ihnen Kleidung aus Tierfellen an, danach warf er sie raus aus dem Garten Eden.

Jenseits von Eden

Menschliches Leben bedeutete von da an Kampf: Mühe und Schmerzen, Schweiß und Tränen. Aber es klappte nun auch mit der Liebe: "Und Adam schlief mit seinem Weib Eva, und sie ward schwanger und gebar den Kain." Dann kam Abel zur Welt. Der fiel seinem mörderischen Bruder zum Opfer, bevor er Nachkommen zeugen konnte. Die Menschheit stammt nach dem Zeugnis der Bibel von Adam und Eva und ihren Söhnen Kain und Seth ab. Töchter als passende Ehefrauen muss es ebenfalls gegeben haben, sie werden bloß nicht erwähnt. Auch bei dem Geschlechtsregister 1. Mose 5 werden nur die Väter von Adam bis Noah genannt, die Namen der Ehefrauen spielen keine Rolle.

Gottessöhne und Menschentöchter

Eine interessante Episode finden wir 1. Mose 6 – kurz vor dem Bau der Arche und dem Beginn der Sintflut. "Als aber die Menschen sich zu mehren begannen auf Erden und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Gottessöhne, wie schön die Töchter der Menschen waren und nahmen sich zu Frauen, welche sie wollten." Die Lustmolche im himmlischen Hofstaat hatten viel Sinn für weibliche Schönheit.

Bei den Irdischen zählte mehr die erfolgreiche Fortpflanzung von Generation zu Generation. Liebe, Lust und erotische Anziehung waren gegenüber dieser Kernaufgabe zweitrangig: Eine fruchtbare Frau war wertvoller als eine schöne Frau. Denn eine Unfruchtbare, die ihrem Mann keine Söhne gebären konnte, galt als Versagerin. Sara, der Ehefrau des Abraham fiel also ein Stein vom Herzen, als sie ihm im hohen Alter endlich den Sohn Isaak zur Welt brachte, allein aus Gottes Gnade.

Die Stadt der Laster

In der verdorbenen Stadt Sodom wimmelte es allerdings von wüsten Triebtätern, die nur von ihren bösen Lüsten gesteuert wurden. Abrahams Neffen Lot hatte es mit seiner Familie dorthin verschlagen. Eines Abends kamen zwei als Männer getarnte Engel in die Stadt. Lot begrüßte sie ehrerbietig und bot ihnen sein Haus als Herberge an. Während Lot ihnen Essen machte, tobte draußen der Mob vor dem Haus: "Wo sind die Männer, die zu dir gekommen sind diese Nacht? Führe sie heraus zu uns, dass wir uns über sie hermachen!" Lot versuchte seine Gäste unbedingt vor den Sodomer Bürgern zu schützen und bot ihnen bereitwillig Ersatz an: "Ach, liebe Brüder, tut nicht so übel! Siehe, ich habe zwei Töchter, die wissen noch von keinem Manne; die will ich herausgeben unter euch, und tut mit ihnen, was euch gefällt!" Nun wollte der Mob den armen Lot notzüchtigen. Da griffen die Engelmänner ein, retteten Lot und schlugen die Meute der Vergewaltiger mit Blindheit. Eile war geboten, denn Gott würde Sodom und seine Bewohner durch Feuer vernichten.

Lots Familie verließ im Morgengrauen an der Hand der Engel die totgeweihte Stadt, er, seine Frau und seine beiden Töchter. Die zukünftigen Schwiegersöhne blieben da, ihnen kam die Angst vor dem Untergang ihrer Stadt lächerlich vor. Lots Familie konnte sich ins Gebirge retten, während in ihrem Rücken Sodom im Feuer verglühte. Lots Frau drehte sich leider um und erstarrte, die Töchter brachten sich mit ihrem Vater in den Bergen in Sicherheit. Dort lebten sie zu dritt in einer Höhle. Es gab weit und breit keine Männer für die beiden Mädchen, ihre Verlobten hatte das Feuer gefressen. Vater Lot war alt, wer sollte sie ernähren und beschützen nach seinem Tod?

Lots Töchter wollten nicht kinderlos bleiben, also gaben sie ihrem Vater ordentlich Wein zu trinken und legten sich nachts zu ihm. So wurden sie beide von ihm schwanger und durch den Samen Lots die Mütter der Moabiter und der Ammoniter.

Thamars List

Die Abraham-Linie setzte sich über Isaak und Jakob fort. Jakob mit dem Beinamen Israel hatte mit seinen beiden Frauen Lea und Rahel zwölf Söhne, die Stammväter der zwölf Stämme des jüdischen Volkes. Sein Sohn Juda heiratete eine Kanaaniterin und sie gebar ihm drei Söhne: Ger, Onan und als Nachkömmling Shela. Ger heiratete Thamar und starb, bevor er Nachkommen mit ihr zeugen konnte. Für diesen Fall hatte die junge Witwe das Recht auf die Schwagerehe mit dem nächsten Bruder ihres verstorbenen Mannes. Der Sohn, der aus dieser Beziehung hervorgehen würde galt als legitimer Nachkomme des Verstorbenen. Der Bruder begattete zwar seine Schwägerin Thamar, dachte aber nicht daran, den von ihr erhofften Sohn zu zeugen: "Aber da Onan wusste, dass die Kinder nicht sein eigen sein sollten, ließ er es auf die Erde fallen und verderben, wenn er einging zu seines Bruders Frau, auf dass er seinem Bruder nicht Nachkommen schaffe."

So wurde Onan der Erfinder der ersten Verhütungsmethode, des Koitus interruptus. Gott missfiel die Art, wie Onan seine Schwägerin um ihre Nachkommen betrog, er ließ ihn ebenfalls sterben. Nun war von den drei Söhnen nur noch der Knabe Shela übrig. Vater Juda ahnte nichts Gutes. Seine Schwiegertochter Thamar würde vielleicht auch seinem jüngsten Sohn den Tod bringen, wenn er erwachsen und als nächster Schwager an der Reihe wäre. Also wollte Juda sie erst einmal los sein und schickte sie in Witwenkleidern zurück in ihr Elternhaus. Shela wurde erwachsen, aber Juda dachte nicht daran, seine Schwiegertochter wieder in sein Haus zu holen. Dann starb die Frau des Juda. Nach der Trauerzeit unternahm der Witwer eine Reise nach Timna.Thamar erfuhr davon und reagierte schnell: Sie tauschte ihre Witwenkleider gegen einen verführerischen Schleier und setzte sich unerkannt ans Tor. Juda hielt sie für eine Prostituierte und handelte als Preis für ihre Dienste einen Ziegenbock aus. Als Pfand musste er der vermeintlichen Hure sein Siegel, seine Schnur und seinen Stab überlassen. Als er den Ziegenbock liefern wollte, war die Frau nicht mehr am Tor. Niemand im Ort kannte sie.

Thamar war längst wieder zu Hause und – endlich schwanger. Das schickte sich nicht für eine Witwe, also sollte sie verbrannt werden. Zum Glück hatte sie das Pfand ihres Freiers aufbewahrt und konnte mit Siegel, Schnur und Stab den Urheber ihrer Schwangerschaft identifizieren: Juda. "Sie ist gerechter als ich; denn ich habe sie meinem Sohn Shela nicht gegeben," musste Juda zerknirscht einräumen. Thamar gebar Zwillinge, die Söhne Perez und Serach. Der Evangelist Matthäus nennt sie übrigens im Stammbaum Jesu von Abraham bis Joseph aus Nazareth.

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